In jüngster Vergangenheit - vermutlich ausgehend von Bartolis Gluck-Album - erfreuen sich auch die Frühwerke des Reformators einer immer stärker werdenden Beachtung. Nach dem "Ezio" und "L'Innocenza Giustificata" liegt ein weiteres Meisterwerk auf CD vor. Und dieses übertrifft meines Erachtens die letztgenannten noch. Bei "Philemon und Baucis" handelt es um ein zweiteiliges Opern-Ballett, welches anlässlich der Hochzeit von Ferdinand von Parma und der österreichischen Erzherzogin Maria Amalia (Schwester von Marie-Antoinette) 1769 komponiert wurde. Es handelt sich also um ein Auftragswerk im Sinne der klassischen Huldigungskantate. Die Handlung ist folglich auch relativ sekundär (und auch nur schwer nachvollziehbar, zumal es keine deutsche Übersetzung des Librettos gibt), die Musik allerdings famos. Die Sänger - insbesondere aber die Sängerinnen - müssen atemberaubende Schwierigkeiten bewältigen. Ditte Andersen und Ann Hallenberg meistern diese ehrfurchtgebietend. Besonders interessant für Fans des verzierten Gesanges dürfte die Arie "Nocchier che in mezzo all' onde" (Nr. 9) sein, handelt es sich hierbei doch um die Sopran-Version der Mezzo-Bravourarie "Addio, addio, o miei sospiri" - nur dass sie mit einer Länge von über sieben Minuten noch einige zusätzliche Überraschungen bereit hält. Die zweite Dacapo-Arie ist übrigens technisch noch anspruchsvoller. Lassen Sie sich also überraschen!
Hinzu kommt das wie gewohnt kompetente Dirigat der "Les Talens Lyriques" von C. Rousset: Flott, inspiriert und akzentuiert. Eine tolle CD!
Schade ist nur, dass der Prolog, der eigentlich mit zu dem Werk gehört, nicht aufgenommen wurde. Dieser beinhaltet nämlich noch eine tolle Arie für Sopran und Trompete, welche für den Sopran-Kastraten Millico geschrieben wurde. Platz genug wäre auf den CDs jedenfalls noch gewesen...