Handlung:
Im amerikanischen Bürgerkrieg wird ein junger Colonel beauftragt das erste nur aus “Schwarzen“ bestehende Regiment für die Nordstaaten aufzustellen. Natürlich hat er mit vielen Vorurteilen und Hindernissen zu kämpfen bevor er seine Truppe endlich einsatzbereit melden kann. Doch wegen diverser Vorurteile und aus politischen Gründen kommen sie eine Weile gar nicht, später - zur eigenen Enttäuschung – als “Lebensmittelrekrutierer“ und in eher zufälligen Scharmützeln zum Einsatz. Dann endlich ist es soweit – Ihnen wird der Angriff auf ein als uneinnehmbar geltendes Fort der Südstaaten befohlen.
State (allgemein):
“Glory“ aus dem Jahre 1989 erhielt 3 Oscars (Nebendarsteller, Kamera, Ton), schrammte am 4ten (Bester Film) knapp vorbei. M. E. hätte er alle 4 verdient, denn – abgesehen von ein wenig zu viel Heldenverklärung – ist der Film perfekt. Hervorragende Schauspieler agieren in einer gradlinigen, durchweg spannenden, trotzdem intelligenten Handlung, die nicht nur in Bezug auf die imposanten Schlachtszenen hervorragend in Szene gesetzt wurde.
State (historisch gesehen):
Obwohl die amerikanische Geschichte des vorletzten Jahrhunderts zu meinen Hobbys zählt, wurde mir erst durch diesen Film erstmalig bewusst, dass es schon vor den “Buffalo Soldiers“, die später gegen Indianer eingesetzt wurden, reguläre “schwarze“ Regimenter gab. Im Bürgerkrieg dagegen hatte ich bislang nur von marodierenden Banden gehört, die unausgebildet – mit regulären “weißen“ Truppen ziehend - die Zivilbevölkerung der Südstaaten terrorisierte und ausplünderte. Das in “Glory“ auch dieses dunkle Kapitel des Bürgerkrieges nicht ausgespart wird zeigt, dass sich Drehbuch und Regie wirklich bemühten alle Aspekte hinsichtlich “Schwarzen im Bürgerkrieg“ zu beleuchten. Ob allerdings – wie im Film dargestellt - die Freiwilligen des 54. Massachusetts Regiments sich wirklich aus Gründen der Dankbarkeit gegenüber den Nordstaaten, bzw. um sich als echte Amerikaner zu beweisen, rekrutieren ließen, ist m. E. zu bezweifeln. Sicher haben hier auch Aspekte wie z. B. Perspektivlosigkeit, Rachsucht, regelmäßiges Einkommen/Essen und der Wunsch nach festen Strukturen eine nicht unerhebliche Rolle gespielt. Und auch ob der Einsatz dieser Männer gegen ein quasi uneinnehmbares Fort als ihre endgültige politische und menschliche Anerkennung gedeutet werden kann ist eher unwahrscheinlich. Vielleicht hatte der kommandierende General einfach keine anderen einsatzbereiten Truppen mehr oder – hoffentlich nur eine böse Unterstellung – dachte sich “Warum noch mehr “Weiße“ Soldaten opfern“. Ansonsten - Kostüme, Waffen, Ausrüstung, Lebensumstände, allgemeine Denkweisen – alles historisch korrekt dargestellt.
Wer sich für amerikanische Geschichte interessiert sollte auch diese (zum Zeitpunkt der Entstehung dieser Rezension auf DVD lieferbaren) historisch weitgehend korrekten Filme mal antesten: The Broken Chain (Irokesen), Geronimo (Apachen), Gettysburg, Ride with the Devil (beide Bürgerkrieg), Long Riders (James/Younger Bande), Heaven's Gate (Weidekriege). Weniger korrekt, aber sehr gut gemacht “Tombstone“ (Gebrüder Earp)
Wer lieber liest, dem seien insbesondere folgende Titel empfohlen: Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses von Dee Brown (Hier wird das Schicksal fast aller Indianerstämme beschrieben), Apachen, Adler des Südwestens von Donald E. Worcester (z. Z. nicht lieferbar), Billy the Kid und seine Brüder von Bill ONeal (sehr umfangreiches Lexikon der Revolvermänner - z. Z. nicht lieferbar). Im Übrigen sind von Dietmar Kügler eine Vielzahl von (meist noch lieferbaren) hervorragenden Büchern zu verschiedenen Themenbereichen erschienen. Eingeschränkt empfehlenswert: Der Wilde Westen - Cowboys, Trapper, Pioniere von Richard Mancini. Natürlich erheben beide Auflistungen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Die Darsteller:
Ob Matthew Broderick (Wargames, Godzilla) in der Rolle des jungen, seine persönlichen Ängste überwindenden und eine schlagkräftige Truppe bildenden, Colonels – Morgan Freeman (Der Anschlag, Sieben) als überlegten Sergeanten, der seinem Colonel immer wieder hilfreich beratend zur Seite steht - Denzel Washington (Training Day, Ausnahmezustand) als renitenten Einzelgänger, der lange braucht um in die Truppe zu finden – fast alle Schauspieler, auch die Nebendarsteller liefern – insbesondere auch in den teils sehr emotionalen Dialogen - erstklassige Leistungen ab. Auszunehmen ist hier nur Cary Elwes (Bram Stokers Dracula, Denn zum Küssen sind sie da), der – als bester Freund und erster Offizier (Mayor) Brodericks – gerade in den Gesprächsszenen nicht überzeugen kann.
Die DVD:
Bild (opt. Widescreen 1.85:1) und deutscher Ton (DD3) sind keine Referenz aber durchaus in Ordnung. Außerdem gibt’s noch den O-Ton in DD5.1 und die italienischen, spanischen, französischen Sprachfassungen in DD3, bzw. DD4, sowie Untertitel in insgesamt 20 Sprachen.
Die Extras (Bild alle 4:3) können einen Fan der DVD wirklich begeistern:
- 2 “geschnittene“ Szenen, die durchaus den Film bereichert hätten
- verständlich gesprochener und interessanter englischer (wie auch die Dokumentationen auf Wunsch mit UT in Dt., Nl, Sp, Fr oder It.) Kommentar des Regisseurs Edward Zwick (Ausnahmezustand, Legenden der Leidenschaft)
- O-Trailer zu Glory, The Bone Collector (Der Knochenjäger) und Devil in a Blue Dress (Teufel in Blau)
- Sehr kurze unvollständige Infos zu Leben und Filmen von Edward Zwick, Matthew Broderick, Denzel Washington, Morgan Freeman und Cary Elwes auf nicht animierten Texttafeln
- 3 Dokumentationen: “Stimmen des Ruhms“ (7:35 Min) Eigentlich ein riesiger Werbetrailer, gesendet von diversen Kinomagazinen --- “Glory: Wie man Geschichte macht“ (20:01Min.) Gutes Making Off, erläutert von Zwick, Broderick und Freeman --- “Die wahre Geschichte geht weiter“ (45:17 Min.) Umfangreiche Infos zum 54. Massachusetts Freiwilligen Regiment, gespickt mit vielen historischen Aufnahmen. Dazu States zur damaligen Zeit von normalen “Schwarzen“ der unsrigen. Erläutert von Morgan Freeman.
Fazit:
Schon rein als Movie hat “Glory“ 5 dicke Sterne verdient. Die perfekte DVD bringt eigentlich einen 6ten.
Der Film ist für Fans der amerikanischen Geschichte ein echtes Highlight, doch auch Action- und Spannungspuristen werden – nicht nur – wegen der imposanten Schlachtszenen auf ihre Kosten kommen. Und Liebhaber intelligenter Filme werden ebenfalls gut bedient, interessante Diskussionen über Sinn oder Unsinn der gezeigten Denkweisen sind vorprogrammiert.