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Die Glocke aller Glocken, 1. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Gloriosa (Gebundene Ausgabe)
Ich bin Thüringerin und in Erfurt bin ich immer wieder gern. Da meine Tochter in der Stadt studiert, zieht es mit dort auch immer mal wieder hin. Nicht nur zum shoppen *g* - sondern um mir die vielen interessanten und sehenswerten Plätze und Orte anzusehen. Zu Erfurt gehören einfach die Krämerbrücke, die Alte Synagoge und natürlich: Der Dom mit seiner weltbekannten Glocke.
Die Gloriosa ist eine Glocke im Mittelturm des Erfurter Domes. Sie wurde von Gerhard van Wou im Juli 1497 gegossen und wiegt 11,45 Tonnen bei 2,62 m Höhe und einem Durchmesser von 2,56 m. Damit ist sie die größte freischwingende mittelalterliche Glocke der Welt. Außerdem zählt sie zu den klangschönsten Glocken der Welt. Gelegentlich wird sie daher Königin aller Glocken (omnium campanarum regina) genannt. Den Auftrag für ihre Herstellung hatte Bischof Johannes Bonemilch maßgeblich vorangetrieben und auch den Glockengießer Wou auf eigene Kosten bei sich zu Hause einquartiert. Sie wurde erst 1499 auf den Turm gezogen und am 19. Mai 1499 erstmals geläutet. Die Gloriosa diente als Vorlage für eine Reihe großer Glocken, wie zum Beispiel bei der Frankfurter Gloriosa, der großen Kreuzglocke der Dresdner Kreuzkirche und der St. Petersglocke im Kölner Dom.
Quelle: wikipedia.de
Kurze Infos auch zu neuzeitlichen Geschehnissen:
Ende 1984 sprang die Gloriosa beim Einläuten des Weihnachtsfestes und wurde 1985 im Turm von Hans Lachenmeyer und Sohn geschweißt:[3] Geschweißte Risslänge 70 cm bei 19 cm Wandstärke. Zur Durchführung dieser Arbeiten mussten sämtliche Holzteile aus dem Turm ausgebaut werden. Es wurde ein transportabler Ofen im Turm montiert.
Der verantwortliche Glockensachverständige Dipl.-Ing. Kurt Kramer urteilte nach der Schweißung (einer deutsch-deutschen Gemeinschaftsarbeit): 'Die Gloriosa hat nicht nur ihre verloren geglaubte Stimme wieder, sie klingt vielmehr schöner, als je ein heute Lebender gehört hat.' Die Abklingdauer, ein wichtiger Glocken-Parameter, die zuvor gut dreieinhalb Minuten dauerte, lag nach der Schweißung bei nunmehr fünf Minuten.Diese Reparatur war jedoch nicht von Dauer: Im Zuge der Renovierung des Erfurter Doms musste die Glocke wegen eines 40 cm langen neuen Haarrisses ausgebaut und für rund 170.000 Euro in der Glockenschweißerei Lachenmeyer in Nördlingen repariert werden. Damit hatte die Gloriosa zum ersten Mal seit 500 Jahren den Turm verlassen.Im Oktober 2004 kehrte die Glocke wieder in den Erfurter Dom zurück. Am 8. Dezember 2004 wurde sie das erste Mal nach der Reparatur wieder geläutet. Jetzt liegt ihre Abklingdauer bei gut 6 Minuten (370 Sekunden).Im März 2006 wurde die Gloriosa mit einem neuen, 366 kg schweren Klöppel ausgestattet.
Quelle: wikipedia.de
Das erst einmal vorweg.
Die Geschichte der Glocke ist auch in einem historischen Roman verarbeitet worden. Er spielt Ende des 15. Jahrhunderts. Das Mittelalter neigt sich seinem Ende entgegen und viele Menschen sind dem Aberglauben verfallen. Es herrscht Angst und die Abhängigkeit von den Obrigen ist an der Tagesordnung. Aber auch viele für die Geschichte spannende Dinge geschehen, wie z. B. die Erschaffung der Gloriosa. Wir schreiben das Jahr 1497 und Gerhard van Wou gießt unsere Glocke.
Es war nicht immer einfach, wie man sich vorstellen kann, und im Roman erfährt man, was alles passierte, bis die Glocke in ihrem Glanz erstrahlte wie man sie kennt ' bis sie einen so wohlklingenden und klaren Klang erhielt, wie man sie noch heute hören kann.
Immer wieder gab es Rückschläge und die an der Glocke Beteiligten muss Gefahren bestehen. Es ist interessant, was man alles über die Handwerke der damaligen Zeit erfährt, das gesamte Drumherum sozusagen, was während der Entstehung dieser Glocke stattfand, wird im Buch spannend und historisch belegt ' topp recherchiert berichtet. Ein Buch, welches nicht nur für Erfurter und Thüringer interessant ist, sondern ganz sicher auch Historikfans im Allgemeinen begeistern wird.
Der Glaube an den Teufel spielt innerhalb der Entstehungsgeschichte auch eine große Rolle, aber dazu möchte ich nicht mehr verraten, um die Spannung nicht vorweg zu nehmen.
Kurze Leseprobe:
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Er öffnete die Haustür, ließ den ungeduldigen Besucher ein. 'Aber nur in der Küche könnt Ihr mit ihr reden, dass sie nit vom Feuer weg muß. Die Würze braucht Obacht.'
'Meinetwegen im Taubenhaus!' grollte Bonhard.
'Was wollt Ihr denn von ihr' fragte der Brückenzöllner wieder.
'Mit ihr Eulen backen.'
Pfeffer schüttelte den Kopf. Und dabei dachte er an die Eierschitgen, die Maria gestern für ihn gebacken hatte.
Ein würziger Duft empfing die Männer, als sie die Küche betraten. Maria stand am Feuer und rührte mit einem Holzlöffel in dem an einem Haken hängenden eisernen Kessel. Sie kehrte ihnen den Rücken zu.
Man sieht an dieser kurzen Szene, die ich als Leseprobe ausgewählt habe, dass es nicht 'nur' um die Entstehung der Glocke im Besonderen geht, sondern das gesamte historische Umfeld dieser Zeit eingebunden ist. So erfährt man natürlich vieles darüber, wie gelebt und gearbeitet wurde, wie die damaligen Menschen 'tickten' sozusagen.
Sehr schön ist die Handlung aufgebaut. Man steigt gleich mit Spannung in die Handlung ein und erfährt sehr realistisch und bildhaft den Beginn der Handlung. Die Schreibweise ist so, dass man sich wirklich in diese Zeit hinein versetzt fühlt. Immer wieder liest man Ausdrücke, die man heute so nicht mehr sagt, die uns Leser aber in die Zeit zurück versetzen. Auch bedient sich der Autor vieler bildhafter Adjektive und der wörtlichen Rede.
Bis zum Schluss ist die Spannung innerhalb der Handlung gewährleistet, ein Spannungsbogen zieht sich durch das gesamte Buch und hält den Leser daran fest und in der Handlung gefangen. Man wird in die Entstehung der Glocke und ihre damit zusammenhängenden Geschehnisse involviert und erfährt sehr viel über das Miteinander und Gegeneinander der Menschen, die damit zu tun hatten.
Die Charaktere der Guten und Bösen werden sehr schön herausgearbeitet und die Handwerkskünste bildhaft und interessant beschrieben. Ich finde, es ist ein wirklich lesenswertes Buch, welches man sich als Fan des historischen Genres und als Thüringer schon gar nicht ' entgehen lassen sollte.
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