Dieser Film wird für mich für immer zu den All Time Classics gehören. In erster Linie ist es Gena Rowlands Verdienst. John Cassavates hat seiner Ehefrau mit diesem Film ein weiteres Denkmal gesetzt. Nachdem er sie zuvor zumeist als gebrochene Superneurotikerin inszeniert hatte (Opening Night), dürfen wir Gena Rowlands in „Gloria" nun einmal als Powerfrau erleben. In den letzten Jahren wurde die wunderbare reife Gena Rowlands eher als geliftete und kräftiger in die Form gegangene gute Oma auf die Leinwand gebracht ( u. a. Wie ein einziger Tag, Ein Licht in meinem Herzen, Lieben und Sterben in LA), aber die Brüche und Komplexität der Rollen, die ihr Cassavates sr. in seinen Filmen zugestand, finden sich in diesen späten Parts so nie wieder.
In Gloria strömt Gena Rowlands vor Vitalität und wirft sich mit einer Urgewalt in die Rolle der Beschützerin, die versucht, einen kleinen, lästigen und nervigen Jungen vor Gangstern zu retten. Sie verleiht dieser Rolle die Größe einer archaischen griechischen Göttin im Alltagsgewand (hier sind es die Satinkostüme von Valentino). Der Film hat ein mitreißendes Tempo und eine phantastisch komponierte Dynamik, die genügend Pole der Ruhe lässt, um die Geschichte von neuem anzutreiben.
Obwohl Gloria ein Thriller ist, ist er ein sehr berührender Film. Die Verletzlichkeit der im Grunde einsamen Heldin schimmert hinter ihrer rauen, kaltschnäuzigen Fassade immer durch. Wahrscheinlich hat sie ohnehin nicht viel zu verlieren, so dass sie ihr Leben auf's Spiel setzt, um dem Jungen eine Zukunft zu ermöglichen. Natürlich nutzt Cassavates die Klischeespannung nerviges Gör und abweisende Mutterfigur, die sich langsam näher kommen, aber Gena Rowlands gelingt es in jeder Einstellung, diese Rolle über jedes Klischee hinauszuspielen. Mit Recht war sie für diese Rolle für den Oscar nominiert.
„Gloria" ist die One Woman Show für Gena Rowlands, keine Frage, und für ihre Fans ist dieser Film sicher ein absolutes Muß. Mich fesselt dieser Film immer wieder neu von der ersten bis zur letzten Sekunde auch dank der Dramatik des Soundtracks von Bill Conti. Ich freue mich, „Gloria" endlich auch in der originalen Tonspur genießen zu können. Die kleinen Schwächen ( in einer Szene hängt das Mikro ins Bild ) bestätigen eigentlich den sympathischen independent Ansatz der Produktion.
Extras sind keine vorhanden, eigentlich ein skandalöser Totalausfall! Toll hätte ich ein Interview mit der Rowlands gefunden, wo sie über die Hintergründe der Dreharbeiten mit John Cassavates berichtet, noch ist diese phantastische Schauspielerin nämlich am Leben und sie hätte sicher einiges zu erzählen. Fünf Sterne gibt es trotzdem wegen der einzigartigen Rowlands in diesem spannenden Film.