Kurzbeschreibung
In Kolumbien sind Mord und Totschlag an der Tagesordnung. Bei Überfällen der Guerilla, rechter Paramilitärs und gewöhnlicher Krimineller sind nach Angaben der Polizei des südamerikanischen Landes 1997 31.806 Menschen getötet worden - pro Tag werden im Durchschnitt 87 Menschen ermordet. 24 Prozent der Kolumbianer möchten deshalb auswandern, weitere 71 Prozent das Land zeitweilig verlassen. Selbst vor Kindern wird nicht halt gemacht: "Wir bereiteten auf dem Schulhof ein Fest vor", erinnert sich der achtjährige José. "Plötzlich hörten wir Schüsse. Unsere Lehrerin wollte uns in die Klassenzimmer zurückschicken. Aber da sahen wir auch schon, wie zwei Männer unserem Klassenkameraden César den Kopf abschlugen und diesen hoch hielten." César Augusto Rivera wurde eines der vielen Opfer im schmutzigen Krieg, der seit 1996 in der kolumbianischen Stadt Apartadó zwischen Guerilla und Paramilitärs wütet. Im Kreuzfeuer steht die zivile Bevölkerung. Gloria Cuartas - sie war von 1995 bis 1997 Bürgermeisterin von Apartadó - ist mit Leib und Seele Sozialarbeiterin. Sie kann die soziale Krise, an der ihr Land zerbricht, nicht aus der Distanz betrachten. Sie leidet. Aber ihr Leiden führt sie zur politischen und gesellschaftlichen Aktion, drückt sich in einer kühlen Analyse der Zustände im Land aus, auf die sie mit persönlichem Engagement - unter Einsatz ihres Lebens - reagiert. Die 1961 geborene Gloria Cuartas ist zu einem Sprachrohr eines besseren Kolumbien geworden, das für die Einhaltung der Menschenrechte kämpft. Sie setzt sich dafür ein, daß die internationale Öffentlichkeit erfährt, was für eine Tragödie sich in ihrer Heimat abspielt. Für ihre Landsleute ist sie "la alcaldesa" - die Bürgermeisterin - geblieben. Eine liebevolle und zugleich respektvolle Bezeichnung für eine Frau, die ihren Beruf zur Berufung gemacht hat. 1996 verlieh ihr die UNESCO für ihre Arbeit in einer der gewalttätigsten Regionen der Welt die Auszeichnung "Bürgermeisterin für den Frieden". "Mit unserem Land verbindet man Drogenterror und Gewalt. Einige Regionen zählen zu den konfliktträchtigsten Gebieten der Welt. Aber wenn man aus Kolumbien kommt und sein Land liebt, dann sieht man auch, daß hier etwas geschieht, daß es Menschen gibt, die ihre ganze Kraft einsetzen, damit Kolumbien die Chance erhält, eine wirkliche Demokratie zu entwickeln. Und diese wachsende soziale Bewegung ist unsere Hoffnung." Gloria Cuartas steht in der Tradition der aufbegehrenden Mütter italienischer Mafiaopfer und der argentinischen Mütter der Plaza de Mayo, die laut sagen: "Basta yá - es reicht!"