„Eiseskälte. Klarer Himmel. Es barst die Luft.“ So vielversprechend beginnt Helge Schneiders „Expeditionsroman“, der die Fans des Meisters bis zur letzten der ca. 120 Seiten begeistern dürfte – und das beginnt schon mit dem schrägen und einfach nur köstlichen Cover. Reisestart (!) ist am Nordpol, wo der neue Weltenbummler bauchfrei bei –80 Grad, ausgerüstet mit Falt-Axt, Topfpflanze und Mickymausheften sich gegen gefährliche Eisbären verteidigt („Er zauderte, mich in Stücke zu zerlegen.“), sich einen Braten schießt und sich wie ein Wurm hin und her wälzt, „um der außerordentlichen Kälte keine Angriffsfläche zu bieten“ und nebenher noch die Zeit findet, der heimischen Stadtverwaltung einen Brief zu schreiben. Schneller als man die Seiten umblättern kann reist Helge Schneider per Hundeschlitten mit 8 Huskies, die er bei Eskimos für eine Probepackung Hustenbonbons aus der Apotheke bekommen hat, über Grönland nach Russland, „über Kanada und ein Stück China“. Auf dem Pferd geht es über den Kaukasus, über Afghanistan nach Persien, an Italien vorbei nach Andalusien, von Gran Canaria mit dem Hoover-Craft nach Marokko, zum Karneval in Rio, über Hawaii zu den „Komödien-Waranen“ auf den Galapagos-Inseln, dann nach Vietnam, Belgien, Portugal, New York... Unterwegs muss Helge eine nackte Frau, die „aus Gastfreundschaft“ im Eskimo-Zelt lag, eine russische Kampfpilotin und viele brasilianische Tanzmariechen enttäuschen, weil er strikt die Enthaltsamkeit vor der Ehe befolgt – ein Running Gag, der sich durch das ganze Buch zieht. Schließlich wird der Pastor kurzerhand direkt ins Schlafzimmer bestellt, um Abhilfe in der moralischen Notlage zu schaffen. Helge zeigt als formidabler Überlebenskünstler den rechten Umgang mit bedrohlichen Wölfen („Ich blieb zwar freundlich, aber bestimmt.“) und gefährlichen Eisbären, denen er „Auge in Auge, na ja, bestimmt nicht weiter weg wie hundert Meter“ mit Ausrufen wie „Hau ab, du Arsch!“ und „Bullebullebullebulle!“ begegnet. Höhepunkte der Reise sind u.a. die Begegnung mit Günter Netzer als einbeinigem Tuareg in Afrika und tibetanischen Mönchen, die für ihre Fasermalerei bekannt sind („Sie malen klitzekleine Geschichtchen auf Fasern, die anschließend zu einem Hemd oder einer Jacke gewebt werden. Dann sind die Geschichtchen nachher natürlich nicht mehr zu sehen, aber die Vibrations und die klare Aussagekraft dieser Geschichtchen sind noch nach dreißig Handwäschen mit Rei in der Tube zu spüren“.) Der Erzählstil ist geprägt von haarsträubenden Abschweifungen („Die Menschheit würde nicht existieren, Würmer würden jetzt die Geschäfte regeln an der Börse in New York, oder ein Elch wäre Bundestagspräsident [...] und Affen würden von den Bäumen als fahrbarer Untersatz zweckentfremdet sein.“), inspirierender Logik („Diese Pein muss so hoch sein, daß die Leute, die so etwas gewagt haben, davon ihr Leben lang positiv erzählen.“) und faszinierende Formulierungen, für die der Autor sicher den Weg in die deutsche Alltagssprache bahnen wird („Ich hustete klar und zynisch“). Mit vielen aberwitzigen ‚Reisefotos’ geschmückt, die in Verbindung mit ihren Untertitelungen zum Schreiben komisch werden, dürfte „Globus Dei“, das in einem 1A-Helge-Schneider-Flow geschrieben ist, zur kurzweiligen (und leider auch kurzen) Lektüre im schrägen Stile ihres Meisters voller sprachlich-anarchistischer Formulierungen ohne Vorankündigung und Anzeichen von Reue werden – und natürlich auch zur äußerst ‚lehrreichen’ Beschreibung der Welt, ganz im Sinne der alten Seefahrer, von denen Helge spricht: „Denn daß die Welt rund war, wußten die Menschen schon, aber nicht, wie rund.“