Es gibt beachtlich viele spezialisierte RAW Konverter und Foto-Entwickler am Markt. Neben DxO Optics Pro (Standard und Elite) gibt es auch Adobe Lightroom (und Photoshop), Apple Aperture, Bibble 5 Pro, Capture One, Silkpix Developer Studio, die Hersteller eigenen RAW Konverter und RAW Therapee (Freeware) und etliche Plugins (z.B.: UFRaw als Gimp Plugin) und einige andere mehr (diese Auflistung ist unvollständig!).
DxO Optics Pro verwende ich seit der Version 5 und bin erstaunt darüber, wieviele neue Kameramodelle und Objektive jedes Jahr hinzukommen. Dies ist insofern beachtenswert, da es sich bei Optics Pro nicht nur um einen sehr guten RAW-Konverter handelt, sondern - bei eingemessenen Kamera-/Objektivmodellen - auch Verzeichnungen, Vignettierungen, mangelnde Schärfe, Unscharfmaskierungen, Trapezverzerrungen, laterale chromatische Aberration und vieles andere gleich mit korrigiert wird. Dies kann zuverlässig eben nur mit eingemessenen Kamera-/Objektivkombinationen erledigt werden. Mal abgesehen davon, dass dies zu hervorragenden automatischen Korrekturen führt, bedeutet dies aber eben auch, dass wahrscheinlich nicht alle Kombinationen jemals werden erfasst werden können. Ein Blick in die Liste der unterstützten Kamera-/Objektiv Varianten auf der DxO Website lohnt sich also in jedem Falle. Wenn man den Informationen von DxO glauben schenken darf, dann werden Ende 2011 über 5.000 Kombinationen unterstützt und bis Ende des Jahres 2012 sollen es gar 10.000 sein. Ohne mit dem Prozedere der (Ein-)Messungen vertraut zu sein, dürfte es sich um einen doch immensen Aufwand handeln. Entsprechend müssen nach der Programminstallation die notwenigen Kamera-/Modul-PlugIns heruntergeladen werden. Dies begrenzt sich - wenn man sich innerhalb der erworbenen Programmversion aufhält (wobei die "Elite" Variante grundsätzlich alle Module bereithält) - nicht auf eine einzelne Kombination, sondern diese werden anhand der EXIF Informationen aus den Bildern ausgelesen und mit den installieten Modulen abgeglichen.
Funktional unterscheiden sich die beiden Versionen "Standard" und "Elite" nur dadurch, dass in der "Elite"-Version professionelle Kameras und Objektive unterstützt werden. Auch aus diesem Grunde, um die richtige Auswahl zwischen den beiden Programmvarianten für die eigene Verwendung herauszufinden, lohnt sich ein Blick auf die Website von DxO um Enttäuschungen über nicht unterstützte Varianten zu vermeiden.
Etwas, was jedoch sehr erstaunlich ist, ist, dass die verwendeten Automatiken schon so gute Ergebnisse erzielen, die auch manuell kaum noch zu toppen sind. Sicher, mit Photoshop lassen sich die Bilder fast unbegrenzt manipulieren, dies jedoch ist nicht die wesentliche Aufgabe von Optics Pro. Zusätzlich zu den RAW Formaten der einzelnen Kameras werden auch JPEG Bilder zur Bearbeitung unterstützt.
Wer viele Bilder sein eigen nennt, der sollte für die Entwicklung im Batch-Betrieb auf jeden Fall einen leistungsstarken PC seineigen nennen (schnelle CPU und 8GB RAM sind schon empfehlenswert); entsprechend auch ein 64bit Betriebssystem. Unterstütz werden neben den Windows Versionen (ab XP) auch die Apple Plattform ab OS X 10.5. Zudem - auch sehr nett, darf die erworbene Version auf zwei Arbeitsplätzen installiert sein.
Prinzipiell ist das Arbeiten mit Optics Pro verhältnismäßig einfach, da sich die Bearbeitung/Entwicklung in drei Schritte gliedert: Organisieren, Bearbeiten und Entwickeln. Für die ersten Male kann man den beim Programmstart erscheinenden Assistenten verwenden, welcher bei den ersten Gehversuchen unterstützt. Anschließend wird alles weiter über Paletten gesteuert (Histogramm, Belichtung und Farbe, Korrekturen und, sofern installiert (separat zu erwerben) das FilmPack und lässt sich anschließend nach kurzer Berechnung begutachten.
Mit "DxO Lightning HDR" läßt sich aus RAW Bildern ein "pseudo HDR" erstellen. Diese Funktion kann zwar mit den gängigen HDR Photos bei weitem nicht konkurrieren (vor allem nicht hinsichtlich der erzeugbaren Effekte), bringt aber dennoch schöne Ergebnisse.
Als Ausgabeformate stehen JPEG, DNG sowie TIFF zur Verfügung. Weitere Presets für das Internet und die Druckausgabe stehen ebenso bereit.
Etwas Vorsicht ist geboten, da sich in den Programmeinstellungen eine Einstellung findet die sich "Ich akzeptiere die Teilnahme an einem anonymen Programm zur Produktverbesserung" nennt. Für diejenigen, die das nicht möchten, ist diese Option aber abwählbar.
Wer sich vor einem möglichen Erwerb kundig machen möchte (eine Testversion gibt es - wie bei den anderen Herstellern auch, auf der Herstellerwebsite), der sollte dies auf der Hersteller Website tun und weiterhin ist auch bei youtube ein mitgeschnittener Webcast veröffentlicht und bereitgestellt worden. Nicht in allen belangen Professionell, jedoch ist ein guter Einblick in die Funktionsweise und die Möglichkeiten gegeben.
Die Registrierung auf der Hersteller-Website halte ich für eine gute Sache, da man dadurch auch auf die neuesten Updates des Programms und der Modellerweiterungen auf dem Laufenden gehalten wird.
Persönlich ist mir beispielsweise Lightroom zu sperrig - auch wenn die Ergebnisse gleichsam hervorragend sind. Hinsichtlich des Workflows finde ich DxO bequemer, das liegt aber immer im Auge des Betrachters und bei Adobe sprichwörtlich "zuhause" ist, der wird mit Lightroom sicherlich eher das Programm seiner Wahl finden.
Aufgrund der seit jeher guten Ergebnisse (ich verwende dieses Programm mit einer Canon G10 sowie der Nikon D5100, insofern ist die Standard-Version für mich derzeit ausreichend), der verbesserten Geschwindigkeit und des Worklflows sowie der aus meiner Sicht überragenden Automatiken verdient dieses Programm fünf Sterne. Und dann gibt es ja auch noch das FilmPack als Option...ausprobieren kann ich da nur sagen, ausprobieren...