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Globalisierung von unten. Der neue Kampf gegen die wirtschaftliche Ungleichheit
 
 
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Globalisierung von unten. Der neue Kampf gegen die wirtschaftliche Ungleichheit [Taschenbuch]

Maria Mies
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Change X

"Dein Körper kribbelt geradezu vor Hoffnung, wenn du unter so vielen bist, die beschlossen haben, eine bessere Welt zu schaffen." So eine Teilnehmerin der großen Protestkundgebung von Seattle 1999 gegen die Ministerkonferenz der World Trade Organization (WTO), überwältigt von der Masse der Demonstranten. Buchautorin Maria Mies löst diesen Satz aus dem euphorisierenden Kontext der Massendemonstration und zitiert ihn als Leitmotiv in ihrem Buch Globalisierung von unten. Ob sie dieses Kribbeln auch beim Schreiben überkommen hat, teilt die Autorin dem diesbezüglich interessierten Leser allerdings nicht mit. Das Ergebnis indes nährt diese Vermutung. Denn "Globalisierung von unten" lebt aus jener vereinnahmenden Weltverbesserungshaltung, die einst die Demonstrationen der Friedensbewegung prägte und die heute noch als kollektive Grundstimmung der Kirchentagsveranstaltungen auszumachen ist. "Globalisierung von unten" ist Globalisierungskritik für die dort anzutreffende Klientel.

Dieses Buch ist total PC - politically correct bis hin zum großen "I" in "KritikerInnen" und "LeserInnen". An Letztere wendet sich Mies auch eingangs gleich mit der Bitte, "eine Weile innezuhalten und darüber nachzudenken, was eine Wasserscheide ist": Eine Wasserscheide war nach den Worten der indischen Wissenschaftlerin und Aktivistin Vandana Shiva die Demonstration von Seattle, die bis dahin größte Manifestation globalisierungskritischer Proteste. Zum Glück befleißigt sich die Autorin nur einige Seiten lang dieses gleichnishaften Wort-zum-Sonntag-Stils, um sodann zu einer parteiischen aber sachlich fundierten Darstellungsform zu finden. Drei Anliegen verfolgt Maria Mies mit 250-Seiten-Buch. Einmal will sie die "globale Bewegung von unten" darstellen und analysieren. Zweitens darüber aufklären, wie die globale Wirtschaft funktioniert. Beides gelingt ganz passabel. Vor allem macht Mies deutlich, dass die globalisierungskritische Bewegung eben nicht so überraschend kam, wie es den von den Protesten überraschten Politikern erschienen sein mag. Vielmehr speist sich diese neue soziale Bewegung aus vielfältigen Vorläuferbewegungen, die sich nicht zuletzt aufgrund von regen Formierungsbemühungen schließlich zu einem großen, wenngleich heterogenen Proteststrom vereinigten. Dies veranschaulicht das Bild eines sich aus mäandernden Bächen und Flüssen speisenden Stromes, den Maria Mies aus dem Bild der Wasserscheide ableitet, tatsächlich ganz gut. Anders als ihre Autorenkolleginnen Naomi Klein und Noreena Hertz schreibt Mies nicht so sehr aus dem Blickwinkel der westlichen Gesellschaften, sondern wendet sich besonders den Einflüssen von Protestinitiativen aus der Dritten Welt zu. Das ist eine interessante Ergänzung zu der westlichen Nabelschau.

Das dritte Anliegen der Autorin schließlich ist Ermutigung. Gerade in Deutschland, wo die Proteste erst spät Fuß fassen konnten, will sie ihre Leser dazu ermuntern, die "weltweite neue soziale Bewegung gegen den Raubkapitalismus und die unbegrenzte transnationale Tyrannei der Konzerne" zu unterstützen. Das ist vermutlich vergebliche Liebesmüh, denn dieses Buch funktioniert anderes herum: Es wird von jenen gelesen, die schon längst dabei sind. Und dies vermutlich nicht zum ersten Mal, sondern - wie die Autorin - reichlich Bewegungserfahrung in die neuen Aktivitäten einbringen. So kommt es nicht von Ungefähr, dass das Buch den gewohnten Sprachstil pflegt und die gewohnten Selbstbestätigungsrituale bedient.

Da überrascht es auch nicht mehr, wenn Mies Ideen und Konzepte von Vorgestern als Alternative zur "Globalisierung von oben" anbieten will. "Weg von der Globalisierung hin zur Lokalisierung", schreibt sich Mies auf die Fahnen und bietet allen Ernstes die 20 Jahre lang gepflegte Idee einer Subsistenzwirtschaft als Alternative zum globalisierten Kapitalismus an. Und dieser "Kampf um die Subsistenzfähigkeit" müsse zunächst in der Landwirtschaft beginnen - in einem Wirtschaftssektor also, in dem heute hierzulande (mit bekanntermaßen abnehmender Tendenz) gerade mal 2,9 Prozent der Bevölkerung 1,1 Prozent der volkswirtschaftlichen Gesamtleistung erbringen. Die Bildung lokaler Erzeugergemeinschaften mag für Bauern in wenig entwickelten Ländern oder für Gemeinschaften von Aussteigern in den westlichen eine Perspektive sein, als Alternative zu einer globalisierten Wirtschaft taugt sie jedenfalls nicht. Wir jedenfalls können uns nicht recht vorstellen, nun auf die Produktion von, sagen wir, Gurken umzusatteln. Dann hielten wir es (ausnahmsweise) mit Franz Josef Strauß und züchteten Ananas in Alaska.

Oder haben wir etwas falsch verstanden? Vielleicht reagieren wir auch etwas gereizt auf die Empfehlung, wir Männer müssten zunächst unseren "patriarchalen Potenzwahn" ablegen, wie die Autorin empfiehlt. Aber so sehr wir uns auch bemühen, wir werden den Eindruck nicht los, Frau Mies habe den Zug verpasst. Aber vielleicht holt sie ihn 2002 wieder ein.

(c) changeX - Online-Magazin für Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft

Kurzbeschreibung

Unbemerkt von der Öffentlichkeit wird seit Jahren das konzerngesteuerte neoliberale Wirtschaftsmodell durch Institutionen wie Weltbank, IWF und Welthandelsorganisation weltweit durchgesetzt. Immer neue Freihandelsabkommen gefährden Demokratie, Umwelt, Arbeitsplätze und Menschenrechte.
In ihrem neuen Buch berichtet Maria Mies über die große globale Bewegung dagegen und die Situation des Protests, der auf Seattle folgte. Sie informiert über Methoden und Ziele, über Vorläufer und historische Hintergründe. Doch vor allem geht es um die Suche nach einer anderen Wirtschaft und Gesellschaft, einer Gesellschaft, die den Profit nicht über Menschen und Natur stellt.
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