Mittlerweile ist es bei breiteren deutschen Volksschichten angekommen, woran wir vor Jahren nicht gedacht hatten, was uns aber in letzter Zeit "dämmerte": die Privatisierung von öffentlichen Einrichtungen - vor allem von Energieunternehmen, Paketdienst, Telekommunikation etc. - und die fortschreitende Globalisierung haben nicht dazu geführt, dass wir alle glücklicher geworden sind. - Nein, im Gegenteil. - Diese Privatisierungs- und Liberalisierungswelle, die wir für einen sinnvollen Schritt zu mehr Staatsmitteln, Service, Flexibilität und Effektivität erachteten, beschert uns heute: stetig steigende Preise, Abschaffung von Arbeitsplatzsicherheit, Aufweichung der - über Jahrzehnte errungenen - Arbeitnehmersicherungssysteme, und im Schnitt sinkende Realeinkommen. - Dabei beschleicht uns erneut das Gefühl, dass Politik, aller voran die Wirtschaftspolitik, nicht im Bundestag, sondern zunehmend in den Chefetagen von Wirtschaftskonzernen gemacht wird, was wir ja eigentlich schon wußten. - Lange hat es gedauert - und es dauert ja noch an: aufgrund unseres (relativen) Wohlstandes in der BRD, eingebettet in die reiche EU, "trotten" wir der Politik hinterher, in der Hoffnung, das "die" es schon "richtig machen werden".......
Aber auch hier begegnet uns eine erneute Ahnung: wenn das so weitergeht, wo soll das nur enden?
Die Antwort darauf gibt uns Maria Mies in ihrem ausgezeichneten Buch "Globalisierung von unten". Und - das ist das bemerkenswerte - zwar schon 2001: 7 Jahre vorher wußte sie schon, was wir zu hören befürchten: DAS endet in der globalen Herrschaft des Geldes, kurz der Konzerne, eingeleitet durch ihre Pioniere: der Weltbank, der Welthandelsorganisation, dem Internationalen Währungsfonds und andere "Geldclubs", wozu übrigens auch die EU gehört.
Das Buch - das sich sehr gut hören läßt - hilft uns, die Zusammenhänge zu verstehen, die wir bisher nicht oder kaum gekannt haben, da wir solches - üblicherweise - nicht in den deutschen Medien vernehmen.
Zusammenhänge zwischen den Quads (USA, EU, Japan, Kanada) mit o.g. Institutionen (WB, WTO, IWF), deren "Entwicklungshilfe", der Globalisierung, Liberalisierung, Privatisierung, den Abkommen und Verträgen - wie NAFTA, GATT, AOA, TRIPS uvm. -, der Patentierung(sversuchen) von (uralten) Pflanzen (Bio-Piraterie), dem Neokolonialismus, der Verarmung weiter Teile der Weltbevölkerung - zunehmend auch in Europa und Deutschland -, der Umverteilung (von "unten" nach "oben"), den Swet-Shops, ethnischen Konflikten usw..
Von vorgenanntem und dem Zusammenhang mit dem Widerstand gegen diese "Globalisierung von oben" handelt dieses Buch. - Beginnend - und immer wieder zurückkehrend zum Protest im November 1999 in Seattle, als die Quad-dominierte WTO die "Entwicklungsländer" offen betrügen und vertraglich festgehalten ausbeuten wollte, und sie sich einem - ihr weitgehend unbekannten - internationalen Massenprotest ausgesetzt sah, der ihr zwar nicht die "Sinnfrage" entrang, jedoch die Erkenntnis vermittelte, dass ihre Methoden ein "Echo" gefunden haben, dessen sie sich nicht entziehen konnte und bis heute nicht mehr kann.
Das Buch enthält eine Fülle von Informationen. Informationen, die schockieren können und hoffentlich "aufrütteln":
- "Globalisierung, Liberalisierung, Privatisierung" (GLP) ist keine unausweichliche Entwicklung, sondern schlicht eine "Geldphilosophie", die mittels erheblichen Aufwandes etabliert wurde. - Sozusagen die neue diktierte "Weltreligion".
- Die GLP dient nur einem Zweck: Entzug des Kapitals von Einzelnen (Menschen, Nationen) und Ballung in wenigen internationalen Konzernen
- damit verbunden: Abhängigmachung aller Menschen, Verdammung zu auswegloser Armut,
Auflösung von - demokratischen - Regierungs- und Verwaltungsformen
- Zerstörung der Natur und jeglichen natürlichen Lebensraumes
- Reduzierung aller Lebewesen und aller Dinge zu Handelswaren.
Das Buch bietet auch Lösungen aus dem Dilemma, und zeigt einige Beispiele dafür, dass GLP schlicht eine austauschbare Philosophie ist, und keinesfalls alternativslos (TINA).
Einziger Kritikpunkt am Buch: ein gewisser Hang zu Feminismus, womit die spezielle Situation der Frauen in diesem Kontext beleuchtet werden soll. - Da die Dramatik des Themas jedoch alle betrifft, ist im "Finale" die Frage nach "Mann oder Frau" irrelevant.
Zum Schluß ein Zitat aus dem Vorwort, der zitierte ist Percy Barnevik - (damaliger) Präsident von ABB: "Ich defniere Globalisierung als die Freiheit unserer Firmengruppe, zu investieren, wo und wann sie will, zu produzieren, was sie will, zu kaufen und zu verkaufen, wo sie will, und alle Einschränkungen durch Arbeitsgesetze oder andere gesellschaftliche Regulierungen so gering wie möglich zu halten."
Noch Fragen?
Fazit: Globalisierung geht uns alle an: denn letztlich ist das Ziel des geistlosen Kapitals schlicht Kapital, und sonst nichts. Und ob wir nun Franzosen sind, Deutsche, Russen oder Indonesier: für ,das Geld' sind wir nur Produktionsfaktoren oder eben "Waren", die billigst zu beschaffen und auszubeuten sind.
Warum sollte man uns 5, 15, 30, 100 oder 1000 Euro Stundenlohn zahlen, wenn man uns geringstbietend gegeneinander ausspielen kann, und wir dann für 13 Cent / Stunde Höchstleistungen vollbringen?
Ein aktuelles Beispiel hierfür:
Derzeit (Januar 2008) hören wir, daß ein Handyhersteller seinen Produktionsstandort im Ruhrgebiet
wegen "Unrentabilität" schließen (Abbau von über 2000 Arbeitsplätzen) und nach Osteuropa verlagern will.
Nicht daß das Werk Verluste machen würde, nein: es macht Gewinne im zweistelligen Prozentbereich, aber dieser ist - in der Kategorie GLP gedacht - nicht so hoch, wie er - kostenoptimiert - sein könnte.
Und da ist es rentabler, einen hochmodernen Produktionsstandort aufzugeben und einen neuen anderswo auf der Welt zu bauen, als den alten beizubehalten.
Und: nebenbei hatte dieses Unternehmen auch noch ca. 90 Millionen Euro Subventionen
vom Staat (und damit vom Bundesbürger) erhalten.
Und nun, da alles Geld eingesteckt und ein billigerer Produktionsstandort ausgemacht ist, zieht die Heuschrecke weiter:
Globalisierung geht uns alle - zwangsweise - an, denn sie "dreht" uns allen "den Hahn ab".
Übrigens: es wäre ein Trugschluß, zu meinen, "das interessiert mich nicht, denn es betrifft mich ja (jetzt) nicht", denn etliche Beispiele im Hörbuch und vorgenanntes zeigen nur zu deutlich, dass man selbst sehr schnell direkt betroffen sein kann. Indirekt sind wir ja sowieso alle längst "mit dabei".