In dem knappen Bändchen sind drei Vorlesungen wiedergegeben, die der frühere deutsche Bundeskanzler in der Düsseldorfer Universität Ende 1997, Anfang 1998 gehalten hat. Die einzelnen Beiträge befassen sich mit dem „Phänomen Globalisierung", den „politischen und ökonomischen" sowie den „kulturellen Herausforderungen", wobei die Qualität unterschiedlich ausfällt. Während zum „Phänomen Globalisierung" vorwiegend bereits Bekanntes referiert wird, fallen die Anmerkungen zu den Herausforderungen wesentlich interessanter aus. Dies gilt insbesondere für die sieben Ansätze zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit (Notwendigkeit der Deregulierung, Umsetzung des Subsidiaritätsprinzips, Aufgaben- und Ausgabenbegrenzung des Staates vor Steuersenkung, Abschaffung von Steuerschlupflöchern, Überarbeitung des Arbeitsrechts, Erneuerung der sozialen Sicherungssysteme, Förderung von Forschung und Entwicklung), zumal Schmidt hier durchaus selbstkritisch Fehler der eigenen Politik zugibt. Zwar sind auch diese Konzepte nicht völlig neu, aber sowohl in der Darstellung als auch in der Argumentation höchst lesenswert. Am originellsten fallen die Vorschläge im Bereich der kulturellen Herausforderungen aus. Schmidt entwirft nicht allein Bedingungen für ein leistungsfähigeres Bildungs- und Wissenschaftssystem, sondern plädiert vehement für größere Toleranz, verbunden mit einer eindringlichen Warnung vor militantem religiösem Fundamentalismus, egal ob christlicher oder islamischer Ausprägung. Es gelte die Tatsache zu verbreiten, daß es eine große Gemeinsamkeit bei den ethischen Grundüberzeugungen gibt. Globalisierung als Möglichkeit, von einander zu lernen bedeute eine große Chance, könnte jedoch auch zur Bedrohung der eigenen Identität werden. Konsequenz dieser Herausforderungen wären vier Anforderungen an Politiker, denen diese sich nicht entziehen dürften: „Was wir ihnen nicht nachsehen dürfen, ist ein Mangel an Urteil, ein Mangel an Courage, ein Mangel an Tatkraft. Niemals dürfen wir ihnen einen Mangel an Verantwortungsbewußtsein durchgehen lassen." Hier spiegelt sich nicht nur Schmidts Grundüberzeugung wider, daß das öffentliche Wohl das oberste Gesetz sei, sondern auch die von ihm mitbeeinflußte „Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten." Schmidts Vorlesungen sind zwar nicht der vom Verlag behauptete große Wurf, aber insgesamt ein ebenso lesbares wie informatives Buch zur Globalisierung, das in knapper Form einige der wesentlichen Probleme und mögliche Ansätze zu ihrer Bewältigung skizziert. Eine gelungene Einführung in die Problematik!