Richard Münch ist so etwas wie der Stachel im Hintern der Hochschulreformen. Bereits in seinem letzten Werk ("Die akademische Elite") dekonstruierte er treffend und teils polemisch, aber empirisch fundiert, den aktuellen Hype im Wissenschafts- und Forschungssytem. "Globale Eliten, lokale Autoritäten" steht dem in seiner kritischen Einschätzung der aktuellen Reformen in nichts nach.
Münch steigt mit einer treffenden theoretischen Analyse der aktuellen Situation ein: Das Zusammentreffen von New Public Management - theoretisch fundiert durch neo-institutionalistische Ansätze bzw. die neue Institutionenökonomik - und bestehenden Organisationsformen, Prozessen und Verwaltungskulturen in den (Hoch-)schulen erzeugt hybride Gebilde, die die Reformversprechen bzw. die erwarteten Effizienzgewinne gar nicht einhalten können. Doch auch für weniger theoretisch bewanderte Leser ist das Buch durchaus verständlich.
In den weiteren Teilen beleuchtet Münch kritisch und beißend die aktuellen Reformanstrengungen im Bidlungs- (PISA), Hochschul- (Bologna) und Forschungssystem (Exzellenzinitiative). Letztere haben das Ziel, die deutschen Universitäten auf "Unternehmen" nach dem Vorbild der Ivy League-Universitäten in den USA zu trimmen. Dabei verwendet Münch (angelehnt an Bordieu) die Kategorie des "symbolischen Kapitals", um zu beschreiben und zu hinterfragen, wie die deutschen Universitäten beispielsweise im Rahmen der Exzellenzinitiative nur oberflächlich an Prestige gewinnen, ohne dass sich der reelle Output von Wissenschaft und Forschung signifikant steigert. Der Wissenschaftspolitik geht es scheinbar primär um Sichtbarkeit und Symbolpolitik: Man möchte "Leuchttürme" installieren, die in Stanford und "Shanghai" wahrgenommen werden.
Für jede im Bildungs- und Wissenschaftssystem aktive Person ist das Buch eine wertvolle Lektüre, weil es plausibel den aktuellen Hype in Frage stellt: LOM, Zielvereinbarungen, Hochschule als Unternehmen, neue Governance, NPM, Hochschulrat, Exzellenz, Cluster, Drittmittelforchung, Profilbildung, kritische Masse. Wer mit diesen Phänomenen konfrontiert wird und sich fragt, was eigentlich deren Gewinn ist, sollte Münchs Buch lesen.
Manchmal wünscht man sich jedoch, dass die Argumente im Text doch stärker empirisch fundiert werden. Teils wirkt der Text auch etwas mit heißer Nadel gestrickt. Und Münch outet sich sich als Kenner des Fußballs, wenn er die sich spaltende finanzielle Schere im europäischen Fußball als Analogie einbringt: "Eintracht Frankfurt wird nie Real Madrid sein". Zugegeben, der Fußball hält für viele abgegriffene Weisheiten her. Aber eingestreut in ein Buch mit diesem Anspruch wirkt es sympathisch.