Weihnachten stand vor der Tür, wohin also mit dem Weihnachtsgeld? Beim Stöbern bei Amazon stieß ich auf den Bus-Simulator. Ein Cover - angelehnt an den Microsoft Train Simulator - und vollmundige Versprechungen sahen interessant aus. Fein, dachte ich mir, für die paar € kann man ja nicht viel falsch machen! Oder doch?
Bald darauf kam der Bus-Simulant...äh, natürlich Simulator 2008 ins Haus. Installiert und ausprobiert.
Zuerst fällt die unansehnliche Grafik ins Auge. Irgendwo zwischen Carmageddon von anno 1997 und Autobahn-Raser angesiedelt, trotz höchster Grafikeinstellungen, ruckelt das Spiel dennoch gerne mal! Warum eigentlich? Mein Rechner ist recht flott (Core 2 Duo E6600, 2 GB RAM, ATI Radeon X1950XTX Crossfire) und diese Schmuddeltexturen können ja nun nicht so viel Leistung beanspruchen - tun sie aber scheinbar doch.
Mein 5.1 Sound geht nicht mit diesem Spiel, auch Stereo möchte nicht funktionieren. Egal, der Sound ist sowieso eher flach und wenig überzeugend! Dazu später noch mehr.
Man startet eine Kampagne mit etwas Geld, welches man gleich in einen einfachen Niederflurbus für die Stadt investiert.
Zu den Bussen: Natürlich kann man für dieses Geld keine Original-Lizenzen erwarten. Das ist auch kein Problem. Mit etwas Fantasie kann sich der geneigte Buskenner ein Bild davon machen, welches Vorbild der entsprechende Bus hat. Allerdings sehen die Busse allesamt sehr grob texturiert aus und der Motorsound, der an einen Baustellenkompressor erinnert und weniger an einen Dieselmotor, ist bei allen gleich. Immerhin sieht die Werbung - die Geld bringt - an den Bussen nach wenigstens einem Bißchen was aus, eventuell sollten die Programmierer ja in die Werbebranche einsteigen.
Nun denn, so geht es dann los. Die erste Runde mal 6 Haltestellen anfahren - klingt einfach? Ist es auch, und dann auch wieder nicht.
Die Busse bleiben dauernd irgendwo hängen. Immer wieder tauchen seltsame Gegenstände auf dem Gehweg auf, wo man hängen bleibt. Denn bei dem Wendekreis kommt man bei den eckigen Kreuzungen leider zwangsweise auf den Gehweg! Hat man diese Hindernisse überwunden und steht endlich an der Haltestelle, sieht man immerhin die Leute ein- und aussteigen. Die Türen muß man per Hand öffnen und schließen. Wenigstens etwas! Dumm nur, wenn man zu früh losfährt, obwohl keiner mehr einsteigt, dann gibt es zur Strafe Abzug vom Umsatz. Auch das Überfahren einer roten Ampel wird entsprechend geahndet. Nur interessiert es keinen, ob man mehrfach über eine rote Ampel fährt. Auch Tempolimits gibt es nicht und wenn man auf der Gegenfahrbahn fährt, spielt das auch keine Rolle.
Soviel zum Realismus! Als echter Busfahrer würde man da schon längst im Gefängnis sitzen.
Hat man ein bestimmtes Stadtgebiet im Billig-Texturenlook abgeschlossen, wird das nächste freigeschaltet. Die Stadt selber ist irgendeine Fantasiemetropole namens "Düsselburg" (so laut Werbung) und bietet graue Tristess mit einigen Altstadtbauten, die an Lebkuchenhäuser erinnern.
Ab und an braucht man dafür einen neuen Bus für ein bestimmtes Gebiet. Ach ja, jedes Stadtgebiet ist danach abgeschlossen, nachdem man die Strecke dreimal gefahren ist, einmal unter normalen Bedingungen, einmal bei Nacht(Licht anmachen, sonst gibt es Strafe!) und einmal bei Regen.
Bei Regen schliddert der Bus in der Kurve, aber nur ganz leicht. Trotzdem schreien die Leute panisch herum. Na ja, ans Ziel kommt man so oder so!
Auf der Straße lauern aber noch andere Tücken. Da wären zum einen die Fußgänger. Die darf man nicht umfahren, ansonsten wird die Aufgabe abgebrochen. Das klingt auch logisch! Ärgerlich nur, wenn die Dödel an der Kreuzung bei Grün für den Autoverkehr über die Straße gehen und dann noch in meinen Bus rennen(obwohl er steht!!), das zählt nämlich auch als Personenunfall.
Die anderen Autofahrer - von denen es allerdings komischerweise nur sehr wenige gibt, aber wenn sie da sind, dann an kritischen Stellen - in ihren grobpixeligen Matschtextur-Autos sind eine weitere Tücke. Gerne fahren sie nicht in ihrer Spur und rammen meinen Bus. Der Schaden wird dann aber dem Spieler berechnet. Welch Logik?
Zudem gibt es oft kein Weiterkommen, wenn ich über die Kreuzung fahre und ich von Autos eingekeilt werde. Diese fahren auch stoisch weiter und denken nicht daran, zurückzusetzen. Wozu man hupen kann, ist mir auch schleierhaft, außer daß dann zurückgehupt wird, passiert nicht viel. Ach ja, ein Frontalcrash ist kein Unfall, nur ein Sachschaden, man kann danach auch problemlos weiterfahren, ebenso, wenn man einen Laternenpfahl umgebügelt hat.
Die Sonderfahrten und Reisebus-Fahrten sind auch nicht viel anders als der Stadtverkehr. Bei ersteren muß man nur ein Ziel erreichen, bei zweiteren mehrere Streckenpunkte abfahren. Auch hier gilt: Vorsicht vor Fußgängern und anderen Autos!
Mit etwas Geduld und Leidensfähigkeit ist das Spiel in einigen Stunden abgeschlossen. Die Fahrten dauern nämlich alle nur wenige Minuten. Zum Glück, denn bei den dauernd passierenden Unfällen mit unachtsamen Personen wäre das sonst eine noch größere Qual!
Und angeblich soll es auch irgendwann neue Busse für das Spiel geben. Fragt sich nur, welche? Vermutlich auch mit gleichem Sound. Und wer will sich das eigentlich wirklich nochmal antun? Mal ganz abgesehen davon, daß man die Busse ohnehin nicht auswählen kann!
Fazit:
Dieser Möchtegern-Simulator hat auch nicht nur den Hauch von Realismus an sich. Die KI ist einfach nur lächerlich, der Anspruch dennoch sehr gering. Nach kurzer Zeit hat man jede Menge Umsatz erwirtschaftet, denn insbesondere die Reisebusfahrten sind verhältnismäßig sehr sehr leicht, ich hab sie in nicht mal einer Stunde durchgespielt.
Die Grafik ist selbst nach einfachen Maßstäben für 2007 nicht mehr zeitgemäß. Daß dafür aber die Anforderungen so hoch sind, ist ein Unding!
Das Spiel ist insgesamt einfach sehr dilletantisch und simpel erstellt worden. Die Grundidee ist nicht schlecht, aber die Umsetzung katastrophal! Als Langeweile-Zeitvertreib für zwischendurch und als Lacher ob der kreischenden Leute durchaus brauchbar, für mehr nicht.