Grebes Romandebüt mutet fast schon ein wenig fantasy-haft an. Die Geschichte des Abiturienten Thomas Blume und seiner ungewöhnlichen Seereise ist durch und durch bizarr. Doch trotz der abstrusen Story fällt die Identifikation mit der Hauptfigur im Großen und Ganzen nicht schwer.
Man kommt der Hauptfigur so nah, weil Rainald Grebe Gefühle und Empfindungen gestochen scharf und präzise formuliert. Grebe macht Thomas' Empfindungen für den Leser sinnlich wahrnehmbar; er imitiert z.B. Geräusche und fokusiert wesentliche Details. Es wird hier selten 'nur angedeutet'.
Die Handlung wird immer wieder von Gedankenfetzen,
Visionen, Gedichten unterbrochen. Das empfindet man
beim Lesen aber nicht als störend, da die kurzen Texte
in sich geschlossen sind, und Gedanken
enthalten, die die Handlung unterstützen.
Großartig in "Global Fish" ist Grebes Spiel mit der Sprache. Er bringt zahlreiche orignelle Wortschöpfungen und
funktioniert oft Wörter zu Adjektiven um, die
eigentlich keine sind (zB: "das appe Bein"), sehr schön.
Überhaupt steckt das Buch voller wundervoller Formulierungen, bei denen man gern ein bisschen verweilt, trotz des unglaublichen Tempos, von dem das Buch geprägt ist. Die Geschichte enthält bemerkenswerte Gedanken über die Zeit; unterstützt werden diese immer wieder von ihrer extrem rasanten Form - Grebe bringt oft die direkte Rede in Dialogform ohne Anführungszeichen und ohne "sagte er", "antwortete er", etc.; außerdem spielt er mit Satzzeichen, Gedankenstrichen und Großschreibung.
Rainald Grebes Romandebüt "Global Fish" ist ein ungewöhnlicher, aber packender Roman, der vor allem durch seine dynamische Form heraussticht.