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Global Exit: Die Kirchen und der Totale Markt
 
 
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Global Exit: Die Kirchen und der Totale Markt [Taschenbuch]

Carl Amery
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 224 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (1. Januar 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 344273133X
  • ISBN-13: 978-3442731336
  • Größe und/oder Gewicht: 18,2 x 11,8 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 653.784 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Carl Amery
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Amerys Buch ist eine brillant geschriebene Provokation, anschaulich, mitreißend, voll desillusionierter Analysen und kluger Beobachtungen." (Bayerischer Rundfunk )

Kurzbeschreibung

Es geht um unser Leben, sagt Carl Amery in seiner brisanten Streitschrift. Unsere Welt wird im neuen Jahrtausend, beschleunigt durch den Sieg des Totalen Marktes, zusammenbrechen und unbewohnbar werden. Zentrale Aufgabe für die historischen Kirchen der Christenheit im 21. Jahrhundert muss es deshalb sein, den Kampf gegen die Religion des Totalen Marktes aufzunehmen und für eine funktionierende Zukunftsgesellschaft zu wirken. Wie kann die Erde als bewohnbarer Planet erhalten bleiben? Die lateinamerikanische Befreiungskirche könnte ein Beispiel sein für den Exodus aus dem "Sklavenhaus des globalen Kapitalismus". Was hindert die Kirchen daran, diesen Weg einzuschlagen?



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22 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Der gläubige Katholik Carl Amery sorgt sich um den Zustand der Welt und er ist überzeugt, dass die Kirchen viel zu seiner Heilung tun können, wenn sie sich von der zur Zeit herrschenden Staatreligion, der Anbetung des Gottes Mammon, abwenden.
Die Situation im spirituellen Bereich ist heute mit der vor dem Jahr 312, der konstantinischen Wende, vergleichbar. Auch damals gab es im römischen Kaiserreich eine schier unüberschaubare Vielfalt von Religionen und Kulten und alle wurden toleriert – unter einer Voraussetzung: Sie mussten die Reichsreligion, die Göttlichkeit des Kaisers,anerkennen und ihm das eine Körnchen Weihrauch opfern, das diese Anerkennung symbolisierte. Heute hat der totale Markt diese Rolle übernommen und auch er toleriert alle Religionen unter der gleichen Voraussetzung. Wobei aus dem „einen Körnchen Weihrauch“ Konsum und marktgerechtes Verhalten geworden ist.
So ist auch dieses Körnchen Weihrauch zum Grundproblem geworden. Die Biosphäre kann den unbegrenzten Konsum nicht mehr lange aushalten. „Es ist vorauszusehen, daß die Lebenswelt, wie wir sie kennen und bewohnen, im Laufe des anhebenden Jahrtausends zusammenbrechen und unbewohnbar werden wird,“ schreibt Amery. Er macht noch eine zweite Aussage : „Es ist vorauszusehen, daß die Kirchen der Christenheit sehr bald, vielleicht im Laufe dieses Jahrhunderts, in völlige Bedeutungslosigkeit absinken werden.“ Und schließt daraus: „Es soll gezeigt werden, daß diese beiden Aussichten, wenn zusammengeführt und ineinander gespiegelt, eine gewaltige Pflicht enthüllen und eine gewaltige Chance gebären.“
Fordert Amery womöglich den Rückzug ins stille Gebet? Nein, mit so einem kuscheligen Container, in dem man mit Gleichgesinnten auf den Weltuntergang wartet, ist niemandem geholfen. So eine Einstellung kann den Untergang höchstens beschleunigen. Es ist nötig, sich der Verschwendung aktiv entgegenzustellen, das Opfer dieses einen Körnchen Weihrauchs verweigern und mit der Entwicklung einer neuen Kultur zu beginnen.
Amery vergleicht diesen Widerstand mit dem Auszug aus Ägypten, bei dem die Juden aktiv die „Fleischtöpfe des Sklavenhauses“ verließen und in die Wüste zogen. Dieses Bild entspricht der jetzigen Situation. Der Kampf gegen den Götzen Mammon wird sicher eine entbehrungsreiche Wüstenwanderung.
Schon einmal in jüngster Vergangenheit haben die Menschen unter dem Dach der Kirche eine scheinbar unbewegliche Gesellschaft komplett verändert. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass das ein zweites Mal gelingt. Allerdings wird diese Wüstenwanderung bestimmt noch schwieriger.
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Toskano
Format:Gebundene Ausgabe
In „Global Exit" versteht Amery es, auf 230 Seiten deutlich zu machen, dass wir eigentlich unser Schicksal als Menschheit bereits besiegelt haben, indem wir der Biosphäre kaum noch regenerierbare Schäden zufügten. Die Chance einer Rettung sieht er als gering - aber trotzdem den Versuch wert. Weil die Zeit drängt, müssen die nötigen Schnitte an den richtigen Stellen ansetzen: bei unserem Energieverbrauch und beim Geldsystem. Bei der Energie geht es u.a. darum, uns von der „Prothesenenergie" unabhängiger zu machen und unsere „Binnenenergie" stärker zu nutzen - statt sie im Fitnessstudio zu verschwenden. Vom Geldsystem fordert Amery, es müsse von seinem „weltmörderischen Prinzip" befreit und „wieder zu einem nüchternen Werkzeug" gemacht werden.

Um dem drohenden Exitus vorzubeugen, müssten die Kirchen (allen voran die katholische) den Exodus wagen, nur dann könnte die Menschheit noch den „Global Exit", „die Abfahrt von der vierspurigen Bahn des Verderbens" schaffen. Danach müsste die eigentliche Arbeit beginnen: „Kulturen ... des synergetischen Zusammenlebens mit den Bedingungen der Schöpfung" zu schaffen.

Ein wichtiges Buch, auch wenn es nicht so gut geschrieben wäre.

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17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Die Schattenseiten der Globalisierung. Notizen zu Carl Amerys neuen Buch „Global Exit"
***

Konnte im östlichen Lager von Gorbatschow vor der 89er Wendezeit noch von einem „neuen Bewußtsein" gesprochen werden, das nötig sei für eine emanzipatorische Entwicklung des Weltgeschehens, wie diffus das auch immer verortet war, so wird späterhin deutlich: Der neue Mensch hat sich der Verherrlichung des totalen Marktes unterzuordnen, so Amery. Der heutige Arbeitnehmer soll flexibel sein und jedes private Interesse nach Selbstverwirklichung, persönlicher Würde, die eigene Familie, demokratisches Engagement hinten anstellen, wenn dies hinderlich ist für den selbstlosen Einsatz in der Firma, für die er gerade arbeitet. Die Ausbreitung des Marketing-Charakters als immer stärkere sozialpsychologische Realität im Menschen wird durch die Anforderungen marktkonformer Lebensweise massiv verstärkt. Dieses Ich-bin-so-wie-ihr-mich-braucht zerstört die geistig-seelische Integrität der Gesell-schaft.
Nach demokratisch-kapitalistischer Doktrin sollte die Marktwirtschaft gesteuert und beschränkt werden durch die Politik und die Kräfte der Zivilgesellschaft, schreibt Amery. Diese Bedingung läßt sich immer weniger erfüllen, auch wenn sie idealtypisch noch nie eingelöst wurde. Amery sieht den Kapitalismus als Parasiten des Christentums, der sich durch die Jahrhunderte hinweg immer erfolgreicher, oft genug durch religiöse Verkleidung getarnt, an allen Barrieren vorbei zu einer eigenen Reichsreligion entwickeln konnte. Zwar würde dies nicht ganz den strikten religionswissenschaftlichen Kategorien entsprechen und bringt sicher Einsprüche von säkularisierter wie religionsinteressierter Seite auf. Er verweist in diesem Kontext jedoch auf Benjamins Auffassung, der Ähnliches schon viel früher festgestellt hatte. Anfügen könnte man auch Erich Fromms Interpretation, der in seinem Buch „Haben oder Sein" von einer Religion des Industriezeitalters spricht. Heilig seien darin die Arbeit, das Eigentum, der Profit und die Macht. Die Auflösung der Bande menschlicher Solidarität durch die Vorherrschaft des Eigennutzes und des gegenseitigen Antagonismus seien Charakteristika eines neuen Gesellschaftscharakters, auf den sich diese geheime Religion, die sich hinter der christlichen Fassade entwickeln konnte, stützen könne.
Der Glaube an den totalen Markt ist nicht nur von wirtschaftlichen Interessen konstituiert, er ist nicht nur ein fundamentalistisches System mit seinen eigenen Zeremonien. Amery sieht ihn in der hochpolitischen Funktion einer Reichsreligion nach Art des Imperium Romanum aufgestiegen, also einer heidnischen Religion wie sie vor der konstantinischen Wende von 312 herrschte. Man durfte unzähligen Göttern huldigen, aber gültig war und blieb der Kaiserkult, und dies galt als alternativlos.
Das Dogma globalisierter Marktmacht heißt: Alles hat seinen Preis, um gekauft zu werden. Wo der Preis noch fehlt, wird er festgestellt und verordnet. Mit diesem Herangehen wird der fundamentalistische Charakter dieser Art von religiöser Wirtschaftsordnung offenbar. Sie toleriert nichts anderes neben sich, gleicht darin dem angesprochenen Kaiserkult und koloni-siert den gesamten Lebensprozeß bis tief in die menschlichen Seelenstrukturen hinein. Carl Amery spricht davon, unsere derzeitig herrschende Wirtschaftsreligion sei im Grunde ein System der Entrückung, ein geschlossenes System ohne wesentliche Berücksichtigung der Lebenswelt. Die Volkswirtschaftslehre werde unterrichtet wie eine Frohbotschaft.
Was die heutige Heilslehre über die Segnungen globalisierter Marktmacht radikal vom römischen Kaiserkult unterscheide, sei die ungeheure Wirkmacht. Die Einschlagtiefe der heutigen Megamaschine in die biosphärischen Gleichgewichte stelle eine ungebremste Todesspirale dar. Der totale Markt sei die gesellschaftliche Ausformung eines Bierhefeprogramms. Die Crux dabei ist: weil der materielle Fortschritt so erfolgreich in dieser Konstellation gedeiht, bricht das Ganze an seinem Erfolg zusammen. Die Grenzen des Wachstums sind längst überrannt, und wer Nachhaltigkeit ohne eine Reduzierung unserer Energie- und Stoffver-bräuche erreichen will, der lügt. Notwendig sei eine Schrumpfung unseres Wirtschaftsvolumens. Als völlig unzureichend bezeichnet Amery auch die Ökoablaßkrämerei, wo dann in die bisherige unökologische Industriestruktur ein Stockwerk Umwelttechnologie eingesetzt wird. Reparaturbetrieb und ein Schrebergarten „Politikfeld Umwelt" seien nicht mehr hinnehmbare Denkfaulheiten. Gemeint ist, daß die Rahmenbedingungen für die Existenz unserer Zivilisation ausgeblendet bleiben. Wenn das Weltklima in einen völlig neuen Zustand gesprungen sei, schwer überlebensfähig für die Gattung Mensch, so wäre das für jedermann offenkundig. Wir bräuchten eine solare Energiewende, eine Revolution bei der Effizienz im Gebrauch unserer Ressourcen und eine Abkehr von Konsumidiotie, also eine kreative, intelligente Selbstbegrenzung.
Wie ist das nun aber mit dem Widerstand gegen die totale Globalisierung, deren Widerparte sich in Buchstabeninstitutionen wie: WTO, IWF, GATT etc. verschanzen? Amery thematisiert die Welle des Unmut und der Revolte, die immer stärker die Arena öffentlicher Aufmerksamkeit erreicht. Er schätzt ein, die Dichte des Widerstandes ist nach wie vor zu gering und die Ziele der Bewegung sind, soweit erkennbar, zu weit auseinanderliegend. Fehlen würde nach seiner Meinung die Festigkeit der Perspektive. Weiter schreibt der Autor, daß die Kirchen in diesem Jahrhundert zu völliger Bedeutungslosigkeit herabsinken könnten. Jedoch verfügen sie über einen eminenten Vorzug. Sie brauchen nicht wie Parteien der Demoskopie hinterherzuhecheln oder werden von Aktionären und Pensionsfonds über die Quartalsbilanzen geprüft. Sie hätten die Freiheit, die Konfrontation mit dem herrschenden Mammon zu wagen.
Recht sparsame Auskünfte erteilt die politische Streitschrift unter dem Gesichtspunkt, wie könnte denn alternative Gesellschaft gestaltet sein? Ich bezweifle, daß man dies immer wieder in die Zukunft hinein vertagen kann. Einige Hinweise gibt der Autor aber schon: Die globalen Finanzspiele sind auch gespeist aus unseren eignen Spareinlagen, Aktien, Fonds und Ren-ten. In jedem Fall sind sie Teil der Mammonmacht, und wir sollten unsere Verantwortung dafür wahrnehmen. Wird damit gerade das nächste Stück Regenwald abgeholzt, von überbezahlten Wissenschaftlern die viereckige Tomate erschaffen oder das nächste klimaschädliche Kohlekraftwerk errichtet? Ein wichtiger Entscheidungspunkt ist auch der Erbgang. Jedes Jahr werden riesige Summen auf die Nachkommen übertragen. Eigentlich soll es der nächsten Generation davon besser gehen (in aller Regel jedenfalls). Doch dieser Sinn wird in sein Gegenteil verkehrt, und man zerstört in raschester Folge das biosphärische Erbe mit diesem Angesparten. Das ausbeuterische Treiben der Renditewirtschaft sollte besser mit einer kommunitären Initiative konfrontiert werden, in Form von alternativen Stiftungen, mit denen regenerative Energien gefördert würden, eine kindgerechtere Pädagogik und anderes mehr. Kreditsysteme mit Niedrigzinsen könnten ökologisch wirtschaftenden Kooperativen unter die Arme greifen.
***
weiterer Literaturtip: WEGE ZUR ÖKOLOGISCHEN ZEITENWENDE. Reformalterativen und Visionen für ein zukunftsfähiges Kultursystem, FRANZ ALT, RUDOLF BAHRO, MARKO FERST, 2002

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