27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Musikalische Urgewalt!, 1. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Glitter and Doom (Live) (Audio CD)
Seit langer Zeit mal wieder ein Live-Album von Tom Waits. Klar, dass ich mir das zulegen musste. Bei Waits letzten Auftritten in Deutschland war es mir nicht vergönnt, Karten zu ergattern. Also muss das Live Vergnügen via Tonkonserve erfolgen. Sicher kein Vergleich, aber irgendwie muss man sich schließlich helfen.
-Glitter an Doom- splittet sich in zwei CD's. Zum einen gibt es 17 Titel, die auf Konzerten in Birmingham, Edinburgh, Tulsa, Knoxville, Mailand, Jacksonville, Paris, Dublin, Atlanta und Columbia mitgeschnitten wurden. Das sind satte 83 Minuten Waits Musik live. Auf CD2 dürfen wir dem Erzähler Tom Waits 35 Minuten lauschen, wie er von seiner Angst vom lebendig begraben werden erzählt, sich über verlorene Beine auslässt und einen wunderbaren Zusammenhang von important und impotent beschreibt. Wer sich diese Stories von Waits anhört, weiß wieso der Barde immer wieder mit Charles Bukowski in einem Atemzug genannt wird.
Was die Musik angeht, so ist Waits live noch immer ein Naturerlebnis. In -Lucinda/Aint goin down- hören wir diese musikalische Urgewalt, die wie ein Sturm aus den Lautsprechern fegt und uns mit einem Raubtierbrüllen empfängt. Diesem Sturm folgt der Wait'sche Dschungelsound in -Get behind the mule. Danach reichen eine Gitarre, ein Harmonium und Waits unvergleichliche Stimme, um uns direkt in die -Fannin Street- zu versetzen. -Dirt in the ground- ist wundervoll neu arrangiert worden. Leider wirkt die Aufnahme aus Mailand ein wenig verrauscht. In -Such a scream- folgen wir ein paar Gitarrenriffs der Extraklasse. -Live Circus- ist der typische Tom Waits Rummelplatzsound. Die beeindruckende, ergreifende Version eines Märchenerzählers, der von der Musik begleitet wird. Mit einer geradezu explosionsartigen Mundharmonika und Waits Begleitstimme kommt -Goin out west- daher. -Falling down- wurde von Waits neu erfunden. Seine Stimme jammert und winselt den Text, während eine fantastische Band zum Blues-Walzer aufspielt. Ein Hochgenuß! -The part you throw away- lässt die Stimme Waits direkt aus der Unterwelt erklingen und -Trampled Rose- ist eine Art schräger Indie-Cowboysong. -Metropolitan Glide- gleicht einem musikalischen Experiment. Es folgt eine Vaudevillenummer, die zum träumen anregt. -I shoot the moon- ist einfach nur geil. Beim Lauschen von -Green grass- können wir kaum glauben, was das für eine Bass-Stimme ist. In -Make it rain- erscheint uns Waits fast wie ein weißer James Brown. Zum Schluss gibt es für mich das absolute Highlight der CD. In -Lucky Day- hören wir den Prediger der musikalischen Geschichte. Bewegend, ergreifend, mitnehmend. Diese Stück ist Waits in Reinkultur!
-Glitter an Doom- ist ein absolut gelungenes Live Album des Musikers aus Kalifornien. Die Auswahl der Lieder ist gelungen, zeigt einen Karrierreabriss von Waits, der ein bisschen neben der Spur der all zu bekannten Lieder liegt. Wenn Waits erzählt, gibt es kein Halten mehr. Wenn er musiziert, ist er variabel und kunstvoll. Vor allem aber steht dort ein Kraftwerk von bald 60 Jahren auf der Bühne. Ein musikalischer Vulkan, der seinen letzten Ausbruch anscheinend noch lange nicht erlebt hat. Begleitet wird Waits von exzellenten Musikern, zu denen mittlerweile auch ein paar Familienangehörige zählen.
Wenn sie ein Waits-Fan sind, führt für sie an diesem Album kein Weg vorbei. Auch zum Kennenlernen von Waits halte ich -Glitter and Doom- für geeignet. Vor allem für Menschen, die Musik lieben, nicht immer nur die glatt polierten Oberflächen suchen, sondern auch mal ganz tief eintauchen wollen in einen Tümpel aus Blues und Crossoverelementen. Waits ist und bleibt ein Unikum im Musikmarkt. Hoffentlich noch recht lange...
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Einzigartiger Blues - Großer Entertainer, 23. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Glitter and Doom (Live) (Audio CD)
Wenn ich eines seit Jahrzehnten bei Tom Waits bemängeln muss, dann war es das Fehlen eines LIVE- Album für die letzte Dekaden. Jetzt hat der Phantomschmerz ein Ende gefunden. Und was für eines. Leute macht Euch auf etwas gefasst.
Vital, Kraftvoll, Schroff und leblich kommt dieser unvergleichliche Künstler auf diesem Liive- Album daher. Lasst Euch mitreißen vom unglaublich burlesken LUCINDA und die Wunden lecken bei Fannin Street. Die Stimme kann der mittlerweile 60zig Jährige Waits in vielen Faccetten einsetzen, vom schroffen gebrüll bis zu in Tränen gerührt.Und für mich immer wieder erstaunlich: Er trifft jeden Ton!!
Alle Stücke sind unglaublich vom Blues getränkt und berühren wirklich die Seele, wer sich traut darauf einzulassen . Die Band ist excellent besetzt und besticht durch spührbare Spielfreude. Manche Stücke sind neu interpretiert, man könnte auch sagen: Entstaubt. Bestes Beispiel: Dirt in the Ground. Der Verspieltheit der Urversion folgt hier die Magie eines Songs, der die tiefe des "Ground" wirklich erfasst und von einer unglaublichen Bassstimme hinunterggezogen wird. Aber, kaum ist man unten angekommen, ist es der gleiche Typ der uns wieder an die Oberfläche bringt mit Goin`out west. Dieser Waits kann alles und zeigt alles und die Band geht jedes Tempi mit.
Es wäre zu simpel zu sagen, dass ist das beste LIVE-Album von Tom Waits. FÜr mich ist das das beste LIVE- Album das ich je gehört habe. Besser kann man es nicht machen.Chapeau Tom Waits. Chapeau dem Blues.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
I shoot the moon ..., 11. Dezember 2009
Als Waits-Maniac ist dieses Doppel-Album ein 'Must Have'. Zuerst habe ich mir natürlich die Vinyl Version gekauft, bei der jedoch die 'Tom Tales' fehlt. Aber gerade diese ist (mir) so wichtig, ist Waits doch ein sagenhafter Geschichtenerzähler. Das Publikum, egal in welchem Land aufgenommen, liebt ihn besonders wegen diesen, zum Teil abgedrehten Geschichten, ja, es fordert geradezu mehr und mehr Wait'sche Anekdoten. Musikalisch ist es eine Reise durch die letzten 30 Jahre. Mir persönlich gefallen "I shoot the moon' (was er ein wenig veralbert), 'Trampled Rose (so schön melancholisch), oder 'Make it rain' (einfach ein Song der in die Beine geht) immer noch am besten. Für Waits-Einsteiger unbedingt empfehlenswert!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein