ARRAY(0xaa6701f8)
Glister: Roman und über 1,5 Millionen weitere Bücher verfügbar für Amazon Kindle. Erfahren Sie mehr

Neu kaufen

oder
Loggen Sie sich ein, um 1-Click® einzuschalten.
oder
Mit kostenloser Probeteilnahme bei Amazon Prime. Melden Sie sich während des Bestellvorgangs an.
Gebraucht kaufen
Gebraucht - Gut Informationen anzeigen
Preis: EUR 6,06

oder
 
   
Jetzt eintauschen
und EUR 0,30 Gutschein erhalten
Eintausch
Alle Angebote
Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Beginnen Sie mit dem Lesen von Glister: Roman auf Ihrem Kindle in weniger als einer Minute.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Glister: Roman [Gebundene Ausgabe]

John Burnside , Bernhard Robben
3.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 19,95 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o
Nur noch 2 auf Lager (mehr ist unterwegs).
Verkauf und Versand durch Amazon. Geschenkverpackung verfügbar.
Lieferung bis Mittwoch, 23. April: Wählen Sie an der Kasse Morning-Express. Siehe Details.
‹  Zurück zur Artikelübersicht

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Mit dem übersinnlichen Thriller Glister erweist sich John Burnside als einer der brillantesten Romanciers unserer Zeit." (Die Weltwoche)

„Ein magisch geheimnisvolles Buch, das in abgründigen Bildern eine Parabel unserer Zeit erzählt.“ (Hamburger Abendblatt)

"Burnside ist mit Glister ein ungewöhnliches Buch gelungen. Ein verstörend guter Roman." (Lesart)

„Unheimlich stark.“ (News (A), Thomas Glavinic)

Klappentext

"Einer der wahrhaft verwegensten und spannendsten Autoren unserer Zeit." Frankfurter Allgemeine Zeitung

Über den Autor und weitere Mitwirkende

John Burnside, geboren 1955 in Schottland, ist einer der profiliertesten Autoren der europäischen Gegenwartsliteratur. Der Lyriker und Romancier wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Corine-Belletristikpreis des ZEIT-Verlags, dem Petrarca-Preis und dem Spycher-Literaturpreis.

Bernhard Robben, geb. 1955, lebt in Brunne/Brandenburg und übersetzt aus dem Englischen, u. a. Salman Rushdie, Peter Carey, Ian McEwan, Patricia Highsmith und Philip Roth. 2003 wurde er mit dem Übersetzerpreis der Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW ausgezeichnet, 2013 mit dem Ledig-Rowohlt-Preis für sein Lebenswerk geehrt.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Wo ich jetzt bin, kann ich noch die Möwen hören. Alles andere verklingt, wie ein Traum gerade dann verklingt, wenn man aufwacht und sich an ihn erinnern will, nur die Möwen sind noch da, wild und heiser krächzend wie immer. Zu Tausenden wogen sie auf und ab und schreien gellend über die Landzunge, laut und ohne Unterlass, weshalb ich nur sie hören kann, sie und ein letztes, fahles Echo der über die Strandkiesel spülenden Flut, ein beharrliches Grollen, das unter dem Gerufe dieser Geistervögel liegt, die ich kaum wahrnahm in dem Leben, das ich hatte, ehe ich durch den Glister ging. Mehr ist von diesem alten Leben auch nicht geblieben: Vögel, die in lauten Schwärmen hungrig über die Landzungen flirren, kaltes, graues Wasser, das ans Ufer schlägt. Nichts weiter. Kein anderes Geräusch und nichts zu sehen als das weite, reine Licht, in das ich aus freiem Willen immer wieder aufs Neue am Ende einer Geschichte trete, die ich bereits zu vergessen beginne.
In jener Geschichte heiße ich Leonard, und solange sie geschah, dachte ich, das Leben sei eine Sache und der Tod eine andere, aber das dachte ich nur, weil ich noch nichts über den Glister wusste. Jetzt ist diese Geschichte zu Ende. Ich will sie in Gänze erzählen, auch wenn ich schon an einen Ort entgleite, der vor dem Nennen und Vergessen von Namen liegt. Ich will sie in Gänze erzählen, auch wenn ich sie dabei vergesse, um durch das Erzählen und Vergessen jenen zu vergeben, die darin vorkommen, auch mir selbst. Denn dort beginnt die Zukunft: im Vergessenen, in dem, was verloren ist. Damals, in Innertown, klebte auf den alten Sirupdosen, die wir immer im Eckladen kauften, ein Etikett mit einem Bild von einem Löwen, tot und verwesend im Staub, und ein Schwarm Bienen strömte durch die Schwären und Schatten in seinem Fell, um Honig aus seinen Wunden zu ernten. Ich habe dem Bild vertraut. Ich wusste, es stimmte - denn es gab eine Zeit, in der die Menschen glaubten, dass dieses dunkle Loch, diese Wunde wirklich der Ort war, von dem der Honig stammte. Sie hatten recht, denn alles wird verwandelt, alles wird, und dieses Werden ist die einzige Geschichte, die nie zu Ende geht. Alles wird zu allem anderen, in jedem Augenblick, immerzu. Das weiß ich jetzt - und hier, wo ich bin, gehe ich diese Geschichte immer wieder durch, zähle die Ereignisse auf, an die ich mich erinnere, und kartografiere die Stellen und Schatten, die das Vergessen zurückließ, klammere mich an Strohhalme, als verginge die ganze Welt, als würde nicht nur ich, sondern das Leben selbst in die Vergangenheit entschwinden.
Doch nichts entschwindet, auch ich nicht. Nichts entschwindet in die Vergangenheit, es wird höchstens vergessen und so zur Zukunft. Es existiert weiterhin an jenem Ort, den manche Menschen in Innertown das Nachleben nennen - obwohl sie in ihrem Herzen wissen, dass es kein Nachleben gibt, weil es kein Danach gibt. Immer ist Jetzt, und alles - Vergangenheit und Zukunft, Problem und Lösung, Leben und Tod -, alles ist gleichzeitig hier, in diesem Moment. Der Ort aber, an dem ich bin, hat viele Namen, je nachdem, welche Geschichte man glaubt: Himmel, Hölle, Tir Na Nog oder Traumzeit. Dabei wissen wir alle, es ist weder dieses noch jenes, sondern nur der Ort, an dem Geschichten beginnen und enden. Und jetzt beginnt meine Geschichte aufs Neue, ein letztes Mal, noch während sie verglüht. Um mich an sie zu erinnern - um sie zu vergessen - brauche ich mir nur einen Mann im Wald vorzustellen, und schon entfaltet sich die Geschichte wie eine jener Papierblumen, die in dem Augenblick, in dem man sie in eine Schüssel mit Wasser gibt, in einem unfassbar prächtigen Farbenspiel aufgehen: Seeblume, Mondblume, Erdblume, Blumen in den Farben des Himmels, Blumen von der Farbe des Blutes. Ich kenne diese Geschichte. Mir ist, als hätte ich sie schon hundertmal erzählt, und jedes Mal, wenn ich sie erzähle, findet ein weiteres kleines Detail seinen Platz. Irgendwann werde ich sie ein letztes Mal durchgehen, und danach verlasse ich diesen Ort. Denn was auch von mir übrig sein mag, es wird eine neue Geschichte beginnen oder, wenn schon keine neue Geschichte, dann doch zumindest eine Variante jener einen Geschichte, die schon immer geschieht.
So wie ich es sehe, hat diese Geschichte ein eigenes Leben. Auch eine eigene Wahrheit, die allerdings nicht jedermann erkennt. Ständig verändert sie sich und entgleitet uns. John, der Bibliothekar, erzählte mir einmal von dieser Idee, die irgendwer gehabt hat, die Idee vom "unzuverlässigen Erzähler". Er fand sie ziemlich lustig. Als wären Geschichten Ansammlungen von Tatsachen, als wäre die Geschichte, die wir leben, bloß eine Aneinanderreihung von Tatsachen: ein A, das ein B ausschließt, ein Y, das ein Z nach sich zieht. John, der Bibliothekar, sagte oft, in Hinblick auf Zuverlässigkeit sollten wir uns weniger um den Erzähler, sondern mehr um den Autor sorgen. Womit er meiner Ansicht nach Gott, das Schicksal oder irgendwas dergleichen meinte. Doch bin ich mir nicht sicher, ob ich ihm zustimme. Vielmehr glaube ich, dass die Geschichte und nicht der Erzähler unzuverlässig ist - außerdem glaube ich nicht, dass es überhaupt so etwas wie den einen Autor gibt. Es gibt nur eine Geschichte, die immer weitergeht. Manchmal hat man etwas zu erzählen, manchmal nicht. Ich glaube, jeder, der mag, kann das Erzählen übernehmen, doch das hat nicht den geringsten Einfluss auf den Verlauf der Geschichte.

Das Leben ist größer. Wenn meine eigene Variation dieser einen Geschichte zum letzten Mal aufs Neue beginnt, kurz bevor sie vergessen wird, könnte sie zur perfekten Version werden, zu einer wahren Geschichte, die ein für alle Mal erzählt wird. Wenn das geschieht, dann wird alles verstanden. Alles wird vergeben. Um wieder zu beginnen, um endlich zu vergessen, brauche ich mir nur einen Mann vorzustellen, der allein in einem vergifteten Wald steht - nicht damals, als ich ihn dort sah, sondern früher, in einem Moment, in dem sein Geheimnis noch gewahrt war. In dieser Geschichte heiße ich Leonard, aber ich bin nicht der Mann im Wald.
‹  Zurück zur Artikelübersicht