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Glimmen im Rumpf
 
 

Glimmen im Rumpf [Kindle Edition]

Stephan Waldscheidt

Kindle-Preis: EUR 0,99 Inkl. MwSt. und kostenloser drahtloser Lieferung über Amazon Whispernet


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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Ein alter Landstreicher sucht in einem Schiffswrack Unterschlupf. Der erniedrigende Angriff einer Jugendbande auf ihn nimmt eine unerwartete Wendung, als der alte Mann und einer der Jungen auf die Liebe zu sprechen kommen.

Kurzgeschichte. 20.000 Anschläge.

Die Story gewann 2005 den mit 4.500 Euro dotierten 1. Preis im Literaturwettbewerb der Marktgemeinde Hard in Vorarlberg, Österreich.

Auszug
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Der alte Mann tappte über das Marschland auf das Wrack zu. Ungerührt von der Tide beharrte es auf seinem Platz, ein störrisches Überbleibsel aus einer anderen Zeit, und markierte die Grenze zwischen Land und Meer.
Die Füße des alten Mannes suchten festen Boden und gingen doch wieder und wieder fehl. Fluchend zog er die vom Schlamm schweren Stiefel aus dem Land, verschnaufte kurz, tappte weiter. Zu seiner Rechten hockten Häuser auf ein paar Haufen dickeren Grases, die so nahe am Ufer als Hügel durchgingen, Schöpfe aus dem gleichen Gras hingen als traurige Dächer auf weiß getünchten Mauern. Dem alten Mann gefiel es hier so gut und so schlecht wie an jedem anderen Ort, von dem er in den letzten Jahren geflohen war, aber die Wolken sahen freundlich aus und er fand keinen Grund, heute noch weiterzuwandern.
Mit einem letzten, schmatzenden Schritt langte er am Wrack an und stützte sich erschöpft an den hölzernen Rumpf, der ihn trotz seiner Schräglage um mehr als einen Meter überragte.
Das Wrack lag auf der rechten Seite, steuerbord, soweit der alte Mann Bug und Heck in dieser Ruine unterscheiden konnte, es neigte sich dem Meer zu und drehte dem Ankömmling von den Marschen einen Teil des Kiels und eine offene Flanke zu. Fischgeruch und in der Sonne aufweichender Teer. In dem Loch, das groß genug war, ein Klavier hindurchzuschieben, saß eine Taube. Lange war es her, dass der alte Mann gespielt hatte, Arthritis plagte ihn seit Jahren, die Krankheit hatte ihn noch vor dem übrigen Unglück eingeholt.
Was, fragte er sich, konnte in diesem Meer ein solches Loch reißen, wo es keine Eisberge gab. Klippen?
Der alte Mann furzte. Er hoffte auf etwas zu beißen, das ihn auch Morgen furzen ließe, sein Vorrat an Tütensuppen war aufgebraucht. Er zischte die Taube weg, doch der Vogel hupfte nur ein paar Meter zur Seite.
»Dann bleib«, sagte der alte Mann. »Du wirst sehen, was du davon hast.« Er freute sich an seiner Stimme. Sie war in den Jahren zu einer eigenen Person geworden, einem Freund. Der Freund redete mehr als nötig, doch dem alten Mann war das nur Recht.
Er kletterte durch das Loch in einen fast zehn Meter langen und drei Meter tiefen Laderaum, der den größten Teil des Rumpfes einnahm. Drinnen stank es weniger, als er befürchtet hatte, der starke Fischgeruch ordnete sich einem warmem Moder unter, stickigem Holz und Teer, trockenem Taubendreck, süßlicher Rattenscheiße und kaltem Zigarettenrauch. In den meisten Heimen war es schlimmer.
Der alte Mann ließ den Rucksack von seinen Schultern gleiten und fand sich einen Schlafplatz inmitten der Haufen unbrauchbaren Holzes, in dessen Ritzen der Wind Papierfetzen und trockenes Gras gestopft hatte. Eine Nacht, dachte er, nur eine Nacht, aber als er sich in seinen Schlafsack schob und die Augen schloss gegen die späte Sommerhelligkeit, die durch verzogene Planken und das Klavierloch hereinfiel, und er das leichte Wiegen spürte, das dem Holz des unbewegten Schiffes von der See eingeprägt worden war, wusste er, er bliebe länger.

Produktinformation

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 94 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 14 Seiten
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B0073T80XA
  • Amazon Bestseller-Rang: #91.427 Bezahlt in Kindle-Shop (Siehe Top 100 Bezahlt in Kindle-Shop)

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Mehr über den Autor

Stephan Waldscheidt
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