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Der militärische Geheimdienstchef Carr, der weiß, welche katastrophalen Folgen die Aufdeckung der Wahrheit einer geheimen Mission vor über fünfzig Jahren haben könnte, setzt daraufhin alle politischen und geheimdienstlichen Hebel in Bewegung, um die Angelegenheit vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Doch während den Bergungsarbeiten gerät Carrs skrupellosem Erfüllungsgehilfen Ratoff und dem aufwändigen Spezialkommando die Aktion aus dem Ruder.
Ratoff sieht sich bald nämlich nicht nur zufällig eines Reykjavíker Bergnotrettungsteams gegenüber, sondern auch der jungen Kristín. Sie bangt um ihren Bruder, der als Mitglied dieses Bergteams spurlos verschwindet, nachdem er ihr über GPS-Handy von den mysteriösen Aktivitäten auf dem Gletscher berichtet hatte. Daraufhin setzt Ratoff ein Killerkommando auf die ahnungslose Kristín an, so dass diese panikartig flüchten muss. Während sie von den Agenten verfolgt wird, sieht sie ihre einzige Chance darin, dieser albtraumhaften Geschichte selbst auf den Grund zu gehen ...
In Gletschergrab stellt Arnaldur Indridason eindrucksvoll dar, wie übel unschuldigen Menschen durch die Machenschaften von Geheimdiensten mitgespielt wird. Seine bissigen Anspielungen auf die anhaltende Militärpräsenz der USA und deren Gebaren auf Island, lassen nur vordergründig anti-amerikanische Züge erkennen. Hintergründig klagt er viel mehr eine hoffnungslos verlogene und desillusionierende Großmachtpolitik an, die schlicht über Leichen geht. Gletschergrab (im Original bereits 1999 erschienen) nimmt so in Form einer Parabel vorweg, wozu unumschränkte Machtpolitik fähig ist.
Die Moral von Indridasons intelligentem Spionagethriller kommt deshalb am besten in den Worten des militärischen Geheimdienstchefs Carr zum Ausdruck: Es gibt heutzutage keine Wahrheiten mehr, wenn es denn jemals welche gegeben haben sollte. Wahrheit und Lüge sind nur Instrumente in unseren Händen. Für mich besteht da kein Unterschied. Man könnte sagen, dass wir in gewissem Sinne so etwas wie Historiker sind, die etwas von den Fehlern dieses in den letzten Zügen liegenden Jahrhunderts korrigieren. Es hat nichts mit irgendeiner Wahrheit zu tun, denn sie spielt überhaupt keine Rolle mehr. Wir gestalten die Geschichte so, wie es uns passt... --Christian Koch
Im Jahr 1945 stürzt ein von amerikanischen Piloten gelenktes Flugzeug der deutschen Wehrmacht über dem Vatnajökull, dem größten Gletscher Europas, ab. Trotz verzweifelter Versuche, kann das Flugzeug nicht geborgen werden. Mehr als fünfzig Jahre später gibt der Gletscher sein Geheimnis wieder Preis, und die US-Streitkräfte setzen Himmel und Hölle in Bewegung um dieses Flugzeug zu bergen, ehe jemand von dessen Existenz erfährt. Dabei werden sie von zwei Freunden, die sich zufällig in der Nähe befinden, gesehen, und einer der beiden ruft seine Schwester an. Die beiden werden gefangen genommen, gefoltert und in eine Gletscherspalte geworfen. Gleichzeitig machen sich zwei Geheimdienstmitarbeiter auf den Weg zu der Schwester, um sie aus dem Leben zu befördern. Mit viel Glück gelingt es ihr zu entkommen - und so macht sie sich auf die Suche warum man ihr nach dem Leben trachtet. Indridason baut vor allem aber dadurch Spannung auf, dass der Leser unbedingt herausfinden möchte, warum dieses Flugzeug so wertvoll für die US-Army ist. Dazu bietet er in Dialogen Unmengen an Optionen an: Gold aus den Konzentrationslagern, geschmuggelte deutsche Wissenschafter, eine deutsche Geheimwaffe, etc.
Sprachlich ist das Werk durchaus in Ordnung, wenngleich nicht höchstklassig. Dem Lesegenuss tut dies allerdings keinen Abbruch, das Buch lässt sich flüssig lesen und baut unheimlich viel Spannung auf. Die Personen sind noch nicht so tief gezeichnet wie in den im Original erst später erschienen Werken, sie sind noch eher etwas klischeehaft - aber wir haben es ja mit einem Thriller zu tun und hier geht es vor allem um Spannung.
Insgesamt ist Gletschergrab ein sehr spannender und gut geschriebener Thriller, der abseits der Krimiserie rund um Erlendur entstanden ist. Wie bisher immer bei Indridason habe ich auch dieses Buch verschlungen. Eine klare Empfehlung, wenngleich er die Qualität seiner späteren Werke noch nicht erreicht.
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