Der Kampf gegen die Massenware Buch hat eine neue Protagonistin. A.L. Kennedy beisnnt sich mit ihrem Werk "Gleissendes Glück" zurück auf die Grundsätze der Literatur, wie sie von Goethe und Co. gepflegt wurden.
Im Verlauf des Romans reist man mit der Hauptfigur Helen Brindle durch die grenzenlose Welt sprachlicher und inhaltlicher Kontraste, welche durch die Dreiecksbeziehung zwischen ihr und drei weiteren Männeren bestimmt wird. Helen Brindle ist verloren im Strudel der Sinnlosigkeit und hält sich nur durch Hausarbeit, Fernsehen und gelegentlichen Kioskbesuchen über Wasser. Auslöser dieser Notlage sind in der Ehe mit Mr. Brindle zu finden. Seitdem sie mit diesem gewalttätigen Peiniger verheiratet ist, hat sie die innigste Beziehung ihres Lebens verloren. Gott gab ihr Sicherheit und erfüllte ihr Dasein. Um der "Prüfung Gottes", also ihrem Mann, zu entfliehen und endlich ihre Angst zu überwinden, vertaut sie sich dem scheinbar perfekten Therapeuten Edward E. Gluck an, welcher jedoch sein gesamtes Leben bisher seiner Hassliebe zu perversen pornografischen Materialien ausgerichtet hat. Gemeinsam beschreiten sie einen neuen Weg des Lebens und befreien sich durch das stärkste Band der Welt von ihren Ängsten und Zwängen. Mit der Liebe erforschen beide ein noch für sie unerschlossenes Land.
A.L. Kennedy schildert diesen klischeebehafteten Problemkomplex der Frauenliteratur auf ihrer individuelle Art und Weise, ohne moralische Normen zu berücksichtigen. Durch diese Individualität erhält das Buch einen beunruhigenden und aufreibenden Lesecharakter, welcher dazu auffordert, über das Thema nachzudenken und es nicht mehr zu vergessen. Dieses Buch ist nicht für eine bestimmte Lesergruppe konzipiert, sondern einfach von A.L. Kennedy. Sie beschreibt Themen, die sie brühren, und reflektiert sie so, wie sie diese sieht. Manche Kritiker halten deshalb die extrem pornografischen und gewalttätigen Beschreibungen für unmoralisch, doch im Grunde genommen sind sie einfach nur ehrlich und authentisch. A.L. Kennedy erreicht damit genau das, was auch Autoren der Blütezeit der Literatur beabsichtigt haben. Mit dieser Sprache drückt die Autorin genau das aus, was sie empfindet, und bedenkt dabei keine moralischen Regeln.
Die Gedankenfreiheit der Autorin prägt das Buch und es ist schon deshalb nicht massenkompatibel. A.L. Kennedy schreibt, was sie will, und reflektiert bekannte Motive der Literatur auf neue persönliche Themen.