Tarthang Tulku ist der erste Lama, der den tibetischen Buddhismus auf eine untraditionelle Weise gelehrt hat. In seinem Buch gibt es also keine Anweisung für Rituale, welche für Menschen im Westen oft unverständlich und schwer nachvollziehbar sind.
Die amerikanische Originalausgabe dieses Buches erschien bereits 1977. Umso erstaunlicher ist es, dass "Wege zum Gleichgewicht" vergleichsweise viele sofort praktisch umsetzbare Übungen enthält. Andere Autoren aus dieser Zeit, wie etwa Chögyam Trungpa, beschränkten sich nicht selten darauf, lediglich einige Handlungsanweisungen für den Alltag zu geben.
Bevor es aber mit den Übungen losgeht, wird der Leser erst einmal "geerdet", indem ihn Tarthang Tulku auffordert, sich mit Vergänglichkeit auseinander zu setzten und die Illusionen über das Leben los zu lassen. Die Anweisungen zur Aktivierung von Chakras sind sehr einfach gehalten, sodass auch Übende mit wenig Visualisierungsvermögen mitkommen. Die Arbeit mit Gedanken ist ebenfalls ein Thema und kann dabei helfen, die Identifikation mit den Bewegungen im eigenen Geist zu schwächen. Atemtechniken bestehen überwiegend im Beobachten der Atmung, helfen beim Loslassen eingefahrener Muster in Körper und Geist und sind manchmal an andere Übungen gekoppelt.Das Kapitel über Visualisierung klärt ausführlich über den Sinn dieser Technik auf, was in vergleichbaren Meditationshandbüchern selten vorkommt.
An mehreren Stellen warnt der Autor den Leser, rigide mit sich selbst um zu gehen und steht damit in der Tradition von Buddha's Anweisungen zum "Mittleren Weg".
In der gesammten tibetisch-buddhistischen Literatur hat es immer wieder Autoren fast zeitlos aktueller Bücher gegeben. In dieser Kategorie findet sich auch "Wege zum Gleichgewicht" wieder; ein Buch, welches den Leser auch bei der Selbstheilung unterstützen kann.
Ein Klassiker
(Rezension von Li Tsun Bin)