"So wie ihr kindliches Ich einst als heldenhafte Kriegerin durch grüne Alleen geschweift war, so sah sie sich nun in diesem sanften Sonnenscheine schweben, wie ein Panther einbiegen in die lange juwelenbesetzte Erzählung, die ihre Zukunft war."
Helen Simpson, eine kleine Sensation auf der Insel, hat bei uns bisher nur einen Erzählband mit Namen
Vier nackte Beine im Bett und andere Geschichten veröffentlicht. Ich weiß nicht, worum es darin geht, aber in diesem hier geht es um Frauen. Frauen, bei denen es nie so rosig aussieht, wie es sich die Protagonistin der ersten Erzählung (Zitat oben) ausmalt. Entweder sind sie an ihre Kinder oder an ihre Karriere gefesselt - wenn es die Kinder sind, sehnen sie sich nach eigener Persönlichkeit und Arbeit, wenn es die Karriere ist, müssen sie sich Vorhaltungen machen lassen, weil sie nicht zu Hause sind und sich um die Kinder kümmern.
"Schließlich ist es wichtig, dein Leben anständig rechtfertigen zu können; anderen Leuten jedenfalls ist das wichtig; überzeugende Verteidigungsgründe zu haben, für dich argumentieren zu können. Es ist ein Zeichen von Gesundheit, wenn der Geist ständig auf dem Sprung ist und Ausschau hält nach Vorteilen, die eine Veränderung der Situation bringen kann. Und wenn du das nicht schaffst oder willst, dann wirst du gemieden. Dann wirst du als Jammerlappen wahrgenommen oder als eine, die einfach nie zufrieden ist."
"Außer ihr war da nur noch die Nachbarskatze, die da oben auf dem Zaun langging, gemessenen Schrittes wie ein Fin-de-Siècle-Roué nach einer Nacht der Lüste. Das suchte Dorrie, diese katzenhafte Gewissheit, ihren Platz zu haben."
Ich persönlich konnte, teils auch aus offensichtlichen Gründen, wenig mit den Texten anfangen. Mit viel Tristesse zeigt Simpson uns eine Welt, in der es keine Perspektiven mehr gibt, die nicht irgendwie ermüdend, geizig oder verschroben sind. Dabei ist sie weder eine schlechte Stilisten, noch mangelte es ihr an hervorragenden Dialogen und Gestalten; auch die Geschichten sind trotz der gleichen zentralem Thematik, nicht selten vielschichtig und gekonnt atmosphärisch eingebettet. Aber trotzdem wird man das Gefühl nicht los, in einer Endlosschleife zu stecken und immer nur in eine graugraue Welt gezogen zu werden, wo Frauen solcherlei denken:
"Gott sei dank lebe ich im Zeitalter der Empfängnisverhütung, dachte Nicola. Von allen Segnungen der modernen Welt musste das die wichtigste sein."
Also: Keine schlechte Schriftstellerin, aber ein einseitiges, schlecht verdauliches Buch, das bei allem Realismus nicht wirklich über sein Thema hinauswächst. Vielleicht muss es das nicht und wer sich damit abfinden kann und vor allem unkaschierte und gekonnte Darstellung mag, dem würde ich das Buch sogar empfehlen.