Wieder scheint es, als hätte das Leben selbst diese Geschichten geschrieben. So wahr erscheint vieles, manches hat der Leser am eigenen Leib erlebt und doch ist nichts Banales an den Erzählungen. Sie gehen alle unter die Haut, man versinkt in den Texten, lacht, weint, schmunzelt und nickt zustimmend, so authentisch sind sie.
"Ein Glas Blut" ist eher nicht geeignet, um es am Stück zu lesen ' auch wenn der Leser das durchaus machen kann. Er sollte dann aber immer wieder zum Buch greifen, sich willkürlich einen Text suchen und einfach in den Worten versinken. Die Kunst, den Leser einzuladen, sich fallen zu lassen und ganz im Geschriebenen aufzugehen, haben wenige Autoren so perfektioniert. Und sucht man nach dem Grund ' dann geht es einem wie dem Ich-Erzähler in einer der Geschichten, der versucht herauszufinden, was den Stil eines Autors unverwechselbar und unvergleichlich macht. Selim Özdogan hat es geschafft, er ist unvergleichlich.