Lucien Chardon de Rubempré kehrt in die Pariser Gesellschaft zurück, aus der der er verarmt und mit Schimpf und Schande fortgejagt wurde. Nachdem er mit dem Ausstellen falscher Wechsel seine Schwester und seinen Schwager ins Unglück gestürzt hatte, sieht der schöne Lucien keinen anderen Ausweg, als den Freitod. Auf dem Wege zum Selbstmord, trifft er auf den vermeintlichen spanischen Priester Herrera. Dieser bewahrt ihn vor dem Tode und zieht sich Lucien immer mehr als eigenes Geschöpf heran, um in der Welt der Adligen in Paris zu reüssieren.
"Glanz und Elend der Kurtisanen" ist sozusagen die Fortsetzung der "Verlorenen Illusionen", auch wenn der zentrale Handlungsaspekt hier nicht mehr auf Lucien (inzwischen geadelt) de Rubempré liegt, sondern auf dem Schicksal und dem psychologischem Profil der Pariser Kurtisane Esther und dem genialen Verbrecher Jacques Collin. Dieser treibt ein teuflisches Spiel mit Lucien und seiner Geliebten und benutzt den zwar schönen, aber nicht überaus intelligenten Jungen, der sich in eine reiche Adelsfamilie einheiraten soll.
Der Roman vereint eine Vielzahl von Genres. Er ist Kriminalroman, Liebesroman, eine akkurate und satirische Studie der Pariser Gesellschaft des frühen 19. Jahrhunderts und ist dabei so vielschichtig, wie seine Hauptfigur selbst. Innerhalb der rund 40-bändigen Reihe der Menschlichen Komödie bildet dieser Band den Abschluss einer inoffiziellen Trilogie ("Le Père Goriot", "Les Illusions Perdues", "Splendeurs et Misères des Courtisanes") welche gleichzeitig auch das Herzstück Balzacs Schaffens darstellt.
Natürlich sind die ausschweifenden Beschreibungen von Motiven, die für die Handlung nicht elementar von Bedeutung sind (z.B. eine 10-seitige Beschreibung der Architektur des Pariser Gefängnisses Concièrgerie), nicht jedermanns Sache. Dennoch gewinnen die vielen Figuren, Schauplätze, Intrigen und Charakteristiken erst durch die detailreichen Beschreibungen an Leben und so ergibt sich in der Summe ein kunstvoller, wichtiger und durch die kriminalistische Ebene auch spannender Roman, der fast nahtlos an die Tradition der großen französischen Romane des 18. Jahrhunderts und deren zentrale Themen: die Intrigen, anknüpft.
Fazit:
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Wer eine Schwäche für den großen Erzähler Balzac besitzt, kommt um diesen Roman nicht herum. Lassen Sie sich auch nicht durch den imposanten Umfang des Buches abschrecken, denn das Lesen vergeht wie im Fluge. In meiner Gunst steht "Glanz und Elend der Kurtisanen" sogar noch höher, als die "Verlorenen Illusionen", die in einem Literatur-Kanon sogar eher anzutreffen sind.