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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Ellis' größte Seifenblase, 4. Februar 2008
Easton Ellis und die High Society. Eine lange Geschichte. In dem Fall sprichwörtlich. Ellis begibt sich mit Glamorama über die für ihn üblichen Grenzen seiner Geschichten hinaus. Sowohl was die Länge als auch die eigentlich Geschichte an sich anbelangt. Erstmals ortet man in einem seiner Romane einen echten Erzählstrang. Glamorama ist der schillernde, bluttriefende Ausflug Victor Wards, eines Models und Semi-Stars in die Höhen New Yorks und die Abgründe der menschlichen Existenz die sich auf seinem Trip nach Paris offenbaren. Was zu Anfangs wie eine Satire über das Berühmt- und Coolsein zu sein scheint, entwickelt sich, mit beiläufigen Sex- und Drogeneskapaden zu einem brutalen Thriller, gespickt mit expliziter Schilderung der emotionalen Vorkommnisse, sei es nun Sex oder Gewalt. Alles nahezu greifbar modelliert. Voctor, der vermeintliche Held in Glamorama wandelt sich während dieser Geschichte von einem unkontrollierbaren, selbstverliebten, blitzlichtgeilen Schönling zu einem in sich zusammengebrochen, verzweifelnden Mann im Prada-Anzug. Eine Achterbahnfahrt der Eindrücke, Emotionen und Verrücktheiten. Teil dieser Eskapaden scheint ein allgegenwärtiges Filmteam zu sein, durch das Victor Ward Halt in seiner Welt zu finden scheint und sucht. Nahezu exzentrisch! Was zu guter Letzt übrig bleibt ist ein hautnaher Kokon einer seelenlosen Schauergeschichte bei den Reichen und Schönen durchzogen vom Blut Unschuldiger und garniert mit jeder Menge Xanax und teurem Schnee. Ellis schafft es zwar eine Spannung aufzubauen, den Leser zu fesseln, doch schlussendlich zerplatzt Glamorama wie eine Seifenblase und zurück bleibt eine gähnende Leere. Ob das der Coup oder das Problem an Glamorama ist, bleibt jedem Leser selber überlassen. Für alle Bret Easton Ellis-Fans ein Pflichtkauf, die anderen sollten sich einen anderen Einstieg in die Hölle des Nihilisten der amerikanischen Literaturszene suchen!....
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Massaker versus Catwalk, 10. Januar 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Glamorama (Gebundene Ausgabe)
Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich Glamorama von Brett Easton Ellis beurteilen soll. Da wird das Leben von Victor Ward alias Victor Johnson geschildert. Modell, Schauspieler, Frauenheld. Sein Leben besteht aus Clubs, Designermode und Fitnessoasen. Er ist ständig umgeben von Prominenten und die Prominenten suchen seine Umgebung. Da diese fast jedem Leser bekannt sein dürften, verleiht das dem Ganzen eine Pseudo-Realität die alles ein wenig echter wirken lässt. Er steht auf schöne Frauen, Sex und Musik und ständig werden Passagen aus passenden Songs in die Story eingestreut. Ansonsten eher oberflächlich scheint es sein einziges Ziel zu sein, einen eigenen Club zu eröffnen. Er ist cool bis in die Haarspitzen, die Lässigkeit hat er zur Perfektion verfeinert und seine Konversationen sind die Parodie einer intelligenten Unterhaltung. Alles könnte so schön sein, doch plötzlich beginnen die Dinge sich zu ändern. Die heimliche Eröffnung seines Clubs ist in Gefahr, 2 Frauen gleichzeitig in seinem Liebesleben zu integrieren stellt sich plötzlich als fast unmöglich heraus und eine Freundin aus Studientagen erscheint wieder auf der Bildfläche. Irgendjemand trachtet nach seinem Leben und ein ominöser Unterhändler versucht, ihn für einen geheimnisvollen Auftrag zu gewinnen. Die Probleme wachsen Victor über den Kopf. Bis hierhin sind die parallelen zu American Psycho sehr stark. Dekadenz und Glamour prägen eine Welt, in der die Frage was man trägt elementarer ist wir der Wert einer Person. Die Schilderung dieser Scheinwelt gelingt Ellis so gut, das manchmal sogar die gepflegte Langeweile der Schickeria von mir Besitz ergriff. Doch im Laufe der Handlung beginnt es zu brodeln unter der glatten Oberfläche. Etwas dunkles und düsteres bahnt sich mit Worten einen Weg ins grelle Licht der Realität. Victor nimmt den Auftrag an, eine Frau in London ausfindig zu machen um diese dann zu überreden in die Staaten zurückzukehren. Auf der Passage mit der QE2 ist es wieder eine Frau, die seine Pläne durchkreuzt. Er folgt ihr nach Paris und ehe er es realisiert, findet sich Victor in einer Terrorgruppe wieder. Scheinbar ohne festes Muster und mit eiskalter Präzision deponieren diese Autobomben, sprengen ein Hotel in die Luft oder zerfetzen einen Jumbojet. Die Beschreibung dieser Gewaltakte ist dermaßen plastisch, das es keiner großen Vorstellungsgabe bedarf sich in diese Infernos hineinzuversetzen. Der Tod ist omnipräsent und steht im Rampenlicht. Das Kapitel der gesprengten Boing 747 könnte bei entsprechender Publikation jede Fluggesellschaft in den Ruin treiben. Zwischendurch sexuelle Intermezzos, deren Schilderungen an Detailfreude nichts vermissen lassen. Das ganze ist verpackt in die Rahmenhandlung einer Filmproduktion und alles was passiert, ist nur Folge eines Drehbuchs. Ein sehr geschickter Schachzug, wie ich finde. Anderes bleibt diffus. Welche Rolle spielt Christian Bale, der immer wieder auftaucht.? Gibt es einen Bezug zu American Psycho, in dessen Verfilmung Bale die Hauptrolle übernahm ?. Nur ein Zufall, oder Inspiration ? Gibt es einen Doppelgänger ? Der ganze Roman ist wesentlich komplexer, wie man es hier schildern kann und nimmt an Spannung eigentlich immer zu. Er steuert auf ein furioses Finale zu, was aber letztlich ein Versprechen ist, das der Roman nicht halten kann (und vielleicht auch nicht will ?). Um ein letztes mal den obligatorischen Vergleich zu American Psycho heranzuziehen, so lautet mein Fazit das mir Glamorama besser gefallen hat. Das Buch ist unterhaltsam, manchmal schockierend und fast immer spannend. Manchmal hatte ich allerdings das Gefühl, das Ellis nur mit seinen gewaltigen Möglichkeiten spielte, und ich denke, das noch einiges von ihm erwartet werden kann.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Eigentlich eine Parodie von Exklusiv, 28. November 2007
Wenn ein Partyveranstalter einen Rekord bei der Promidichte aufstellt, kommt er ins Fernsehen, am besten zu Exklusiv auf RTL. Wenn ein Autor versucht, in einem Text die maximale Promidichte zu erzielen, was passiert dann? Glamorama ist geschrieben! Passenderweise geht es bei Glamorama genau um einen solchen Partyveranstalter in New York, also in der Oberliga der Clubs und Partys. Und zu Anfang beschäftigt er sich vor allem mit der Einladungsliste. Und damit, wie er seinen Chef hintergehen kann, ohne dass er es merkt. Und dann gibt es da noch die Frauen, hinter denen er her ist. Und die Frau, die er hintergeht. Und die Mitarbeiter, die er terrorisiert. Er teilt die Welt in Menschen, die er verachtet, und Menschen, auf die er neidisch ist. Den kleinen Ansatz von verzweifelter Liebe in seinem Leben kann man getrost ignorieren. Das mit dem Sex ist dafür ausführlicher und detaillierter beschrieben. Es darf auch mal ein Mann sein, wenn er Modell, in und einigermaßen berühmt ist. Insgesamt lesen wir hier von einem Mann, der ständig auf hundertachtzig ist und der bei seinen Mitmenschen im Roman und beim Leser alle Sympathien verspielt. Und dennoch können wir Leser uns der Faszination über sein Leben nicht ganz erwehren. Natürlich scheitert unser Protagonist am Ende mit seinen Vorhaben. Typisch Ellis, erst wird der Leser mit dem coolen Lebensstil und viel Sex auf den Geschmack gebracht, und schon folgt das bittere Ende. Und nicht nur das, unser Held gerät auch noch unter eine Gruppe von Terrormodells, die aus nicht so richtig verständlichen Gründen immer wieder für Blutbäder sorgen. Nicht wirklich klar wird dem Leser, ob das ganze hier nur ein Traum oder eine Phantasie oder gar nur ein Filmdreh sein soll oder ob es hier um ein Stück wirkliches Erleben des Protagonisten geht. Aufgelöst wird das alles jedenfalls nicht wirklich. Es bietet aber Raum für Rätsel und einige Texte, die auch in einem Horrorroman stehen könnten. Ohnehin lebt das Buch eher von der Sprache. Hektisch, das ist vielleicht ein Wort, das die Texte gut beschreibt. Durch die langen, abgehakten Passagen wirkt die Welt im Buch durchgedreht. Das ist nicht immer angenehm zu lesen, illustriert aber die Weltsicht des Autors besser als die Geschichte selbst. Es ist eine oberflächliche, durchgeknallte Welt ohne jeden Inhalt, die hier beschrieben wird. Menschen handeln dort nicht aktiv oder gar überlegt. Sie reagieren nur, folgen Trends und Gerüchten. Von einem eigenen Ich findet sich keine Spur. Und damit graben sich die Leute zwangsläufig ihr eigenes Grab. Und wer die hohle Promiwelt und deren Bild in den Medien heute kennt, der mag der Darstellung des Autors durchaus zustimmen. Kann man danach noch mit Spaß Exklusiv sehen oder Deutschland sucht das Supermodell? Nicht wirklich.
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