Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich Glamorama von Brett Easton Ellis beurteilen soll. Da wird das Leben von Victor Ward alias Victor Johnson geschildert. Modell, Schauspieler, Frauenheld. Sein Leben besteht aus Clubs, Designermode und Fitnessoasen. Er ist ständig umgeben von Prominenten und die Prominenten suchen seine Umgebung. Da diese fast jedem Leser bekannt sein dürften, verleiht das dem Ganzen eine Pseudo-Realität die alles ein wenig echter wirken lässt. Er steht auf schöne Frauen, Sex und Musik und ständig werden Passagen aus passenden Songs in die Story eingestreut. Ansonsten eher oberflächlich scheint es sein einziges Ziel zu sein, einen eigenen Club zu eröffnen. Er ist cool bis in die Haarspitzen, die Lässigkeit hat er zur Perfektion verfeinert und seine Konversationen sind die Parodie einer intelligenten Unterhaltung. Alles könnte so schön sein, doch plötzlich beginnen die Dinge sich zu ändern. Die heimliche Eröffnung seines Clubs ist in Gefahr, 2 Frauen gleichzeitig in seinem Liebesleben zu integrieren stellt sich plötzlich als fast unmöglich heraus und eine Freundin aus Studientagen erscheint wieder auf der Bildfläche. Irgendjemand trachtet nach seinem Leben und ein ominöser Unterhändler versucht, ihn für einen geheimnisvollen Auftrag zu gewinnen. Die Probleme wachsen Victor über den Kopf. Bis hierhin sind die parallelen zu American Psycho sehr stark. Dekadenz und Glamour prägen eine Welt, in der die Frage was man trägt elementarer ist wir der Wert einer Person. Die Schilderung dieser Scheinwelt gelingt Ellis so gut, das manchmal sogar die gepflegte Langeweile der Schickeria von mir Besitz ergriff. Doch im Laufe der Handlung beginnt es zu brodeln unter der glatten Oberfläche. Etwas dunkles und düsteres bahnt sich mit Worten einen Weg ins grelle Licht der Realität. Victor nimmt den Auftrag an, eine Frau in London ausfindig zu machen um diese dann zu überreden in die Staaten zurückzukehren. Auf der Passage mit der QE2 ist es wieder eine Frau, die seine Pläne durchkreuzt. Er folgt ihr nach Paris und ehe er es realisiert, findet sich Victor in einer Terrorgruppe wieder. Scheinbar ohne festes Muster und mit eiskalter Präzision deponieren diese Autobomben, sprengen ein Hotel in die Luft oder zerfetzen einen Jumbojet. Die Beschreibung dieser Gewaltakte ist dermaßen plastisch, das es keiner großen Vorstellungsgabe bedarf sich in diese Infernos hineinzuversetzen. Der Tod ist omnipräsent und steht im Rampenlicht. Das Kapitel der gesprengten Boing 747 könnte bei entsprechender Publikation jede Fluggesellschaft in den Ruin treiben. Zwischendurch sexuelle Intermezzos, deren Schilderungen an Detailfreude nichts vermissen lassen. Das ganze ist verpackt in die Rahmenhandlung einer Filmproduktion und alles was passiert, ist nur Folge eines Drehbuchs. Ein sehr geschickter Schachzug, wie ich finde. Anderes bleibt diffus. Welche Rolle spielt Christian Bale, der immer wieder auftaucht.? Gibt es einen Bezug zu American Psycho, in dessen Verfilmung Bale die Hauptrolle übernahm ?. Nur ein Zufall, oder Inspiration ? Gibt es einen Doppelgänger ? Der ganze Roman ist wesentlich komplexer, wie man es hier schildern kann und nimmt an Spannung eigentlich immer zu. Er steuert auf ein furioses Finale zu, was aber letztlich ein Versprechen ist, das der Roman nicht halten kann (und vielleicht auch nicht will ?). Um ein letztes mal den obligatorischen Vergleich zu American Psycho heranzuziehen, so lautet mein Fazit das mir Glamorama besser gefallen hat. Das Buch ist unterhaltsam, manchmal schockierend und fast immer spannend. Manchmal hatte ich allerdings das Gefühl, das Ellis nur mit seinen gewaltigen Möglichkeiten spielte, und ich denke, das noch einiges von ihm erwartet werden kann.