Eine Reise in die Vergangenheit. Es ist nur logisch, dass sich der Autor und damit die Hauptpersonen vom Rahmen der ersten Romane entfernen. So erfrischend und innovativ der Plot mit den "einfachen Legionären", die an der römischen Invasion von Britannien teilnehmen war, so kann dieser Hintergrund nur schwerlich eine mittlerweile 11 Bände umfassende Reihe über Roms Geschichte im ersten Jahrhundert n.Chr. tragen.
Wahrscheinlich hätten dieselben Leser, die jetzt über den Aufbruch zu neuen Ufern klagen, Zitat: "Das Leben in der Legion, das in den ersten Bänden der bestimmende Hintergrund war, und der den besonderen Reiz ausmachte, verliert sich zusehends in (sozial-)politischen Ereignissen und die Reaktion der Protagonisten darauf." , über die ewig gleichen Stämme und Kämpfe im vergleichsweise kleinen und unbedeutenden Britannien gejammert, auch wäre dort eine Fortentwicklung der tragenden Charaktere kaum möglich gewesen - Rom, die Legion und die dahinterstehende Gesellschaft ist nun einmal größer und vielschichtiger und man merkt dem gelernten Historiker Scarrow förmlich an, dass er noch viel mehr über das damalige Leben auf unterhaltsame Weise vermitteln möchte und dies ist ihm auch in diesem Roman wieder gelungen.
Der einzige etwas konstruierte Handlungsfaden ist in meinen Augen, die vom adligen Vater (Senator) wohlwollend betrachtete Liebesgeschichte zwischen dem ehemaligen Palastsklaven Cato und der Senatorentochter, trotzdem ist auch dieser Faden ausgewogen in dem bunten Teppich der Story verwoben.
Ansonsten findet der geneigte Leser alles was auch schon die ersten Romane auszeichnete, gut ausgearbeitet logisch agierende Charaktere, spannende taktisch und strategisch ausgearbeitete Kämpfe bis zum einzelnen Schwertstreich und den Bewegungen eines kombinierten Land/Seeangriffs, sowie Einblicke in Gesellschaft und Leben der damaligen Zeit.
Eine Anmerkung zur Kritik an der Darstellung einer selbstbewussten jungen Frau und eines relativ fähigen Senators - aus allen Zeiten sind Geschichten über intelligente, selbstbewusste Frauen belegt (Kleopatra, Hatschepsut, Katarina die Große und und), die auch in den repressivsten Patriarchaten ihren Weg gesucht haben und ich glaube nicht daran, dass alle führenden Römer zu dieser Zeit unfähig, dumm und/oder grausam waren, die unbestreitbar Jahrhunderte langen Erfolge dieses Imperiums wären ansonsten kaum zu erklären.
Fazit: Wieder ein gutes, vielleicht nicht das beste Buch dieser Reihe, von mir 4+ Sterne.