Ich habe dieses Buch vor 2 Jahren uebersetzt und bin noch immer ganz hingerissen (ist nicht bei allen Buechern der Fall, die ich uebersetze). Meine Arbeit hat mich bis ins Kasino von Baden-Baden gefuehrt, wo ich die Saalchefs mit Fragen geloechert habe ...(Uebrigens betreibe ich keine Eigenwerbung, Verkaufsbeteiligung bekomme ich naemlich nicht).
Fasziniert hat mich die Darstellung der beiden so unterschiedlichen Freunde, die intuitiv bzw. systematisch ihr Glueck an den Spieltischen verfolgen. Gut gefallen haben mir auch die vielen literarischen Anspielungen auf Schriftsteller, die ueber das Gluecksspiel geschrieben haben, allen voran Dostojewski (Der Spieler), aber auch Hermann Hesse (Kurgast).
Man erfaehrt Wissenswertes ueber die einzelnen europaeischen Kasinos, ueber die Menschen, die man dort antrifft, ueber grosse Hoffnungen am Spieltisch, die dann zerrinnen, ueber Gauner, die sich an Unwissenden bereichern wollen, und und und.
Der Autor ist auch Journalist, und das merkt man seinem Stil an: eine besondere Art von Humor, ja Ironie, durchzieht das Buch, dann wieder laesst er eine Lebensweisheit los, die mir Gaensehaut macht... Ein staendiger Wechsel zwischen Umgangssprache und Hochsprache sorgt fuer Abwechslung.
Nanni Delbecchi versteht sein Buch (auch) als Buch ueber Grenzen - die Grenzen des alten Europa, die immer mehr verblassen, die Grenzen zwischen der harten Realitaet draussen und der truegerischen Welt der Kasinos.
Wer genau nachforscht, wird ein paar geografische Ungereimtheiten finden, aber das finde ich nicht so schlimm - die beruehmte dichterische Freiheit ...
Insgesamt also ein wunderbares Lesevergnuegen!