Betrachtet man das knallige Cover des Albums liegt einem nichts ferner als der Begriff "Punk". Aber das, was heutzutage meist mit Punk in Verbindung gebracht wird, hat ebensowenig damit zu tun. Irokesenfrisuren, Lederjacken mit etlichen Stickern, Piercings im Gesicht etc. etc.
Tatsache ist, das Fehlfarben vor 30 Jahren mit "Monarchie & Alltag" die erfolgreichste und wohl auch bekannteste Punk-Platte der Bundesrepublik zustande brachten. Seither wird die Gruppe mit jeder Neuveröffentlichung an ihrem Debütalbum gemessen. Sänger Peter Hein, stieg gleich mal nach genannter LP aus, es folgten zwei LPs mit Thomas Schwebels Gesang - 33 Tage in Ketten (1981) und Glut und Asche (1983) - die natürlich im Vergleich zu "Monarchie & Alltag" bei der allgemeinen Musikkritik nicht standhielten, obwohl beide überdurchschnittlich gut sind.
Während Hein ab 1981 bei den weitgehend unbekannten Family 5 weitersang und mit dieser Gruppe reihenweise Platten raus brachte, lösten sich Fehlfarben Mitte der 1980er auf, um 1991 mit "Die Platte des himmlischen Friedens" ihr zweites Album mit Peter Hein als Sänger zu veröffentlichen. Danach dauerte es abermals elf Jahre bis mit "Knietief im Dispo" (2002) das dritte Hein/Fehlfarben-Album kam. Seither werden die "Lücken" immer kleiner: es folgte 2007 das "Handbuch für die Welt" und nun also "Glückmaschinen" - dem fünften Fehlfarben-Studio-Album mit Hein als Sänger, aber dem ersten Fehlfarben-Album überhaupt ohne Thomas Schwebel!
Die regelmäßige Zusammenarbeit der Band in den letzten Jahren ist unüberhorbar, die Platte klingt frischer als die beiden Vorgänger und da ist das grelle Cover gar nicht mal so verkehrt.
Auf gerade mal 8 Songs keift und beißt Peter Hein wie eh und je - und doch druckvoller. Genauso wie die Band. Am effektivsten geschieht dies auf dem fast schon locker-flockig daher kommenden "Im Sommer" und dem (Fast)Instrumental "Respekt?". Hier ist weniger eindeutig mehr.
Mit dem Ohrwurm "Wir warten (Ihr habt die Uhr, wir die Zeit)" ist ganze sieben Jahre nach "Alkoholen" (2003) auch mal wieder eine Single von Fehlfarben erschienen, zwar nur als Vinyl, aber das immerhin knallrot.
"Glücksmaschinen" ist sicherlich kein "Monarchie & Alltag", schön ist aber das die hier versammelten Männer jenseits der 50 (unterstützt durch eine junge Frau an den Drums!) immer noch was zu sagen und vor allem zu "spielen" haben. Wie schon auf den beiden Vorgängern "Knietief im Dispo" und "Handbuch für die Welt" wird hier meiner Meinung ein sehr hohes textliches und musikalisches Niveau gehalten, das gerade in der heutigen deutschsprachigen Musikszene schwer zu finden ist. Da sind 5 Sterne leicht zu vergeben.