In dem Buch geht es um eine wahren Kriminalfall. Eine jüdische Zwangsarbeiterin bei der Deutschen Reichsbahn in Berlin lernt 1943 einen Arbeitskollegen kennen, der sie und ihre Tochter grausam ermordet. Der Täter wird von der Nazijustiz 1944 hingerichtet. Zu einer Zeit, als bereits Millionen von Juden von den Nazis umgebracht waren. Eine absurde Situation also. Was ich besonders interessant fand: Das Buch schildert auf vielen Seiten den Alltag einer in Kriegsdeutschland lebenden Jüdin, deren Ehemann sogar ein Nazi war. Sie wird in Deutschland geduldet, weil sie mit einem "Arier" verheiratet war. Das Buch spielt Ende 1943/Anfang 1944, als es vielen Deutschen bereits klar ist, dass der Krieg für Deutschland verloren geht. Die Aufklärung des Kriminalfalls geschieht im Bombenhagel alliierter Flieger. Vormittags identifiziert die Berliner Mordkommission die Bombenopfer der Nacht, nachmittags geht sie auf die Jagd nach einem Judenmörder. Der Leiter der Mordkommission ist Rolf Holle, ein SS-Mann, der nach dem Krieg einer der Chefs des Bundeskriminalamtes (BKA) in Wiesbaden werden wird (mehr zu seiner Person auf Wikipedia). Der Leser erfährt in diesem spannenden Tatsachenbericht viel über das Alltagsleben in Deutschland gegen Kriegsende: Lebensmittelkarten, Schlangestehen vor den Geschäften, Bombenangriffe, Seuchengefahr, Schwarzhandel und Kinderlandverschickung. Man will das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Mein einziger Wunsch wäre gewesen, dass der Verlag zusätzlich einige zeitgeschichtliche Dokumente komplett abgedruckt hätte, etwa die Anklageschrift und das Urteil des Sondergerichts, das den Mörder zum Tode verurteilt hat. Das Buch ist leider zu schnell zu Ende. Aus meiner Sicht hätte es ruhig ausführlicher sein können.
Der Titel des Buches kombiniert den Vornamen des Opfers, Vera, mit einer Funktion des Mörders. Der Mörder hat nämlich in seiner Freizeit als Brauner Glücksmann (so wurden sie allgemein genannt) Lotterielose verkauft. Das Geld bekam das Winterhilfswerk, es war eine Wohltätigkeitsorganisation der Nazis.