Eines Morgens, ausgerechtet in der Mathestunde von Frau Spalteholz, kommt eine seltsame Frau in die Klasse 4a. „Sie war nicht mehr jung, aber auch nicht direkt alt. Ihr Rock fegte den Boden. (...) Ein bisschen sah sie aus wie eine Fee. Aber auch ein bisschen wie eine Hexe."
Ihr Name ist Frau Fortuna. Sie fragt die Kinder nach ihren Wünschen. Einer will reich werden und bekommt eine leere Geldbörse, ein Mädchen will Prinzessin werden und Frau Fortuna streut ihr Konfetti ins Haar. Suse Sperling ist kurz vor der Pause dran. Suse will ein Glückskind sein und bekommt einen Knallbonbon geschenkt. Als sie ihn auseinanderzieht, fällt ein Zettel heraus, darauf steht: „Ich werde dir alle Wünsche erfüllen."
Dies ist die Introduktion zu einer rasanten und verrückten, zuweilen komischen, im Grundgestus jedoch sehr ernsthaften Geschichte.
Anfangs ist das Wünschen für Suse noch ganz am amüsant, als zum Beispiel alles nach Schokoladentorte schmeckt oder Frau Spalteholz während des scheußlich schweren Diktats wie ein Vogel zu zwitschern beginnt. Aber als dann die ganze Klasse Turnschuhe, CDs, Pullover oder Hauptrollen im Film gewünscht haben will, und nichts passiert, wird die Sache recht lästig, zudem nun auch Suses angeblich beste Freundinnen über sie spotten. Da lässt sie dien Zettel einfach davon flattern ... Und als sie sich nun gerade furchtbar einsam fühlt, stolpert ihr Felix vor die Füße, ein blonder, ungeschickter Junge, in viel zu großen Hosen.
Felix ist Schüler einer Eliteschule und soll ständig nur nützliche Dinge lernen. Dabei will er so gern Blumen binden, Abenteuerbücher lesen und eine Freundin wie Suse haben.
Karla Schneider gönnt die beiden einander, völlig unspektakulär, und das ist schön so.
Sie wehren sich gemeinsam gegen die Dinge, die ihnen Unbehagen bereiten, sie halten mit einer Selbstverständlichkeit zusammen wie es Zehnjährige eben tun. Und es dauert eine ganze Weile, ehe Suse erfährt, wer eigentlich die Mutter von Felix ist. Sie zuerst lernt nur seinen Vater kennen, einen liebenswerten, ängstlichen Mann, der eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Teddybären hat. Erst als Suse die Hausaufgabe bekommt, im Schulprojekt „Unsere Stadt - wie sie keiner mehr kennt" einen unbekannten Ort zu suchen, erfährt sie eine ganze Menge über diese außergewöhnliche Frau ...
Karla Schneider ist es auf sensible Weise gelungen, das Besondere im Alltäglichen mit dem Phantastischen zu verbinden und dies mit der Selbstverständlichkeit einer klugen Frau, die bereit ist, ihren jungen Leserinnen und Lesern einiges zuzutrauen.
Karla Schneider wurde 1938 in Dresden geboren, arbeitete nach dem Abitur ein Jahr lang in einer Fabrik ehe sie eine Ausbildung zur Buchhändlerin absolvierte. Im Herbst 1979 übersiedelte sie nach Wuppertal. Seit 1989 arbeitet sie als freie Schriftstellerin und schrieb zahlreiche Romane und Erzählungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.