Das ist ein wirklich gutes Buch. Sehr klar. Tal Ben-Shahar sieht das Glück in erster Linie als Forschungsgegenstand - aber eben zum Glück nicht nur. Er findet eine wunderbare Mischung aus wissenschaftlicher Untersuchung und philosophischem Überblick. Er zeigt Hintergründe auf und Zusammenhänge. Und er macht uns klar, wie viel von unserem Glück an uns selbst liegt.
Im ersten Teil geht es eher um theoretische Aspekte: Was ist Glück? Im zweiten Teil wird das neu verstandene Glück dann angewendet. In Beziehungen. Am Arbeitsplatz. Beim Lernen. Nach 200 Seiten kommen dann noch ungefähr 30, die er als "Meditationen über das Glück bezeichnet", was eher der schwammigste Teil des ganzen ist. aber als Abrundung in Ordnung geht.
Zwischen den Texten findet man immer kleine Rubriken unter dem Titel "Time-in". Da stellt Tal Ben-Shahar schöne, kleine Fragen, über die wir ein wenig nachdenken sollen und die uns von der Theorie direkt in die Praxis unseres eigenen Lebens führen. Das ist sehr schön und klug gemacht. Ungemein erklärend ist auch seine Einteilung in vier Kategorien von Menschen: den Karrieresüchtigen (der auf die Zukunft fixiert ist, aber die Gegenwart vernachlässigt), den Nihilisten (der sich immer auf die Vergangenheit bezieht und damit sowohl das Glück in der Gegenwart wie auch in der Zukunft verpasst), den Hedonisten (der nur für die Gegenwart und den Genuss darin lebt) und den Glücksmenschen (der so lebt, dass der Moment glücklich ist, aber er ihn so ausgestaltet, dass er sich auch für die Zukunft positiv auswirkt). Diese Einteilung macht klar, dass die beste Lösung immer die ist, die schon Epikur propagiert hat: Du darfst jetzt alles geniessen, so lange es nicht einem grösseren Glück für die Zukunft im Wege steht. Geniesse jetzt das, was dir für die Zukunft noch mehr Glück verspricht.
"Glücklicher" ist ein Buch, das einem viele Denkanstösse gibt und so manche Einsicht vermittelt. Aber es macht uns eben auch klar, und diese Ehrlichkeit ist unabdingbar, dass niemand sonst als wir selbst für unser Glück verantwortlich sind. Um Veränderungen vorzunehmen, braucht es meist mehr Zeit und Engagement, als uns lieb ist. Und deshalb bleiben die meisten Menschen wohl dort stecken, wo sie jetzt sind.
Aber jeder hat ja die Wahl, wofür er sich einsetzen möchte.
Und das Schönste, und das ist wirklich das, wo ich mit Tal Ben-Shahar von ganzem Herzen übereinstimme: Unser Glück kommt in Wahrheit von innen. Wenn wir das einmal erfasst haben und auch die dazu nötigen Erfahrungen machen, lässt der Druck im Äusseren merklich nach. Wir sind weniger abhängig vom "Haben müssen" und können uns mehr dem zuwenden, was ich als "Sein dürfen" bezeichnen würde. Das ist sehr entspannend und eben: beglückend.
Dieses kleine Buch ist ein guter Wegweiser dahin.
Peter Steiner, Autor von "Das Wesentliche so nah", "Weisheit für Minimalisten" u.a.