Dieses Buch zwingt durch seine Struktur und den Stil der Autorin zum langsamen Lesen, etwas das mir persönlich nicht liegt, und mich zu Anfang gegen den Text eingenommen hat. Dann wurde mir während des Lesens klar, dass gerade im aufmerksamen Erfassen des doch sehr dichten Inhaltes der Schlüssel zum Genuss dieses Buches besteht.
Sonja Lyubomirsky, selbst seit langem auf dem Gebiet der Psychologie des Glücks empirisch arbeitende Wissenschaftlerin, trägt - ja im Prinzip: alle - Antworten zusammen, welche die, streng empirisch vorgehende, akademische Psychologie zu der Frage gefunden hat, was Menschen glücklich macht, wie glückliche Menschen ihr Leben gestalten und welches Verhalten und welche Lebensstrategien Zufriedenheit und Glück erhöhen. Eine immense Arbeit, die sie uns abgenommen hat, besteht schon darin, all die tausend Einzelveröffentlichungen zum Thema zu sichten, zu lesen, für uns zu ordnen und dann Kapitel- und Themenweise in diesem Werk aufzubereiten.
Dem ganzen Text kann man sich nun auf zweierlei Arten nähern: entweder so, wie er gedacht war, nämlich als Arbeitshandbuch, in dem man seine eigenen Glücksstrategien, auch durch den mitgelieferten Test, entdeckt und dann liest, wie man sie am erfolgversprechendsten umsetzt. Oder auf die Art, die ich gewählt habe, dass man sich in geballter und hochverdichteter Form einfach mal der Erfahrung aussetzt, *fundierte* und nachprüfbar *richtige* Informationen aufzunehmen, was letztlich, obwohl das nicht die Ambition der Autorin ist, dem Leben wirklich Sinn, Schönheit und Freude verleiht. Diese *richtigen* Informationen mögen nämlich unter uns Menschen schon immer kursiert haben, z.B. dass man nichts wirklich wertvolles im Leben mit Geld kaufen kann (außer Brot), aber ohne den Rückhalt der in unserer Zeit sehr hochgeschätzten Wissenschaften gehen diese wenigen Häppchen an wertvoller Lebenshilfe unter dem Geschrei der Werbe- und Konsumindoktrinierung leider zu schnell unter und bleiben nicht hängen.
Obwohl so nicht von der Autorin gedacht, ist dieses Buch also auch als ein Antidot gegen die leeren aber lauten Versprechungen des Zeitgeistes wirksam. Beim lang- und achtsamen Lesen, natürlich. :-)