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Inhaltsangabe: Eine neue theologische Glückslehre, 6. Juni 2004
Rezension bezieht sich auf: Gott und das Glück. Das Schicksal des guten Lebens im Christentum (Gebundene Ausgabe)
Wer nach dem Glück in der heutigen Theologie Ausschau hält, dem sei gesagt, dass er es vergeblich sucht. Denn wer den ersten Teil von Jörg Lausters neuestem Buch aufmerksam liest, erfährt viel vom Schicksal des theologischen Glücksbegriffs bis hin zu dessen Verschwinden. Die ursächlichen Faktoren reichen, wie Lauster zeigt, weit zurück. Schon bei Paulus wird dem Glück keine religiöse Relevanz eingeräumt, weil das von Gott erwartete jenseitige Heil des Menschen nicht in Einklang zu bringen war mit dem Gedanken eines nach menschlichem Empfinden glücklichen und gelingenden Lebens. Einigen Kirchenvätern (z.B. Gregor von Nyssa, der frühe Augustin) war es zwar gelungen, die antike Glückslehre (Eudämonismus) mit der christlichen Anthropologie zu verbinden, jedoch waren solche Unternehmungen von relativ kurzer Dauer und wurden im Verlauf der Kirchengeschichte nur selten berücksichtigt. Trotz einiger weiterer Versuche in Mittelalter und Renaissance, das Glück in die Theologie zu integrieren (z.B. Th. v. Aquin, Fr. Petrarca, L. Valla, M. Ficino), wurde das Glück zunehmend mit hedonistischer Bedürfnisbefriedigung gleichgesetzt, und spätestens wurde mit der reformatorisch-lutherischen Lehre in der protestantischen Theologie die Frage nach dem Glück aufgegeben. Das Heil des Menschen stand ab nun einem menschlichen Glücksstreben gegenüber, das nach Auffassung von Luther grundsätzlich in die Irre führen sollte. Erst in der Aufklärung wurden wieder Versuche unternommen, mithilfe der Vernunft das Glück des Menschen wiederzugewinnen, allerdings in Form der Erkenntnis, dass der Mensch sich eingebunden weiß in die Wirklichkeit Gottes (Spinoza). Kant aber übte heftige Kritik am Glücksbegriff, da die menschliche Lust und Unlust (=Glück) als unvereinbar mit der Moral gedacht wurden und wird folglich verdächtigt, der „Totengräber des Glücks" zu sein.
Dem vergessenen Glück will Lauster im zweiten Teil neues Leben verleihen. Ausgehend von der empirischen Annahme, dass jeder Mensch nach Glück strebt, formuliert Lauster die Rahmenbedingungen einer theologischen Glückslehre. Das menschliche Glücksstreben interpretiert Lauster daher nicht als Beleg für die konkupiszente menschliche Verfasstheit, sondern - ähnlich wie Gregor von Nyssa - im grundlegenden Sinne als Ausdruck der Gottebenbildlichkeit, wobei der Sündenlehre insofern Rechnung getragen wird, als dass der Mensch in seinem Glücksstreben auch scheitern kann. Zum Glücksbegriff rechnet Lauster nicht nur die jenseitige christliche Heilshoffnung mit ein, sondern auch diesseitige, weltliche Kriterien, wie z.B. Bedürfnisbefriedigung oder das Streben nach der Erfüllung individueller Wünsche und Ziele, die Lauster als Voraussetzung für die Möglichkeit eines glückenden Lebens zugrunde legt. Mit der Betonung der menschlichen Fähigkeiten durch die Integration des Glücksbegriff in die anthropologisch-positive Seite des Menschen (imago dei) erfährt der „Mensch das Vertrauen und den Mut etwas Ungeheures zu wagen: an seinem Glück zu arbeiten", wenngleich der Mensch, wie Lauster hervorhebt, sich auch der Grenzen menschlicher Einflussnahme bewusst sein sollte: Das Glück stellt sich in vielerlei Hinsicht auch unverfügbar ein.
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