De Botton kann wunderbar schreiben; seine sprachlichen Bilder sind brilliant und es ist erstaunlich, dass das trotz Übersetzung wiedergegeben werden kann. Was mich aber sehr wundert, ist seine Wertung über Corbusier oder andere. Ich bin ja auch kein besonderer Freund von dieser gefühlskalten Maschinenarchitektur, aber von einem Philosophen hätte ich mehr Neutralität erwartet. Es gibt doch Menschen, die sich dort wohlfühlen und die Optik ist durchaus oft interessant und eine Bereicherung zur typisch deutschen Durchschnittsfassade. Was mir noch ein wenig fehlt ist die Frage, welche Bedeutung seine Beobachtungen haben. Er führt deutlich aus, wie man die Dinge sehen kann und unterlegt auch seine Ansätze stimmig und plausibel, aber was heißt das für Menschen, die ihr Glück suchen darin? Da bleiben leider viele Fragen offen, die für mich eher schon in dem Buch "Die Psychologie des Wohnens" beantwortet werden. Wie macht man sich sein Glück zuhause- diese Frage bleibt für mich offen, wenn auch das Lesen von Bottons Büchern durchaus lohnt.