Diese Kurzgeschichte ist bemerkenswert: Sie führt mitten ins Herz der Aporien, die entstehen, wenn der vom Menschen gemachte Fort-schritt im wahrsten Sinn des Wortes fort-schreitet und ihm die selbsternannten Götter nicht mehr zu folgen vermögen: Der "Held" (ist er das ?!) der Geschichte, Richard, ist von der alten Schule und Rittmeister. Das will meinen, dass er zu Pferd in den Krieg gezogen ist und eine strenge millitärische Ausbildung "alten Stils": Disziplin, Disziplin, Disziplin genossen hat. Seine ganzen Erinnerungen "leben" in der alten Zeit. Panzer sind ganz neue "Krieger": in den Augen Richards Nachfolger von Leuten seines Schlags. Steril und hochtechnisiert. Doch der Abstand, den Richard zur Gegenwart einnimmt, ist sehr viel größer, als er (und der Leser) vorerst vermuten; dies erfährt er schmerzlichst, als er sich bei einem Fabrikanten von "Lilliput-Robotern" (starke Analogien zur heute erst erblühenden Nano-Technik !), winzige Maschinen, die z.B. die Pollen aus der Luft fressen, vorstellt. Dies wird für Richard zu einer Reise in seine Vergangenheit, zur Erkenntnis, daß seine Maßstäbe vom Leben in und mit der Natur hoffnungslos verloren sind, kurz: daß er ein Fossil ist. Im Garten nämlich jenes Fabrikanten haben gläserne Bienen den Dienst der natürlichen Vorfahren übernommen und saugen weit effektiver als ihre natürlichen Vorfahren den Nektar aus den Blüten und führen sie einer Maschinerie zur Honigerzeugung zu. Das ganze Buch lebt von den geschickt ausgespielten Gegensätzen von alt-hypermodern: was könnte als älteres "Handwerk" als das der Bienen gelten ? Und der Technikfabrikant wohnt in einem alten Kloster, ist ein alter Mann usw.. Es wird einem hie und da beim Lesen recht mulmig da einem schwant, daß das alles (heute) viel wahrer und bedrohlich näher ist, als zum Zeitpunkt, als das Buch verfasst wurde. Die Grenze zwischen "Naturwesen" und mechanischen Surrogaten (effektiv wohl aber eben auch steril, non-kommunikativ usw.) ist teilweise so fliessed dagestellt, dass man ins Zweifeln gerät, ob Richard sich nicht bei einer perfekten technischen Marionette vorstellt. Es ist etwa wie in E.T.A. Hoffmanns "Sandmann": Nataniel verliebt sich ja auch unsterblich in ein wunderhübsches Mädchen mit wunderschönen Augen und was stellt sich heraus: eine mechanische Puppe ! Und verhält es sich nicht so mit dem in den Exzess gesteigerten Technik-Wahn: wird die Wahrheit, wie etwa Richard sie definieren würde, nicht irgendwann eine leere Phrase, eine Puppe, in der Wellen und Zahnräder rotieren, ersetzt durch Automaten, die diese Frage überflüssig machen ? Ich erinnere, wohl wissend des Ameisenhaufens, in den ich mich damit bei manch einem setzte, an die Technik-Vorlesung Martin Heideggers, der das Wesen der Technik dort das Ge-stell nannte und der als Gegenmittel, als Medizin zur Gesundung der Wahrheit und ihrer Wächter das Fragen und das Denken empfahl: "Fragen ist Frömmigkeit des Denkens." Man lese "Gläserne Bienen" und frage, in welcher Welt man leben will.