Zu was haben wir es nicht alles gebracht in unserer schönen neuen Welt? Damit befasst sich Adam Soboczynski in seinem Buch auf überaus lakonische und teilweise ein wenig leidend anmutende Weise. 29 Kapitel zu Themen wie Liebe, rauchfreie Bars, Wohnungswechsel und '- natürlich unvermeidbar! - dem Trend zum rasierten Männeroberkörper.
Soboczynski schreibt sonst für das Feuilleton der ZEIT ' - und man merkt ihm den Journalismus und den Kritiker an. Herber Spott über unsere moderne und oft seltsam verdrehte und teilweise verbissene Lebensart durchzieht das Buch. So ortet Soboczynski das Grundproblem in erster Linie in falsch gesetzten Akzenten: '"Dort, wo man sich disziplinieren müsste, lässt man sich gehen, dort, wo man sich gehen lassen sollte, diszipliniert man sich heute"', schreibt er. Als banales Bild könnte man vielleicht folgendes aufführen, um zu verdeutlichen, wie das gemeint ist: Wir gehen gerne zu McDonalds, aber das wenigstens in Gesundheitsschuhen, um unser schlechtes Gewissen zu beruhigen. So manches ist absurd geworden, aber gleichzeitig so selbstverständlich, dass wir es gar nicht mehr merken.
Wer über unser Leben schmunzeln möchte, wer das Ironische und Persiflierende liebt ' - und wer danach doch nichts ändern will, der wird dieses Buch lieben. Das Buch vereint kluge Beobachtungen mit geschliffenen Worten und raffinierten Querverweisen ' - gehobener Journalismus fürwahr. Solch klug geschriebene Frotzeleien sind erheiternd zu lesen, zum Schluss bleibt man aber doch ein wenig hungrig vor dem geschlossenen Buch sitzen. Es fühlte sich an wie eine herrliche Vorspeise, die den Gaumen des Geistes munter kitzelte. Man wartet auf den Hauptgang, aber da kommt nichts mehr. Das Leben als Aneinanderreihung intellektuell durchforsteter und lakonischer Episoden - ' ist es das? Könnte da nicht mehr sein? Ein Leben, lustvoll und wahrhaft erfüllt, und wenn ja, woher käme es?
Peter Steiner, Autor von "Das Wesentliche so nah", "Weisheit für Minimalisten" u.a.