3 Jahre nach dem kommerziellen Durchbruch mit ,Screamadelica' war der Rave und Madchester Sound bereits so gut wie tot und die Schotten wußten, daß Sie ihren Sound verändern mußten. Was lag also näher, als ihn an dem von Jimmy Miller produzierten, einizigen stilistischen Ausreißer auf ,Screamadelica' - nämlich dem Gospel Rock von ,Movin' On Up' zu orientieren, der ja wiederum ganz stark von den früh-70er Stones herrührte.
,Retro' war also die Devise und wenn schon Retro, dann gleich richtig, also nahm man das Album größtenteils in den USA auf. Black Crowes Produzent George Drakoulias, Atlantic Produzenten-Legende Tom Dowd und Funk Papst George Clinton sorgten für eine Rock Sound der oft um R&B und Gospel Elemente angereichert wurde und trotz sovieler Köche wurde das ein erstaunlich homogener Brei.
Die zwei größten Reißer kamen gleich zu Beginn und ,Rocks' wurde die bis dato erfolgreichste single der Band; gemeinsam mit ,Jailbird' sind das die Stücke die wirklich keinen anderen Vergleich als die Stones zu Zeiten von ,Brown Sugar' zulassen. Danach folgt der Gospel-Folk Raunzer ,I'm Gonna Cry Myself Blind', der genauso wie das, für diesen wiederum typischere, ,Funky Jam' von George Clinton produziert wurde. Letzteres klingt so als ob die Stones einen Jam mit Parliament hinlegen würden hat aber auch noch einen Hauch des spät-80er Rave sounds in sich. Gar in country-Rock Gefilde wagte die Band sich mit ,Big Jet Plane' (auch das hätte mit seiner slide-Gitarre wunderbar auf den Stonesens ,Exile' gepaßt).
,Free' ist eine große und völlig unkitschige Soul'n'Folk Ballade mit Jazz-Sprengsel versetzt, auf der Gastsängerin Denise Johnson die Lead Vocals übernehmen durfte und die transportiert die kompakte Fragilität dieses Stücks tatsächlich perfekt.
Ganz Stones-like kommen Sie einem dann wieder mit dem musikalischen Trostpflaster ,Call On Me', das arrangementmäßig auch wieder den großen Jimmy Miller zitiert - Drakoulias war offensichtlich ein gehleriger Schüler des besten Prodzenten den Mick & Co je hatten. ,Struttin' ist zwar ein Streichresultat, aber aus der Enstehungszeit heraus erklärbar, denn dieses auf dem ,Funky Jam' basierende Instrumental sollte wohl damals von den Club DJs unbemerkt zwischen Acid Jazz und Hip-Hop reingemischt werden können, um auch diese Zielgruppe noch anzusprechen - ähnliches gilt für den Titeltrack. Aber mit ,Sad And Blue', ,I'll Be There For You' und ,Everybody Needs Somebody' laufen Sie dann wieder zu großer Form auf.
Was dieses Album auszeichnet ist die Qualität des songwritings und die Authentizität mit der Sie Rock u. R&B hier verbanden. Den Legenden-Status von ,Exile' erreichte diese Platte bei Weitem nicht, aber kompositorisch ist das im direkten Vergleich die bessere Scheibe. Dass Sie sich die Gruppe während der Aufnahmen schon in den Haaren lag und auf der darauffolgenden Tour fast auflöste mag ein Grund dafür gewesen sein, daß Sie diesen Stil erst 12 Jahre später auf ,Riot City Blues' wieder aufgriffen. ,Give Out' ist aber auf jeden Fall eines ihre besten und eingängigsten Alben auf dem nicht - wie später oft - verkrampft versucht wurde um jeden Preis etwas Neues zu kreieren, sondern den exzellenten songs einfach das passende Gewand verpaßt wurde.