Die ausgeflippte Truppe aus Los Angeles die zu Beginn ihrer Karriere vorwiegend Hardcore Ska und Reggae spielte, erweiterte spätestens mit dem 88er Album ,Truth & Soul` ihr musikalisches Spektrum um Funk, Soul und Rock. Auf dem darauffolgenden epischen ,The Reality Of My Surroundings` war dann stilistisch sowieso schon alles möglich und da ließen Sie musikalisch sogar die sich damals auf ihrem kreativen Höhepunkt befindenden Kollegen von den Red Hot Chili Peppers alt aussehen.
Der kommerzielle Erfolg stellte sich zwar trotz heavy rotation ihres kleinen Hits ,Everyday Sunshine` auf MTVnicht ein - dazu hatte ihre Musik zu viele Kanten und war zu kompromisslos - aber wer damals eine musikalische Nische zwischen den noch kompromissloseren Bad Brains und eben den Peppers suchte und wer vor allem eine größere Bandbreite abgedeckt haben wollte, für den waren Fishbone im Crossover nicht bloß eine Alternative, sondern geradezu eine Erleuchtung.
Waren Sie mit ,Reality` doch irgendwie auf dem Sprung dazu Stars zu werden, so hätten Sie mit ,Give A Monkey A Brain...` den Durchbruch schaffen müssen, doch da kam ihnen der völlig Funk-und Soulfreie, gehypte Grunge dazwischen; und ,nur` derben Rock zu machen konnte dieser Truppe einfach nicht ausreichen.
Doch die ersten 3 tracks dieser Platte sind tatsächlich sehr heavy. Es beginnt mit dem kompromisslosen Riff von ,Swim` (wurde seinerzeit auch für den großartigen Soundtrack von Arnie's ,Last Action Hero` verwendet), und wird mit ,Servitude` und dem atmosphärisch dichten und packenden ,Black Flowers` fortgesetzt. Letzteres ist so eine Art düstere und schleppende Hardcore Ballade und einer der besten songs dieser Art.
Weiter geht es aber völlig anders mit dem Happy Sounding Ska ,Unyielding Conditioning` der die damals in dieser Disziplin so hochgelobten ,No Doubt` wiederum verblassen lässt. Der Crossover Funk ,Properties Of Propaganda` ist ein rhytmisches Feuerwerk bei dem Sie Rock Gitarren und Soul-Bläser einsetzen und der durchaus Ähnlichkeiten mit ,Everyday Sunshine` hat.
Dass man Speed und trash Metal mit Ska wunderbar kreuzen kann wird einem auf ,The Warmth Of Your Breath` vor Augen geführt. Trotzdem ist das alles aber immer voll mit Melodien oder zumindest guten hooks und Riffs; und bei der musikalischen Genialität der Truppe und ihrem offenen, fast anarchistischem Ansatz hätte wohl auch Zappa früher oder später mit ihnen gearbeitet (so er noch die Zeit dazu gehabt hätte).
Fishbone, die auch immer den großen Curtis Mayfield verehrten und mit ihm bereits 1988 ein Duett für den Soundtrack zu der Blaxploitation Satire ,I'm Gonna Git You Sucka` aufnahmen, konnten aber auch exzellent Soul Songs schreiben - hier nachzuhören auf ,Lemon Meringue`; und auch Bob Marley style Reggae lag ihnen von Anfang an im Blut (,They All Have Abandonend Their Hopes` steht dafür exemplarisch auf dieser Scheibe). Dass ,End The Reign` dann schon fast den späteren Foo Fighters Sound vorwegnimmt, nimmt sich dann auch wenig überraschend aus, bei einer Band die eigentlich alles spielen konnte und das auch tat. Das tatsächlich sehr zappaeske und ausgeflippte ,Drunk Skitzo` (teils Punk, teils Hardcore, teils Jazz) fügt sich dadurch ebenso nahtlos in diese Platte ein, wie der Metal-Funk ,No Fear` und der R&B track ,Nutt Megalomaniac`.
Das ist laute, anspruchsvolle, extrem abwechslungsreiche und fordernde, aber dennoch sehr eingängige Musik und diese Platte ist vielleicht ihre beste, weil das songwriting hier auch durchgehend hohes Niveau aufweist. Und den Chili Peppers (die auf ihrem Prä-Durchbruchs Album ,Mother's Milk` fast eine ähnliche große Bandbreite drauf hatten) sei gesagt -hört auch diese Scheibe wieder mal an und lasst euch inspirieren - denn mehr Einflüsse als hier zu verarbeiten geht nicht.