Der Römersteinbruch St. Margarethen hat den Vorteil, dass man ein richtiges Bühnenbild gestalten kann. So stehen oben auf den Felsen Häuser, der Tempel und später der Palast Nabuccos ziehen sich den Hang hinauf und bieten den Darstellern viele Möglichkeiten der Gestaltung.
Wie immer in St. Margarethen gibt es auch hier viele kleine Details und die Inszenierung ist spannend.
Es ist ein guter Regieeinfall, kurz bevor die Assyrer den Tempel stürmen, durch die israelitischen Priester weiße Tauben aufsteigen zu lassen. Das zwei assyrische Spione gehängt werden, hat mir allerdings nicht so zugesagt. Imponierend ist nun allerdings wiederum, dass Nabucco in einem Kampfturm, welcher mit Motiven aus Babylon geschmückt ist, auf die Bühne fährt. Dieser Turm bildet dann später auch sein Gefängnis.
Igor Morosow ist ein guter Schauspieler. Leider hat seine Stimme in den hohen Lagen keinen Klang, trotzdem muss ich sagen, dass er mir in dieser Rolle gefallen hat.
Er ist ein temperamentvoller, zum Jähzorn neigender Nabucco, nach dem Blitzschlag gestaltet er schon sehr eindringlich seine geistige Umnachtung. Auch die Bitte um Fenenas Leben, das Duett mit Abigaille, gestaltet er sehr glaubhaft.
Nabuccos Gebet "Gottheit von Judah" singt er mit berührendem Vortrag, demütig kniend, und weil er die Stimme zurücknimmt, bringt er diese Arie auch wirklich gut.
Bruno Ribeiro ist ein Ismaele, welcher richtig gut rüber kommt. Ein junger hitzköpfiger Heerführer, der hier durch die Soldaten niedergeschlagen wird und somit in die Hände der Assyrer fällt. Hier wird einmal die Szene zwischen Ismaele und Abigaille richtig gespielt: wie sie versucht, ihn zu umgarnen und er sich mit Händen und Füßen gegen sie wehrt. Ribeiro singt den Ismaele auch gut, er hat einen schönen, klaren, kräftigen Tenor, der mühelos alle Spitzentöne bringt.
Der Zaccaria von Simon Yang ist optisch im falschen Stück. Warum aus ihm ein Araber gemacht wurde, ist mir unklar. Er passt in keiner Weise rein. Singen tut er ihn gut, er spielt auch gut und sehr überzeugend ist die Szene, als er Fenena erstechen will und Ismaele ihm richtig in den Arm fällt, den Dolch entreisst (hier wird das mal wirklich gespielt) und Fenena zu ihrem Vater die Treppe hinabstößt. Die Wut des Zaccaria ist deutlich zu sehen und zu hören.
Hier wird Ismaele auch wirklich ausgestoßen. Das geht so weit, dass er in der Szene, als Fenena zum Judentum konvertiert, vom Chor so weit getrieben wird, dass er den Dolch gegen sich selbst zückt und sich erstechen will.
Gabriella Morigi ist eine junge und sehr temperamentvolle Abigaille. Ihre Stimme kommt zwar immer mal an ihre Grenzen, aber im großen und ganzen bringt sie die Rolle perfekt. Und wunderbar gespielt ihre Sterbeszene, wo sie kurz vor dem Ende von Nabucco selbst in die Arme genommen wird und Verzeihung erlangt.
Elisabeth Kulman ist eine sehr zurückhaltende Fenena, mit einer schönen Stimme, aber sie hat leider nicht die Bühnenpräsenz der Morigi. Sie wirkt ziemlich blass.
Das Europasymphonieorchester unter dem Dirigat von Prof. Märzendorfer spielt ausgezeichnet. Zu erwähnen ist noch, dass Bühnenbildner Waba ein Fan von Pyrothechnik ist, welche sehr viel eingesetzt wird.
Eine wirklich empfehlenswerde DVD.