Diese französische Version "Don Carlos" ist fantastisch und Roberto Alagna als liebeskranker Carlos und Thomas Hampson als sein Freund Rodrigue lassen ahnen, wie schrecklich das Leben unter der Herrschaft von Philippe II. und der Inquisition gewesen sein muss. Die beiden Charaktere wurden gesanglich und darstellerisch so überzeugend dargestellt, dass ich mich bisher noch für keine "Don Carlo"-Aufnahme entscheiden konnte. Auch die anderen Sänger gestalten ihre Charaktere durchaus glaubhaft. Besonders beeinderuckend, außer dem wunderbar gespielten und gesungenen Tod Posa's, ist noch das Terzett Eboli-Carlos-Posa, in welchem Thomas Hampson sehr überzeugend in Jähzorn verfällt und mit dem Dolch und Verve auf die eifersüchtige Eboli (Waltraud Meier)losgeht. Dieses Terzett habe ich bisher noch nie so gesehen und gehört: Alagna, Meier und Hampson gestalten ihre Rollen unheimlich eindringlich und musikalisch ist dieses Terzett von ungeheurer Wucht. Absolut natürlich gespielt ist die Wut und Rachsucht der Eboli, welche immer wieder auf Carlos eindringt und von Posa kaum abgewehrt werden kann. Um ihn vor ihr zu schützen, muss er ihr mit seinem Körper den Weg zum Infanten versperren. Hampson und Meier fechten sängerisch einen hervorragend gestalteten Zweikampf um Carlos aus.
Die Regie von Luc Bondy überzeugt: Als Posa seinen Freund Carlos entwaffnet und damit sowohl ihm als auch dem König das Leben rettet, schlägt der König ihn zum Herzog. Gleich darauf kniet er einsam auf der Bühne (alle anderen entfernen sich) und hält noch immer den Degen in der Hand. Ich fand es erschütternd, wie Hampson in seiner Mimik die Tragweite dieser "Beförderung" erkennt und sein Entsetzen darüber ausdrückt.
Allerdings ist der Philippe II. von Jose van Dam zu zahm, ich kann mir nicht vorstellen, dass er Posa gegenüber so langmütig ist, und Karita Mattila als Elisabeth hat Probleme mit der Tessitura. Teilweise klingen die hohne Töne gewaltsam herausgepresst.
Der Großinquisitor überzeugt stimmlich, weshalb er allerdings an zwei Stöcken förmlich am Boden kriechen muss und weshalb er nicht als Kardinal gekleidet sein darf, ist mir unklar. Ein wunderbarer Regieeinfall war allerdings, ihn bei seinem Auftritt als das Böse darzustellen: Bei jedem Schritt, welchen er macht, schlagen um ihn herum Flammen aus dem Boden.
Aber ansonsten - ja, toll!
Wunderschön inszeniert, auch die Kostüme sind toll, alles in allem, ein gelungener Opern-Abend. Und im schönsten Französisch gesungen, toll!