...wenn man Menschen hat, die an einen denken. Meine Tochter ist so ein Mensch. Die weiß, wie sehr ihr alter Herr der Zeit nachtrauert, in der sich Künstler wie Klaus Hoffmann, Ludwig Hirsch, Wolfgang Ambros oder Robert Long noch jung nennen durften. Diese goldenen Liedermacherzeiten sind lange vorbei und irgendwie kam nichts nach. Zu weichgespült, konformistisch und langweilig versuchten spätere Generationen in die all zu großen Fußstapfen zu treten...dachte ich jedenfalls. Bis meine Tochter mich mit Gisbert zu Knyphausen bekannt machte. "Hör da mal rein." Reinhören war kein Problem, wieder rauszukommen schon eher. Und wieder einmal fragte ich mich: Wie konnte das an mir vorbeigehen? Was der Mann aus dem hessischen Rheingau, der im richtigen Leben einen noch viel längeren Adelstitel führt, auf diesem Silberling abliefert, das ist wirklich vom Allerfeinsten.
"Irgendwann, irgendwann, fängt das alles wieder ganz von vorne an" singt Gisbert in seinem Song -Gute Nachrichten-. Für seine CD trifft das den Nagel auf den Kopf. Lieder wie -Verschwende deine Zeit, Neues Jahr oder die Kleine Ballade- werden mit jedem Hören besser, laufen im Player hoch und runter. Gisberts ruhige Stimme im Einklang mit der Akkustikgitarre oder ein schreiendes Falsett, das sich im harten Kampf mit der E-Gitarre und dem Schlagzeug befindet. Das ist Rock, Ballade, Liedermachersong und...und...und.
Dazu kommen deutsche Texte, die so poetisch wie einfühlsam sind. Mit reichlich Intelligenz und Gefühl wurden hier Worte zu Sätzen und Texten verarbeitet. Im genialen Zusammenspiel mit der richtigen Melodie, egal ob kuschelige Sehnsuchtsballade oder treibender Rocksong, ist das so einzigartig wie wunderschön.
Ich hasse es, an alten Zeiten zu hängen. Die Platten aus den 80ern vom Speicher zu holen und sich zurück zu erinnern. Das tut nicht Not! Es gibt mehr neue Musik als je zuvor. Das Problem: Man muss sie finden! Dazu gibt es halt Menschen, die einem helfen. So fand Gisbert zu Knyphausens CD ihren Weg zu mir. Wenn ich jetzt selig und gefühlstrunken sein Lalala in der -Kleinen Ballade- mitsinge oder mich bei -Erwischt- dabei ertappe, dass ich meine Füße nicht stillhalten kann, dann spreche ich einen Toast auf die "Neuen Zeiten" aus. Gäbe es sechs Sterne zu vergeben, hier hielte ich es für mehr als angebracht.