Ingrid Michaelson singt Lieder über die Liebe. Das ist nichts Neues. Das haben schon Unzählige vor ihr getan und doch versucht sie mit eigenem Stil und in ihren eigenen Worten Vielgesagtes neu wiederzugeben und dem Hörer zugänglich zu machen. Minimalistisch gehaltene Songs, die von ihrem lieblichen Gesang profitieren. Aufgewachsen in Staten Island als Tochter eines Komponisten und einer Bildhauerin liegt Kunst in der Luft - musisches Denken willkommen, auch wenn sie sich lange gegen den Pianounterricht im jungen Alter wehrt. Doch mag gerade diese Pflicht der gewonnen Kür und Reife förderlich gewesen sein und ihr Talent in die richtigen Bahnen gelenkt haben. Allein ihrer Eigeninitiative (u.a. Gründung des Labels Cabin 24 Records) und der Präsentation auf Internetplattformen wie MySpace verdankt sie die ersten 250.000 Verkäufe ihres Albums "Girls and boys". Hier wird sie auch von den Machern von "Grey's Anatomy" entdeckt, die inzwischen einige Songs von ihr in Episoden eingebaut haben, darunter das Finale der 3. Staffel.
Vielen dürfte die sympathische Frau mit der Brille im Vorprogramm der Jason Mraz Tour durch Deutschland aufgefallen sein. Auch wenn in den Staaten bereits ein neuer Langspieler in den Läden steht, beginnt man in Europa die Singer/Songwriterin Ingrid Michaelson mit der Wiederveröffentlichung ihres Durchbruchs aus 2007 aufzubauen. Bis heute hat sie sich ein hohes Maß an Selbstbestimmung beibehalten. Die Songs auf "Girls and boys" sind kleine Indie Pop/Folk Diamanten, die im Sonnenlicht eines aufklarenden Herbstmorgens funkeln. Charmant und unaufdringlich, dabei kaum zu übersehen, singt sie sich in die Herzen der Hörer. Sie steht dabei in der Tradition von Newcomern wie Sara Bareilles und gestandenen Künstlerinnen wie Nora Jones und Regina Spektor. In ihrer Einfachheit bezaubernd, gibt sie sich mal rockig (Die alone), dann wieder zerbrechlich (Breakable, Corner of your heart). Die Single "The way I am" ist mit leisen Percussions, Akustikgitarre und Handclaps nur minimalistisch instrumentiert und stellt die Anziehungskraft ihrer Stimme heraus. Selbst bezeichnet sie ihr Album als "Acoustic diary" und wir lauschen gerne andächtig ihren zuckersüßen Folkpop Geschichten über die Liebe und menschliche Zerbrechlichkeit.
Anspieltipps: "Die alone", "The way I am" und "Starting now"