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FAKTEN
Die LP "Girl Happy" erschien im Jahre 1965. In Deutschland, wie in den USA, wurden zwei Singles aus der LP ausgekoppelt. Bei uns hieß der Film "Kurven-Lilli" - in Österreich "Striptease Komplex" - dessen Plakate der Frankfurter Kult-Grafiker Klaus Dill (1922-2000) entwarf (leider nicht im Booklet der CD abgedruckt). Die Singles waren "Do The Clam" / "You'll Be Gone" (eine bis dato unveröffentlichte gefühlsschwere Nashville-Ballade im Latinosound von 1962, die der "King" selbst mitgeschrieben hatte) sowie "Puppet On A String" / "Wooden Heart" (Muß I denn, muß I denn...) vom Filmsoundtrack "G.I.Blues" 1960. Bei uns war die Single "Puppet On A String", die erst im Januar 1966 erschien, mit einem anderen Lied, nämlich "Tell Me Why" (bis 1965 unveröffentlichte Ballade von 1957) gekoppelt. Die LP erreichte in den USA Platz 8 in den Billboard-LP-Charts, das rhythmische "Do The Clam", das damit einen weiteren neuen US-Modetanz propagierte, Platz 21 und darauf, im Herbst 1965, die gefühlvolle Ballade "Puppet On A String" Platz 14 der gleichnamigen Singles Charts. Die LP konnte damit - gemessen an bisherigen Elvis Standards - als mittlerer Erfolg gewertet werden. Bei uns kamen die Platten nicht in die Charts.
MUSIK
Die vorliegende CD des BMG/RCA Elvis-Spezial-Sublable "Follow That Dream" (im Folgenden: FTD) beinhaltet die originale LP plus weiteres bisher unveröffentlichtes alternatives Bonusmaterial ("Outtakes") aus den RCA-Archiven sowie den 1962 unveröffentlichten Bonussong "You'll Be Gone".
In vielen bisherigen Besprechungen wird dieser Soundtrack zu unrecht schlecht bewertet. Die Titelauswahl ist ausgewogen: Rhythmische und sehr "groovige" Tracks (etwa das beatorientierte "I've Got To Find My Baby" mit einer Vokalharmonie, die an "Twist And Shout" der Beatels erinnert) wechseln mit gut interpretierten Balladen ("Do Not Disturb") und melodiös-humorvollen Liedern, die die witzige Spielhandlung ergänzen ("Fort Lauderdale Chamber of Commerce") ab. Eine Freude ist es, über lange Minuten den Vokalharmonien der "Jordanaires" bei Titeln wie "Startin' Tonight", "Spring Fever", "Cross My Heart And Hope To Die" und "Puppet On A String" folgen zu können. Die "Outtakes" geben einem Gelegenheit sich in eine Aufnahmesitzung der damaligen Zeit hinein zu versetzen und Studioatmosphäre beim Entstehen der Lieder zu verspüren (etwa "Girl Happy" Take 1 und Folgende, interessant hier der dezente Saxophoneinsatz von Boots Randolph). Generell sind die Musiker (Teile des Nashville A-Teams) in Hollywood gut bei der Sache und, obwohl Elvis nicht seine besten Tage im Studio hatte, sind alle Titel sehr sorgfältig eingespielt. Denn Elvis war Perfektionist, der offenbar erst nach 24 Takes von "Spring Fever" und 36 Takes (!) von "Do Not Disturb" mit dem Ergebnis zufrieden war. Hervorzuheben bleiben die gute Gitarrenarbeit, die fetzigen Saxophon-Breaks von Boots Randolph bei den "Uptempo" Stücken (z.B. "The Meanest Girl In Town", "I've Got To Find My Baby") und die Pianountermalung von Floyd Cramer. Erwähnenswert bleibt ferner die Teilnahme der farbigen Gospel- und R&B Gruppe "The Jubilee Four" am Begleitgesang zu den Stücken "Wolf Call" und "Do The Clam". Die Gruppe hatte schon am Soundtrack zu Elvis' "Viva Las Vegas" (1963) mitgewirkt, nur leider ist der dort vom Bass-Sänger der Gruppe George "Biggie" Mc Fadden vorgetragene ausgezeichnete R&B Track "The Climb (Cheek to Cheek)" - bei dem Elvis als Backgroundsänger (!) fungierte - erst im November 2003 (!) in derselben FTD-Reihe erstmals (!) offiziell auf Platte veröffentlicht worden. Die Gruppe war damals in Las Vegas zu sehen und diese hatte bereits 1961 eine brilliante Gospel LP "Lookin' Up" (Reprise LP 2006) veröffentlicht. "Do The Clam" - rhythmischer Höhepunkt der Platte steht mit seinem mitreißendem Bongo-Sound in der Tradition des instrumentalen R&R Klassikers "Bongo Rock" von Preston Epps (Original Sound 4) der 1959 Platz 14 in den Billboard-Singles-Charts erreichte.
Es wird wohl für immer ein Rätsel bleiben, warum RCA damals am Master des Titelsongs "Girl Happy" herum doktorte und ihn unbedingt um ca. 8% künstlich verschnellern mußte - und warum man für den interessanten R&B Track "Wolf Call", der auf einer Sammleredition als über 2 minütiger durchgehender Take mit Zusatzstrophe belegt ist, aus unerfindlichen Gründen für die LP Veröffentlichung einen nur 1:28 min. langen Take verwendete oder diesen zusammengeschnitten hat. Zum Glück kann man nun "Girl Happy" auf der CD auf weiteren "Outtakes" so hören, wie es damals eingespielt wurde.
FAZIT
Die Musik läßt qualitativ und quantitativ absolut nicht überzeugende Elvis-Soundtracks-LPs wie "Harem Holiday" (1965), "Paradise Hawaiian Style" (1966) oder "Clambake" (1967) weit hinter sich. "Girl Happy" ist musikhistorisch zwischen dem mittlerweile ebenso in der FTD-Reihe (November 2003) erschienen "Viva Las Vegas" Soundtrack und dem ebenso hervorragendem "Spinout" Album (RCA LPM/LSP 3702, 1966 / auf CD: ELVIS DOUBLE FEATURES: SPINOUT and DOUBLE TROUBLE RCA USA 07863 66361-2, 1994) anzusiedeln. Zum BMG Sammlerlabel FTD bleibt anzumerken, daß man sich bei der Gestaltung der Booklets (Foto- und Abbildungsqualität) für den grandiosen Preis ein wenig mehr Mühe geben könnte ! Es wäre ebenso zu begrüßen, den Text und die Diskographie - internationalerseits - inhaltlich zu erweitern und Abbildungslegenden in den Booklets einzuführen. So wissen z.B. nur die eingefleischtesten Fans des "King" auswendig, daß hier im Booklet -ohne darauf hinzuweisen- die ultrarare Cover-Variante der japanischen LP abgebildet ist, die in völlig anderem Design sonst vermutlich so nirgends veröffentlicht wurde. Unterschiede gibt es auch im Klangbild der CD, das im Vergleich zum Vinyl-Sound nun wesentlich anders und manchmal nicht unbedingt besser klingt. Als Fan sollte man sich eben beides gönnen. Schade ist auch, daß man bisher offenbar von Highlights wie "Do The Clam" oder "Startin' Tonight" keine "Outtakes" in den Archiven aufstöbern konnte. Im Sinne des kalkulierten Geschäftstreibens um den "King" wäre es sicher keine Überraschung zum nächsten Jubiläum wieder etwas "Neues" aus diesem Soundtrack serviert zu bekommen.
UND TROTZDEM: Hier liegt ein klassischer, hoch atmosphärischer -im Gegensatz zum balladen- und duetschweren "Viva Las Vegas"- recht schmissiger Elvis-Filmsoundtrack mit absolutem Genre- und Kultstatus vor, der auch den generellen 1960ties Fan prinzipiell ansprechen sollte. Also: Kaufen !
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