Mann, war ich auf die Millenium-Trilogie gespannt! Laut Werbung und abgedruckten press clippings würde mich ein völlig neues, atemberaubendes, noch nie dagewesenes Leseerlebnis erwarten, das die Massstäbe in Bezug auf Erzählstil auf ein völlig neues Niveau erhebt. Soweit zur Vorfreude.
Tatsächlich ist die Story milde spannend - es gibt Prickelnderes, aber auch Langweiligeres - wirklich schlimm fand ich, dass Herr Larsson jede winzige Einzelheit bis ins Kleinste auslatscht und einfach nicht in die Gänge kommt. Das Buch liest sich wie ein Bericht und ist von der Feinheit der Raumgestaltung, in der Kunst des Weglassens oder Verdichtens oder auch im Spiel mit Unbestimmtheitsstellen vom Standard ordentlicher Romane weit entfernt. Dass Kritiker bei diesem Stil von Niveau-Anhebung sprechen ist erstens schlicht daneben und schiebt zweitens dieselben Kritiker in jenes Lager, welches der Protagonist Blomqvist bei seinen Wirtschaftsjounalisten-Kollegen als mangelhaft kritisch anprangert.
Weiterhin ungelungen finde ich das Lektorat. Was die Leute in diesem Buch Kaffee kochen und trinken ist schon sensationell. So wird der Protagonist nachts wach, steht auf, kocht Kaffee und legt sich dann wieder ins Bett (ohne den Kaffee zu trinken). Ich weiß nicht, wenn ich nachts wach werde, gehe ich höchstens mal für kleine "Königstiger". Kaffee kochen scheint mir sehr unkonventionell und wenig glaubhaft. Vielleicht widersprechen mir hier aber auch einige Leser. Ein rigideres Lektorat hätte solche Schwachstellen herausnehmen und das Buch auch sonst deutlich straffen können.
Fazit: Kann man lesen, den Hype rechtfertigt das Machwerk meiner Meinung nach aber nicht