Wilder Sex im Frauenferienzentrum bringt eine Beziehung durcheinander heisst es auf der Rückseite des in der Reihe Liebesleben des Konkursbuchverlags erschienenen Roman von Sandra Wöhe aus Zürich. Tatsächlich gehen einige der Frauen im Landgut Ananke ziemlich zur Sache und auch Alter schützt vor sexuellen Torheiten nicht unbedingt. Kein Wunder, dass Inge, aus deren Perspektive erzählt wird, bisweilen die lesbische Welt nicht mehr versteht.
Wollte ihre Freundin Brigitte nicht diesen Urlaub, um die gemeinsame Beziehung zu kitten? Was macht sie also im Bett einer Anderen? Allzu genau will Inge das natürlich lieber gar nicht wissen, auch wenn ihr eben noch die Balzerei zwischen Brigitte und Ada durchaus die eigene Lust gesteigert hat. Doch unter der Oberfläche der witzigen und pointenreichen Geschichte lauert einiges: Verlustängste, Bindungsscheu, Abenteuerlust und immer wieder Hoffnung auf die große Liebe.
Giraffe im Nadelöhr spielt munter mit den Klischees. Bis ganz kurz vor Schluss bleibt es offen, ob die langbeinige Inge, die Giraffe, es aus dem Nadelöhr schafft. Spannend und unterhaltsam erzählt, behutsam mit den Personen und doch nicht gerade zögerlich mit den prickelnden Details steht der zweite Roman von Sandra Wöhe für mich auf dem schmalen Grat zwischen erotischer Erzählung und Liebesroman. Und das ist auch gut so.