Mit dem Sechsteiler "Gipsy" legt Splitter einen SF-Klassiker wieder auf, der bereits in den Jahren 2000 bis 2003 im Carlsen Verlag erschienen ist. Die Erstauflage des ersten Bandes erschien bereits 1996 in französischer Sprache. Doch in all den Jahren hat die Thematik nichts an Aktualität verloren. Gewalttätig und düster ist die Zukunftsvision. Der Planet Erde hat gelitten, wodurch die Menschheit schwere Schläge hinnehmen musste. Eine neue Eiszeit und eine zerstörte Ozonschicht sind Schlagzeilen, die heutzutage in Nachrichtenmagazinen zu finden sind und heute weniger utopisch klingen als noch Mitte der Neunziger Jahre.
Sprachlich ist "Der Stern des Zigeuners" stellenweise etwas befremdlich, spricht doch der Gipsy von sich selbst häufig in der dritten Person und seine kleine Schwester Oblivia siezt plötzlich ihren Bruder, nachdem sie zu ihm zurückgekehrt ist. Beides passt sich dann aber doch gut in die Story ein. Schließlich waren die beiden sehr lange getrennt und Oblivias Bruder ist für sie mittlerweile zu einem Fremden geworden. Gipsys jahrelanger Alleingang, in dem er sich auf der C3C behaupten musste, hat ihm die Angewohnheit beschert, sich selbst in der dritten Person zu erwähnen. Im letzten Drittel des ersten Gipsy-Bandes zieht auch die Story an und bewegt sich vom leicht angestaubten "Mad Max"-Image weg, hin zu einem spannenden "Road-Movie". Die Charaktere werden immer wichtiger und die großen Trucks und Maschinen treten weiter in den Hintergrund. Das ist auch gut so, denn an LKWs sieht sich der Leser dann doch wohl schnell satt. Vielschichtige Charaktere sind daher wesentlich wichtiger und treten glücklicherweise ab diesem Zeitpunkt auch in den Vordergrund.
Zeichnerisch ist "Der Stern des Zigeuners" absolut gelungen, perfekt abgestimmt sind Farben und Geschehnisse. Marinis Stil ist in den Hintergründen eher andeutend, nicht alles wird im Detail ausgearbeitet, Vordergründiges aber ist stets scharf gezeichnet und hebt sich dadurch gut hervor. Klassisch bleiben die Bilder brav in ihren Panels, Überschneidungen gibt es keine. Ein besonderes Highlight sind die acht Seiten Sketchbook mit unveröffentlichtem Szenenmaterial am Ende des Comics. Eine Weltkarte, die den Streckenverlauf der weltweiten Autobahn C3C abbildet, versteckt sich außerdem in den Coverinnenseiten.
Zunächst noch verhalten, dann aber mit immer stärker werdenden Charakteren, durchgehend tollen Zeichnungen und ansprechenden Bonusseiten, präsentiert sich der erste Band dieses dystopischen Comic-Klassikers.