In den herkömmlichen Bestenlisten des Gangster- und Mafiafilm-Genres taucht "Giovanni Falcone" in der Regel nicht auf. Meines Erachtens völlig zu Unrecht. "Giovanni Falcone" ist ein auf wahren Begebenheiten beruhender italienischer Mafiathriller aus dem Jahre 1993. Anders als in den eglischsprachigen Referenzwerken wie "The Godfather", "Good Fellas" oder "Donnie Brasco" fällt der Italothriller schnörkellos und geradlienig erzählt aus. Die Mafia wird keinesfalls als mythische, ellegante und auf eine magische Weise anziehende Geheimgesellschaft dargestellt. Vielmehr entmythologisiert Regisseur Ferrara die "Cosa Nostra" und stellt sie wahrheitsgemäß als grausame, skrupellose und vollkommen unehrenhafte Verbrecherbande dar.
Die Geschichte wird aus Sicht der sizilianischen Ermittlungsrichter und Vorkämpfer gegen das organisierte Verbrechen in Italien - Giovanni Falcone (Michele Placido - "Allein gegen die Mafia") und Paolo Borsellino (Giancarlo Giannini - "Hannibal", "Casino Royale") - berichtet. Die beiden italienischen Charaktermimen überzeugen in ihren tragischen, scheinbar aussichtslosen Rollen voll und ganz.
Der Film wird chronologisch und im dokumentarischen Stil erzählt. Vorkenntnisse über die politische Situation in Italien der 80er und frühen 90er Jahre werden dringend empfohlen, da die Übersicht anderenfalls leicht verloren gehen kann. Als Basis für eine gesunde Vor- und Nachbearbeitung des Stoffes wird das Sachbuch "Cosa Nostra - Die Geschichte der Mafia" von John Dickie wärmstens empfohlen.
Fans der legendären 80er Jahre Serie "Allein gegen die Mafia" oder von einschlägen Italothrillern wie "Der Clan, der seine Opfer lebendig einmauerte" und "Palermo vergessen" werden an der Verfilmung ihre Freude haben. Insbesondere im direkten Vergleich zum englischsprachigen Pendant "Falcone" (auch bekannt als "Exellent Cadavers") mit dem erprobten Mafiamimen Chazz Palminteri in der Rolle des Giovanni Falcone, schneidet die italienische Verfilmung aufgrund ihrer Authenzität und der Vermittlung des typisch sizilianischen Flairs deutlich besser ab.
Der Punkteabzug ergibt sich alleinig aufgrund der durchschnittlichen Bildqualität und der nicht sehr liebevollen Synchronisation. Aufgrund des Alters des Films kann man zumindest mit der Bildqualität aber gut leben.