Ginger ("Femme fatale" Katharine Isabelle, diesmal aber nur als Geist in Traumsequenzen dabei) hat ihre Schwester Brigitte (grandios: Emily Perkins) mit dem Werwolfvirus infiziert. Diese versucht nun alles, um zu verhindern, dass der Virus ausbricht und sie selbst zur Bestie mutiert. Dummerweise landet sie in einem abgelegenen, verschneiten Sanatorium. Das Personal weigert sich, ihr das lebensrettende Serum zu geben. Nicht ahnend, welch tödliche Gefahr tief in den Wäldern lauert...
Gut, wirklich neu und überraschend klingt die Story nun wirklich nicht. Zumal es sich hier um die Fortsetzung des mittlerweile zum Kult avancierten Werwolfschockers "Ginger Snaps" handelt ...
Doch genug der Zweifel. "Ginger Snaps II - Unleashed" hat alles, was ein guter Schocker braucht: Eine unheimlich dichte, schaurige Atmosphäre, die von Anfang an vorhanden ist und sich stetig steigert (man denke nur an die Anfangssequenz im Bad oder die grandiosen Kellerszenen im Sanatorium), eine sich kontinuierlich hoch schraubende Spannungsschraube (das Finale in Barbaras Haus mit etlichen Wendungen) und schließlich brilliante Darsteller, allen voran Werwölfin Emily Perkins, die endlich nicht mehr, wie noch im ersten Teil, ein Schattendasein hinter Katharine Isabelle führen muss (deren Rolle wirklich kaum mehr als ein Cameo ist, aber dennoch sehr bedeutend für die Geschichte), sondern sich zu einer interessanten Protagonistin mausert, mit der man von Anfang an mitfiebert und die einen mühelos um den Finger wickelt. Eine echte Entdeckung ist die phänomenale Tatiana Maslany in der Rolle der mysteriösen, gar nicht so kindlichen Ghost (wie alt ist die denn!?), die die restliche Darstellerriege oftmals mühelos an die Wand spielt und dem Zuschauer mehr als einmal einen gewaltigen Schauer über den Rücken jagt.
Ebenso gelungen wie der Film selbst ist auch (zumindest größtenteils) die DVD-Umsetzung. Während sich auf der ersten Scheibe neben einem recht spannendem Audiokommentar nur mehrere Trailer (darunter der Originaltrailer zu "Ginger Snaps II" und "Into the Mirror", leider alle nur auf Deutsch) befinden, ist die zweite Scheibe dann schon reichhaltiger bestückt. Neben kurzen, aber interessanten Making Ofs (unter anderem die Enstehung des Werwolfs und von Burned Barbara's House - manchmal wäre etwas mehr Kommentar wirklich mehr gewesen) und 8 Deleted Scenes (die kaum Neues hinzufügen und deshalb vermutlich der Schere zum Opfer fielen) gefallen vor allem die Auditions der fünf Nebendarsteller. Desweiteren findet man selbst laufende Storyboard-(teils mit einem Vergleich der filmischen Umsetzung) und Bilder-Galerien (nicht nur öde Filmausschnitte, sondern teils echt komische Schnappschüsse), einen Werbetrailer zum Prequel "Ginger Snaps III" und eine Werwolf-Filmografie auf Texttafeln (recht öde, warum die nicht auch selbst läuft, ist mir ein Rätsel...). Auch wenn die Specials insgesamt nicht ganz halten, was sie versprechen, so bringen sie doch den Spaß und das Engagement aller Beteiligten rüber und machen Lust darauf, sich den Film nochmals anzusehen. Einziger wirklicher Wermutstropfen der DVD ist das Fehlen jeglicher (!) Untertitel auf der ersten Scheibe. Zumindest den Audiokommentar (dessen Englisch man zwar relativ gut versteht, aber nicht jeder studiert oder kann perfekt Englisch) hätte man untertiteln können. Die zweite Scheibe bietet dann freundlicherweise deutsche Untertitel (ich hätte mir daneben auch englische gewünscht). Insgesamt waren die Rechte dafür wohl zu teuer. Abgesehen davon ist die DVD-Umsetzung aber wirklich ganz passabel.
Wer bereits den ersten Teil mochte und nicht unbedingt allergrößte Hoffnungen in den zweiten Teil setzt, der wird auch nicht enttäuscht werden. Um "Ginger Snaps II - Unleashed" zu verstehen, muss man nicht unbedingt den ersten Teil gesehen haben, es erleichert aber vermutlich doch einiges (ich selbst habe den ersten Teil nur ein einziges Mal gesehen). Wer Lust auf einen schaurig-schönen Werwolfschocker hat, der mehr Wert auf eine gruslige Atmosphäre und tolle Darsteller als auf stupides Blutgemetzel legt (auch wenn die paar Szenen, in denen Blut spritzt, dann doch eher heftig sind), der sollte bei "Ginger Snaps II" zugreifen. Eine Scary Night ist jedenfalls garantiert...;)