Die meisten Leser kennen das I-Ging in der Übersetzung von Richard Wilhelm, geschrieben in klangvoller Sprache. Ganz andere Aspekte eröffnet jedoch die Übersetzung von Marguerite de Surany, die -- nach einer Jugend als Schülerin eines katholischen Internats -- eine atemberaubende Einsicht, u.a. in die östliche Philosophie, entwickelte. Ich kann mich über den kabbalistischen Aspekt nicht groß äußern, das ist ein auch mir verschlossenes Reich. Wer sich aber dafür interessiert, könnte die Aussagen schon intuitiv zu erforschen anfangen, indem er sie mit denen zur chinesischen Medizin und Psychologie abgleicht, und mit diesen befasse ich mich vorrangig. Es ist sehr hilfreich, sich mit den Grundlagen der TCM angefreundet zu haben. Wenn man die Beziehungen der Körperorgane zu einander und diese zu Emotionen und Lebenssituationen studiert, ist dieses Buch in einer Schlüsselfunktion zu sehen, die kaum überschätzt werden kann. Verblüffend ist auch die Treffsicherheit, mit der uns dieses Buch Antworten geben kann. Der Kern aller Orakel ist natürlich, dass wir uns die Antworten selber geben. Das sind aber nicht "nur" wir. Wer den Gedanken zulässt, dass die Macht des Geistes sowohl aus uns selber kommt als aus dem, was Hesse den "Weltgeist" nannte, der sieht diese Übersetzung des I-Ging als einen Weisheitsbrunnen, aus dem wir echte Lebens- und Entscheidungshilfe schöpfen könne.