Der Roman von Thomas Mielke ist im eigentlichen Sinn kein historischer Roman. Abgesehen von der Einbettung des Werks in den historischen Kontext und der archäologisch überlieferten Vorlage, könnte sich die Geschichte ebenso auf einem anderen Planeten abspielen. Der Autor unternimmt wohl absichtlich nicht den Versuch einer Erklärung, so könnte es tatsächlich gewesen sein. Vielmehr werden lediglich die historisch überlieferten Bruchstücke der Erzählung in ein allgemeinverständliches Format übertragen und die im Original fehlenden Textstellen plausibel ergänzt. Daraus entstand eine kurzweilige, leider nicht immer fesselnde Neuerzählung der bekannten Inhalte des Gilgamesch-Epos. Darüberhinaus macht der Gilgamesch des Romans gelegentlich den Eindruck eines tolpatschigen Mannes, der aufgrund seiner Andersartigkeit, meist sogar aus purem Zufall oder aus Versehen in die Rolle des Helden und Königs von Uruk schlüpfen kann. Diese Charaktereigenschaft steht ein wenig im Gegensatz zu der Vorstellung, die man von einem sagenumwobenen Helden hat, der über einen blühenden Stadtstaat der Frühhistorie herrschte, und der Vorlage war, für eine durch viele Jahrhunderte und Kulturen hinaus überlieferte Sagengestalt, deren Taten es wert waren, sogar auf Tontafeln festgehalten zu werden, die uns bis heute erhalten sind. Wer sich nicht durch eine lückenhafte, zum Teil schwer verständliche und in gewöhnungsbedürftigen Versen abgefasste Übersetzung der Originaltafeln arbeiten will, der nehme das vorliegende Buch, um sich mit dem Gilgamesch-Epos vertraut zu machen.