Lange Jahre habe ich mich mit schnurlosen Telefonen der mittleren und unteren Preiskategorie von Phillips bis Clatronic herumgeärgert.
Meine werte Angetraute verschleißt die Dinger, wie andere Leute Papiertaschentücher. Nun war es mir aber genug. Ich wollte mir mal etwas gönnen, das dem Schöngeist ... nein ich hab mich jetzt nicht scheiden lassen, lest einfach weiter... und dem Technikfreak, gleichermaßen das Herz vor Besitzerstolz überquellen lässt. Lange Stunden machte ich mir den Kopf schwer, ob es sich wirklich lohnt so viel Geld für ein Telefon auszugeben, schließlich funktioniert auch das Apple iPhone 3gs dank Fritz!App relativ umstandslos als Voip-Verlängerung meiner AVM Fritz!Box 7270 (FW 54.04.86). Die eher mäßige Sprachqualität, das schlechte Freisprechverhalten und der beschränkte Funktionsumfang an iPhone (war schließlich auch nicht Umsonst) und Fritz!APP, noch dazu die Dauerbestrahlung, haben mich schließlich soweit gebracht, doch nach was Neuem zu Suchen.
Ziemlich schnell kam ich auf die Siemens Gigasets, die bekanntermaßen recht gut mit der Fritz!Box 7270 zusammenarbeiten.
Die Wahl zwischen SL400H und SL78H fiel schwer, sehr schwer. Auch wenn sich die Telefone im Detail, vom Design abgesehen, sehr ähnlich sind gibt es einige feine Unterschiede, die man nur mittels des Datenblatts von der Siemens-Webseite ermitteln kann. Die bessere Empfangsleistung und bessere Sprachqualität sowie das besser lesbare Display gaben für mich den Ausschlag doch zum "klobigeren" Gerät zu greifen.
Die Fritz!Box 7270 auf die aktuelle Labor-Firmware hochgezogen, zwecks besserem DECT-Monitor. DECT-Subsystem aktiviert und (wichtig) eine individuelle PIN vergeben. Das Siemens QuickSync 5.1 heruntergeladen, auf der CD befindet sich zu meiner Überraschung nur eine Steinzeitversion und die Firmware vom SL78H aktualisiert. Das Mobilteil mit der Basisstation AVM Fritz!box bekannt gemacht. Alles in allem 10 Minuten bis zum erste Telefonat. Hätte man auch einfacher haben können... aber wenn schon denn schon. Zum Vergleich, die Konfiguration des Nokia N86 meiner Frau als WLAN/VoIP-Telefon an die selbe Fritz!box nahm alles in allem 2,5 Stunden in Anspruch.
Erste Telefonat: Das Ding telefoniert, das ist schon mal gut. Freisprechen im Test mit dem Siemens Gigaset C59H als Gegenstelle ist einfach brilliant. Überhaupt kein Vergleich mit dem üblichen Rauschen und Stottern, das ich vom iPhone und N86 gewohnt war. Das Telefon kann man wirklich neben sich legen und z.B. "frei"-Sprecher ohne das das Gegenüber am anderen Ende das Bemerken würde! Selbst die Aktivierung des Freisprechens an beiden Enden der Leitung, normalerweise ein Gau, selbst bei ansonsten guten Mittelklassetelefonen, funktioniert tadellos.
Das Telefonbuch der Fritz!Box ist sofort zugreifbar und Telefonnr. werden umgehend übersetzt. Kein Sync oder ähnliches nötig. Mit dem Siemens QuickSync-Werkzeug kann man jedoch, neben Firmware-Upgrades, auch Bilder und Klingeltöne auf das Mobilteil bringen. Die insgesamt 4 MB Speicher, von denen ab Werk noch 2,6 MB frei sind scheinen dabei zunächst wenig üppig zu sein. Auf das Display zugeschnittene Bilder benötigen jedoch nur um die 10 KB. So bleibt selbst dann noch Platz für 2-3 15 Sec. Klingeltöne, wenn man auch die Mitgelieferten behalten möchte. (Mal im Ernst Siemens: Es hätten schon 16 MB sein dürfen, Mehrkosten 2-3 Cent.)
Viele Features der Firmware->Kalender/Organizer (Gut), Medien-Pool (Naja), Babyalarm (wenn mans braucht Gut), Screensaver (mit z.B: Digital oder Analog-Uhr gut), abschaltbaren Tastentönen, Anruf/Klingelsperre inkl. VIP-Schaltung, Diashow <- kann zwar nicht mit einen aktuellen Smartphone mithalten, aber das kostet auch leicht das 5 - 10fache.
BlueTooth funktioniert, zumindest mit meinem Mono-Headset, ausgezeichnet. Man kann, anders als beim iPhone (1 Meter schon kritisch!) oder Nokia E71 (2-3 Meter), auch tatsächlich mal 5-6 Meter vom Gerät weggehen ohne das die Verbindung zusammen bricht. Das ist ganz ordentlich. Stereo-Headsets werden nicht unterstützt. Das finde ich Schade, muss man sich doch oft genug das andere Ohr zuhalten, weil immer irgendwer oder irgendwas im Hintergrund Zugange ist.
Die mitgelieferten Klingeltöne sind überraschen Einfallsreich-> Raben mit dem ???-Touch, quakende Frösche und selbst Orgelmusik von Brahms finden sich im internen Speicher. Lauter und in jedem Fall auffallender sind jedoch die "normalen" Klingel/Alarm/Wecktöne, die man durch ganze Haus hören kann. Wenn ich das sage, will schon was heißen.
Das Display hat jetzt sicher nicht den technischen Stand eines iPhone4G, aber es ist ausreichend hell, die Zahlen werden Ausreichen groß dargestellt, könnten aber noch größer sein. Kurz es wirkt nicht billig und ist nicht übermäßig pixlig. Unterschiedliche Farbschemata scheint es leider nicht zu geben. Das Look-and-Feel ist aber Spitze. Der Rahmen des Geräts ist aus verchromten Metall, ein dickes Material, sogar die Tastatur ist aus Metall. Letztere ist mit einer mehrfarbigen Hintergrundbeleuchtung versehen, die auch zur Signalisierung von Betriebszuständen, vorliegenden Nachricht und Terminen dient. Die Rückseite ist aus mattschwarzem Plastik hinter dem sich der Lautsprecher, der USB-Anschluss (ein USB-Kabel liegt bei) und der 750mA Akku verbirgt.
Die kompakte Ladeschale, schwer, verchromt und Standfest, kein Plastikgewackel, ist auch eine Augenfreude.
Was ich vermisse ist ein Vibrationsalarm, ein bisschen mehr interner Speicher und die Kompatibilität auch zu Stereo-Headsets.
Mein Fazit: Eine klare Kaufempfehlung, wenn man auf Freisprechen und ECO-Modus-Plus viel Wert legt.
(Letzteres tue ich, weil ich aus beruflichen Gründen direkt neben der Station schlafe.)